Nur wenige Stunden zuvor hat Markus Söder (CSU) im Münchner Tierpark Hellabrunn noch die Ausleihe zweier Riesenpandas aus China verkündet – und für die Fotografen ein schwarz-weißes Plüschtier geherzt. Doch nun sei der Ministerpräsident krankheitsbedingt verhindert, sagt der Moderator in der Jochen-Schweizer-Arena in Taufkirchen. Der Sport- und Spaß-Tempel, der vor allem Firmenevents veranstaltet, feiert an diesem Nachmittag die Eröffnung seines eigenen Solarparks, zu der sich Söder angemeldet hat. Doch womöglich hat die Vertragsunterzeichnung im Zoo – „der Höhepunkt der bayerisch-chinesischen Diplomatie“, wie er es genannt hat – den Ministerpräsidenten zu sehr angestrengt. Und so lässt er sich in Taufkirchen von Staatskanzleichef Florian Herrmann vertreten, der kurzfristig eingesprungen ist.
Zwar ist Umweltpolitik nicht unbedingt ein Steckenpferd des 54-jährigen CSU-Politikers. Doch dasselbe ließ sich bis vor Kurzem ja auch über den 14 Jahre älteren Jochen Schweizer sagen. Der Extremsportler, Stuntman, Unternehmer, Buchautor, Fernsehjuror und Besitzer der nach ihm benannten Arena an der Gemeindegrenze zu Brunnthal klingt aber zumindest an diesem Nachmittag wie ein durch und durch grüner Nachhaltigkeitsapostel.
„Was heute in Betrieb geht, ist mehr als technische Infrastruktur“, sagt der Gastgeber, ganz in Schwarz gekleidet und mit der gewohnt markanten Brille im Gesicht, über das „Leuchtturmprojekt der Eventbranche“, wie es in der Einladung zur Solarpark-Eröffnung hieß. „Es ist ein Statement und sichtbarer Beweis, dass unternehmerisches Handeln Verantwortung übernehmen kann und muss.“

Der Solarpark, der auf der anderen Seite der Autobahn 99 in Brunnthal liegt, soll auf einer Fläche von mehr als fünf Hektar jährlich 7,1 Gigawattstunden Energie erzeugen – laut Schweizer „mehr als doppelt so viel Strom, wie die Arena mit ihren 200 000 Gästen pro Jahr benötigt“. Über eine unterirdische Direktleitung fließt der Solarstrom von der Anlage direkt in die Veranstaltungsstätte. Dort soll zudem ein Batteriespeicher geladen werden, um die Arena auch nachts zu versorgen. Der überschüssige Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist.

„Alles, was unsere Gäste bei uns erleben – vom Fliegen über das Surfen bis hin zum Genießen in unseren Restaurants – wird künftig mit Sonnenenergie betrieben“, betont Jochen Schweizer. Er beschreibt den Solarpark als einen von drei Eckpfeilern seiner „persönlichen Vision“ für das Areal in Taufkirchen. Die anderen beiden seien die 2017 eröffnete Arena als „außergewöhnlicher Ort für Firmen und Veranstaltungen“ sowie das „Xperience Quartier“ auf dem Nachbargrundstück. Dort errichtet die Firma Art-Invest Real Estate seit Kurzem einen Gebäudekomplex, der dereinst ein Hotel mit 120 Zimmern samt Tagungszentrum sowie Büroräume auf 11.000 Quadratmetern beherbergen wird. Ursprünglich sollte der Baubeginn bereits vor etlichen Jahren erfolgen, doch dann verzögerte sich das Projekt. Eine Anfrage zu den Gründen sowie zum neuen Zeitplan ließ die Firma unbeantwortet.
„Der deutsche Chuck Norris, der allen zeigt, wo’s langgeht.“
Für Jochen Schweizer stellen der Hotel- und Bürokomplex, seine Arena mit dem vertikalen Windtunnel und der Indoor-Surfwelle sowie der Solarpark einen „Dreiklang“ dar. Bevor er gemeinsam mit Florian Herrmann per Knopfdruck den symbolischen Startschuss für die Inbetriebnahme der Anlage gibt, darf der Staatskanzleichef auch noch ein paar Worte sagen. Und der singt vor allem ein Loblied auf seinen Gastgeber – „den deutschen Chuck Norris, der allen zeigt, wo’s langgeht“. Jochen Schweizer sei der lebende Beweis dafür, „dass wir alle von Urahnen abstammen, die dem Säbelzahntiger entkommen sind“, sagt Herrmann, „weil sie entweder schlauer oder schneller waren.“ Wobei er im Falle Schweizers vermute, dass er von denen abstamme, „die den Säbelzahntiger mit bloßen Händen erwürgt haben“.
Nach dieser etwas eigenwilligen Festrede schreiten Herrmann und Schweizer zur Tat und drücken – vor nicht weniger als zwei Dutzend Fotografen und Kameraleuten – auf den Startknopf. Nunmehr fließt in der Arena ausschließlich Strom aus Sonnenenergie. 9,6 Millionen Euro hat die Jochen-Schweizer-Arena nach eigenen Angaben in den Solarpark investiert.

