Vorwurf der TierquälereiTaufkirchner Ochsen- und Kamelrennen hat juristisches Nachspiel

Lesezeit: 3 Min.

Die Reiter waren gut geschützt: ein Feuerwehrmann mit Motorradhelm auf einem der Kamele, das am Rennen teilnahm.
Die Reiter waren gut geschützt: ein Feuerwehrmann mit Motorradhelm auf einem der Kamele, das am Rennen teilnahm.
Animal Rebellion

Die Tierschutzorganisation Animal Rebellion stellt Strafanzeige gegen das Veterinäramt. Die Behörde hatte die Veranstaltung beim Feuerwehrfest in Taufkirchen Anfang Juni genehmigt. Dabei sollen Tiere zu Schaden gekommen sein.

Von Bernhard Lohr, Taufkirchen

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Tausende verfolgten das Spektakel vom Seitenrand aus. Für die meisten von ihnen dürfte das Ochsen- und Kamelrennen, das die Freiwillige Feuerwehr in Taufkirchen bei München am 4. Juni veranstaltete, eine einzige Gaudi gewesen sein. Doch aus Sicht von Tierschützern war es nicht nur eine völlig verfehlte Art der Brauchtumsveranstaltung, sondern Tierquälerei. Die beiden Organisationen Animal Rebellion und Team Tierschutz haben nun Strafanzeige gegen das Veterinäramt erstattet. Aus ihrer Sicht hätte das Rennen nie stattfinden dürfen.

Derartige Veranstaltungen gibt es quer durch Oberbayern und sie erweisen sich regelmäßig als Publikumsmagneten. Spätestens seit der TV-Serie „Irgendwie und sowieso“ mit Ottfried Fischer Mitte der Achtzigerjahre, in der ein Ochsenrennen vorkommt, sind auf dem Land solche Spektakel, bei denen der eine oder andere Reiter unsanft auf dem Boden landet, angesagt. In Taufkirchen kam dazu, dass außer tonnenschweren Ochsen auch Kamele antraten. Diese hatte ein Zirkus gestellt. Tierschützer verfolgten die Rennen und machten Video- und Filmaufnahmen, die aus ihrer Sicht klare Tierquälerei dokumentieren.

Zu sehen sind Tiere, die von kräftigen Burschen zum Start gezogen werden. Der Stress sei den Tieren ins Gesicht geschrieben, sagt Scarlett Treml, Aktivistin von Animal Rebellion. Ein Rind habe man grob an einen Betonblock gebunden, damit die Reiter aufsteigen konnten. Ein Kamel hat am Hals eine offene Wunde, als wäre die Stelle von einem Strick wundgescheuert. Ein Ochse habe eine offene Stelle über dem Maul. Die Verstöße gegen Tierschutzgesetze seien offensichtlich. „Die Videosequenz und die Bilder sprechen für sich.“

Die Tierschützer schließen nicht aus, dass die Kamele bereits im Zirkus nicht tiergerecht gehalten wurden. Aktivistin Treml spricht von „doppelter Ausbeutung der Tiere“ zur Belustigung – im Zirkus und auf der Rennbahn. Es stelle sich die Frage, was ein Veterinär nütze, wenn er offensichtliche Wunden nicht erkenne? Deshalb habe man Strafanzeige erstattet gegen die Behörde. Ein Schreiben an das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit werde vorbereitet.

Das Ochsenrennen in Taufkirchen beim Fest zum 150-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr zog Tausende Zuschauer an.
Das Ochsenrennen in Taufkirchen beim Fest zum 150-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr zog Tausende Zuschauer an.
Animal Rebellion

Organisator des Rennens war die örtliche Feuerwehr, die an dem Wochenende Anfang Juni ihr 150-jähriges Bestehen feierte. Deren Vorsitzender Andreas Donhauser beteuert, man hätte „auf gar keinen Fall“ in Kauf genommen, dass ein Tier leide. Die Veranstaltung sei tiergerecht gewesen. Wenn ein Ochse nicht habe laufen wollen, dann sei der einfach stehen geblieben. „Wir hatten knapp sechs Seiten Auflagen, die alle erfüllt werden mussten.“ Zwei Veterinäre seien anwesend gewesen, die Wunde am Maul des Ochsen habe man sofort untersuchen lassen und bestätigt bekommen, dass nichts Schlimmeres passiert sei. „Im Grunde“, sagt Donhauser, „haben wir als Feuerwehr sicher schon mehr Tiere gerettet als die, die uns jetzt beschimpfen.“

Organisatoren und Veranstalter kennen die Vorwürfe von Tierschützern

Als Partner hatte die Feuerwehr einen Veranstalter aus der Nähe von Weilheim dabei, der seit 40 Jahren Ochsenrennen organisiert und in Taufkirchen die Tiere stellte. Georg Steidl, der Vorsitzende des Vereins „D’Ochserer Haunshofen“, kennt die Vorwürfe seit Jahren. Wunde Stellen, die man auf Fotos sehe, seien für Tierschützer „ein gefundenes Fressen“. Tierärzte hätten die Tiere vor dem Rennen untersucht und seien während des Rennens präsent gewesen, so der Organisator. Die Wunde am Maul eines Ochsen sei beachtet und versorgt worden. Die Tiere hätten nicht gelitten.

„Wenn etwas gewesen wäre, hätte man sie herausgezogen an diesem Tag. An erster Stelle steht das Tierwohl und nicht die Veranstaltung.“ Steidl zufolge wurde viel fürs Tierwohl getan: etwa immer Frischwasser bereitgestellt, hochwertiges Futter für die Tiere und Schattenplätze in einem aufgebauten Zirkuszelt, damit sich die Tiere zwischen den Rennen hätten erholen können. Tiere wie der Taufkirchner Sieger „Elvis“ hätten ein gutes Leben. „Die stehen das ganze Jahr auf der Weide“, so der Ochsenrennen-Organisator. Vom Landratsamt München, dem das Veterinäramt zugeordnet ist, war bis zum Dienstagabend keine Stellungnahme zu erhalten.

Die Ochsen seien an einen Betonblock gebunden worden, kritisieren die Tierschützer, damit die Reiter leichter aufsteigen konnten.
Die Ochsen seien an einen Betonblock gebunden worden, kritisieren die Tierschützer, damit die Reiter leichter aufsteigen konnten.
Animal Rebellion

Proteste von Tierschützern begleiten Ochsenrennen regelmäßig. Vor zwei Jahren protestierte Animal Rebellion mit Transparenten bei einem Event in Aying mit Tausenden Zuschauern. In Taufkirchen hatte dieses Mal die Organisation Peta schon zuvor dazu aufgerufen, das Rennen abzusagen.

Als absolut abschreckenden Fall in Erinnerung hat Scarlett Treml, als bei einem Rennen in Allach ein Ochse bei großer Hitze zusammengebrochen sei und danach habe eingeschläfert werden müssen. Hohe Temperaturen und der Lärm stressten die Tiere, so die Tierschützerin, die nach eigenen Worten „Tierwissenschaften“ studiert hat. Das Argument, es handle sich um Brauchtum, lässt die Aktivistin nicht gelten: „Die Menschen können sich an ihren eigenen Kräften messen.“ Auch Samara Eckardt von Team Tierschutz findet: „Tradition darf im 21. Jahrhundert niemals als Freifahrtschein für Tierquälerei dienen“.

Parallel zur Anzeige hat Team Tierschutz einen sogenannten Community-Call eingerichtet, über den online bereits mehr als 3000 Menschen per Beschwerde-Mail Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) auffordern, Ochsenrennen in Zukunft zu verbieten. Georg Steidl von den „Ochserern“ hält es selbst durchaus für wahrscheinlich, dass die Veranstaltungen in absehbarer Zeit verboten werden. „Das bringt die Zeit mit sich“, sagt er. „Irgendwie schade.“

Das nächste Ochsenrennen im Raum München plant der Burschenverein aus Steinkirchen bei Aßling im Landkreis Ebersberg am 16. August. Auf der Homepage führt der Verein aus, warum aus seiner Sicht die Tiere dabei keinen Schaden nehmen.

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