Vor einer rekordverdächtigen Kulisse im Taufkirchner Rathaus – mehr als 50 Besucherinnen und Besucher saßen und standen bis in den Vorraum des Sitzungssaals hinaus – hat Sebastian Thoma (CSU) seine erste Gemeinderatssitzung als Bürgermeister geleitet. Und die hat es gleich mal in sich gehabt. Im Blickpunkt stand dabei Rosemarie Weber, die zunächst ihren Austritt aus der SPD-Fraktion verkündete, ehe sie wenig später zur Dritten Bürgermeisterin gewählt wurde. Zuvor hatte sich Christoph Nadler (Grüne) bei der Wahl zum Zweiten Bürgermeister gegen Naciye Özsu (SPD) durchgesetzt.
Letztere war bei der Bürgermeisterwahl im März noch als Zweitplatzierte in die Stichwahl gegen Thoma eingezogen. Bei der Vergabe der Stellvertreterposten in der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats ging ihre SPD nun jedoch leer aus. Dies war infolge der Gespräche zwischen den Fraktionen bereits im Vorfeld abzusehen – und genau hier entspann sich offenbar ein Dissens zwischen Rosemarie Weber und den übrigen SPD-Gemeinderatsmitgliedern, der letztlich zum Bruch führte.
Ihren Austritt kommentieren wollte die Politikerin indes nicht. „Ich wünsche der Fraktion alles Gute. Mehr sage ich nicht“, erklärte Weber, die seit 24 Jahren für die SPD im Gemeinderat sitzt und bei der Kommunalwahl 2014 auch deren Bürgermeisterkandidatin war. Derweil sagte Naciye Özsu über den Austritt: „Wir respektieren ihre Entscheidung. Ich denke, sie wollte ihren Weg alleine gehen.“
Die SPD-Fraktion jedenfalls steht jetzt nur noch mit drei Gemeinderatsmitgliedern da – und ohne Stellvertreteramt, nachdem Özsu bei der Abstimmung über den Zweiten Bürgermeister ebenso klar gegen Christoph Nadler verlor wie wenig später Christiane Lehners (CSU) gegen Rosemarie Weber.

Vor diesen Wahlen war zunächst Sebastian Thoma feierlich im Amt vereidigt worden. Die Bürgermeisterkette überreicht bekam der neue Rathauschef vom ältesten Gemeinderatsmitglied, dem 79-jährigen Jörg Pötke (Initiative Lebenswertes Taufkirchen). Dieser kennt derlei Gepflogenheiten nur zu gut, schließlich hatte er selbst nach seinem Sieg bei der Kommunalwahl 2008 schon mal den Chefsessel im Rathaus inne. Nachdem sich Pötke mehrere Jahre zurückgezogen hatte, startete er in der vergangenen Legislaturperiode ein Comeback, wurde Bürgermeisterkandidat seiner ILT und gehört nun als deren Fraktionschef wieder dem Gemeinderat an.
Dort dürften Pötke und seine zwei Fraktionskolleginnen die Rolle als kritikfreudigste Opposition einnehmen. Einen kleinen Vorgeschmack gab es schon in der Ansprache des Ex-Bürgermeisters zur Vereidigung seines Nach-Nachfolgers. So sprach Pötke von einer „großen Ehre, Würde, aber auch Bürde“, die mit dem Amt einhergehe. Mit Blick auf die desolate Finanzlage der Kommune und den Plänen fürs „Quartier am Bahnhof“, die der Gemeinderat „in den Sand gesetzt“ habe, konstatierte der ILT-Mann: „Der Gemeindedampfer ist auf Grund gelaufen.“ Nun müsse ihn Sebastian Thoma „wieder in sicheres Fahrwasser bringen“.
Der neue Bürgermeister betonte unterdessen: „Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst. Es ist was zu ordnen hier.“ Er wolle mit dem Gemeinderat „eng, vertrauensvoll und konstruktiv“ zusammenarbeiten, sagte Sebastian Thoma. Und nachdem seine erste Sitzung nach kaum einer Stunde vorüber war, konstatierte er zufrieden: „Das war für mich sehr schön heute.“

