Ortswachstum in der KritikPrivatschule stößt bei Taufkirchnern auf Ablehnung

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Gegner eines Umzugs der Sabel-Schulen aus München nach Taufkirchen demonstrieren auf dem vorgesehenen Baugrundstück.
Gegner eines Umzugs der Sabel-Schulen aus München nach Taufkirchen demonstrieren auf dem vorgesehenen Baugrundstück. (Foto: privat)

Wieder versuchen Einwohner der Gemeinde im Münchner Süden ein Großbauprojekt zu verhindern. Dieses Mal wenden sich mehr als 500 Unterzeichner gegen den Umzug der Sabel-Schulen aus der Stadt an den Oberweg. Ihr Ziel: eine Abstimmung in einem Bürgerentscheid.

Von Patrik Stäbler, Taufkirchen

Zum wiederholten Mal streben Wachstumskritiker in Taufkirchen ein Bürgerbegehren an, um ein Bauprojekt in der Gemeinde zu stoppen. Ziel des Protests ist der geplante Bildungscampus der Stiftung Sabel-Schulen, die auf dem Grundstück am Oberweg Gebäude für zwei private Realschulen, eine Wirtschaftsschule, eine Fachoberschule und ein Gymnasium errichten will. Eine Mehrheit im Gemeinderat hat sich mehrmals für dieses Vorhaben ausgesprochen, das der von der CSU gestützte parteilose Bürgermeister Ullrich Sander als „enormen Standortgewinn“ für Taufkirchen bezeichnet. Aktuell läuft das zugehörige Bebauungsplanverfahren, das die Kritiker nun also über ein Bürgerbegehren ausbremsen wollen.

Der Ursprung ihres Protests liege in einem Zusammenschluss von Anwohnenden, sagt Rudolf Dittrich. Der Vertreter des Bürgerbegehrens mit dem Titel „Stoppt die Bauleitplanung des Bildungscampus der Sabel-Schulen München“ ist direkter Anwohner des betreffenden Grundstücks zwischen Oberweg und Münchner Straße – ebenso wie Christian Sokolowski. Er hat im November eine Online-Petition gegen die Ansiedlung der Privatschulen gestartet und unterstützt nun das Bürgerbegehren genauso wie Kathrin Schöber.

Diese war im Vorjahr Mitinitiatorin des Protests gegen zwei Wohnbauprojekte am Hachinger Bach sowie westlich der Dorfstraße. Diese sollten ebenfalls mittels Bürgerbegehren verhindert werden, und tatsächlich sammelten die Wachstumskritiker dafür jeweils circa 2000 Unterschriften – weit mehr als benötigt. Dennoch kam es nicht zum Bürgerentscheid. Denn trotz zweier Anläufe mit unterschiedlichen Fragestellungen erklärte der Gemeinderat die Bürgerbegehren stets mit großer Mehrheit für rechtlich unzulässig.

Dieses Schicksal drohe auch dem Ansinnen von ihm und seinen Mitstreitern, räumt Rudolf Dittrich ein. „Wir sind nicht überzeugt davon, dass wir Erfolg haben werden.“ Betont zuversichtlich gibt er sich jedoch, dass die Initiative ausreichend Unterschriften sammeln werde. Keine 14 Tage nach dem Startschuss habe man bereits 530 beisammen, sagt Dittrich. Nun wolle man in den nächsten Wochen um weitere Unterstützung werben – per Flyer in Briefkästen, aber auch, indem man direkt an Haustüren klingele.

In der Begründung für ihr Bürgerbegehren führen die Wachstumskritiker vor allem zwei Punkte an. Zum einen sind da Dittrich zufolge die „ökologischen Aspekte“. So sei die bisher unversiegelte Fläche wichtig für den Hochwasserschutz und diene obendrein als „Kaltluftentstehungsgebiet“. Zum anderen werde die Ansiedlung der Sabel-Schulen zu einem „Verkehrschaos“ führen, warnt Rudolf Dittrich. „Die Straßen dort sind darauf nicht ausgelegt.“

Nach derzeitigem Stand will die Sabel-Stiftung auf dem 19 000 Quadratmeter großen Areal vier- bis fünfgeschossige Schulgebäude sowie eine Dreifachturnhalle errichten; im Weiteren sind Sportflächen und großzügige Grünbereiche geplant. Der Bildungscampus soll auf circa 1200 Schülerinnen und Schüler ausgelegt sein. Aktuell betreibt die Stiftung in München zwei Real-, eine Wirtschafts- und eine Fachoberschule, deren Räumlichkeiten nahe dem Hauptbahnhof jedoch „nicht mehr zeitgemäß“ seien, sagt Andreas Mischke, der Vorsitzende des Stiftungsvorstands. Daher wolle man die bestehenden Privatschulen nach Taufkirchen umziehen, wo überdies ein neues Gymnasium entstehen soll. Mit einer Fertigstellung des Campus ist laut dem Taufkirchner Rathaus frühestens in fünf Jahren zu rechnen.

Ein Schulplatz kostet Eltern zwischen 430 und 530 Euro im Monat

Im Gemeinderat haben Mitglieder der Grünen und der Initiative Lebenswertes Taufkirchen (ILT) das Projekt wiederholt kritisiert. Sie argumentieren, dass nur wenige Kinder und Jugendliche aus dem Ort von dem neuen Bildungsangebot profitierten, da es für die meisten Familien schlicht zu teuer sei. Aktuell kostet etwa der Besuch der beiden Sabel-Realschulen in München 530 beziehungsweise 430 Euro im Monat. Ganz anders bewertet die Mehrheit im Gemeinderat die Planungen am Oberweg. So sagte etwa Paul Haberl (CSU): „Jeder Schulplatz, der im Hachinger Tal geschaffen wird, egal ob staatlich oder privat, ist eine Entlastung für die bestehenden Schulen.“

Auch Bürgermeister Sander betonte: „Der geplante Campus stellt einen Mehrwert dar, der positiv auf die ganze Gemeinde ausstrahlt.“ Zudem könnten Turnhalle und Sportflächen nach Unterrichtsende den örtlichen Vereinen zur Verfügung gestellt werden, sagt Andreas Mischke. Gleiches gelte für die Räumlichkeiten der Schulen, die etwa für Weiterbildungsangebote genutzt werden könnten.

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