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Taufkirchen:Rote Laterne

Taufkirchen muss sich eingestehen, bei der Steuerkraft den letzten Platz im Landkreis einzunehmen. Um den Sanierungsstau bei den Gemeindebauten zu lösen, braucht es einen Griff in die Rücklagen

Von Iris Hilberth, Taufkirchen

Der Gemeinde Taufkirchen geht langsam das Geld aus. Zwar konnte Kämmerer Jan Modrzinski am Donnerstagabend dem Gemeinderat einen ausgeglichenen Verwaltungshaushalt in Höhe von 35,6 Millionen Euro präsentieren und fand schließlich auch bei nur einer Gegenstimme von Eckhard Kalinowski (Freie Wähler) eine breite Mehrheit für sein "solides" Zahlenwerk mit einem Gesamtvolumen von etwa 64,36 Millionen Euro. Doch rosig schaut es für die Taufkirchner nicht aus. Zahlreiche Investitionen stehen an, die Einnahmen hingegen lassen den Kämmerer neidisch zu den Kollegen im Landkreis schauen. Und dabei braucht Modrzinski gar nicht mal seinen Blick nach Grünwald oder Unterföhring schweifen lassen, wo die Steuereinnahmen nur so sprudeln. Taufkirchen muss sich eingestehen, bei der Steuerkraft den letzten Platz im Landkreis einzunehmen.

"Dass wir versuchen müssen, unsere Einnahmesituation zu verbessern, ist keine Neuigkeit", sagte daher auch Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei). Welche Forderungen und Auflagen die Aufsichtsbehörde in Zukunft der Gemeinde auflegen werde, müsse man abwarten, "aber rechnen sollten wir damit", so Sander weiter. Auch der Kämmerer prophezeite: "Das wird in den nächsten Jahren erhebliche Anstrengungen bedeuten."

Zwar gelingt es Taufkirchen im kommenden Jahr durch die Reduzierung der Kreisumlage um knapp 1,6 Millionen Euro die Zuführung an den Vermögenshaushalt von zuletzt gut 73 000 Euro auf immerhin eine Million Euro zu erhöhen. Doch muss die Gemeinde fast elf Millionen aus den Rücklagen nehmen, um seine geplanten Projekte finanzieren zu können. Damit bleibt nicht viel auf der hohen Kante. Es ist nicht lange her, da lagen dort noch 30 Millionen Euro, nach den jetzigen Plänen werden sich die Rücklagen Ende 2017 auf 570 000 Euro reduzieren.

Ein Grund für die anstehenden Ausgaben ist der Sanierungsstau bei den gemeindlichen Bauten. "Es wird viel Geld kosten, die Substanz unserer Gebäude zu erhalten", sagte Sander. Gut drei Millionen sind für die Schulen eingestellt, für die Sportstätten und Parkanlagen notierte der Kämmerer 2,6 Millionen Euro.

Der größte Posten betrifft allerdings das gemeindliche Wohnbauprojekt am Riegerweg. 13 Millionen Euro sind hierfür im Vermögenshaushalt vorgesehen. Dass die Gemeinde dafür einen Kredit aufnehmen muss, ist unumgänglich. Allerdings stellte Sander klar, dass dies das Förderprogramm des Freistaats so vorsieht. Der Wohnungspakt zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum beinhaltet dreißig Prozent direkte Förderung und 60 Prozent zinsgünstiges Darlehen. Die Finanzierungslücke von zehn Prozent wird durch das Einbringen des gemeindeeigenen Grundstücks geschlossen. "Der Kredit ist keine Belastung für den gemeindlichen Haushalt", stellte Sander klar, die Gemeinde werde kein eigenes Geld aufbringen müssen, um dieses Projekt zu realisieren. Die Abzahlung des Kredits soll über die Mieteinnahmen gedeckt werden. Im Rathaus ist man inzwischen überzeugt von diesem Pakt mit dem Land Bayern. "Wir hoffen, dass ein weiteres Projekt möglich ist", sagte Kämmerer Modrzinski.

Noch einmal auf den Prüfstand hingegen kommt der Zwei-Millionen-Zuschuss für die Erweiterung des Gebäudes im Sport- und Freizeitpark. Der SV-DJK plant einen Aufstockung des Hauses, um mehr Platz für die Verwaltung und Gymnastikkurse zu schaffen sowie ein kommerzielles Fitness-Studio einzurichten. Der Deal zwischen Kommune und Verein war bereits ausgehandelt, dem SV-DJK war die Zusage einer gemeindlichen Unterstützung offenbar so wichtig, dass er auf eine bereits zugesagte Erneuerung des Rasenplatzes am Postweg vorerst verzichtet.

Nun bekamen einige Gemeinderatsmitglieder doch Bedenken, ob das Geld reicht, um die Pläne des Sportvereins in dieser Höhe zu bezuschussen. Mit Blick auf die schwindenden Rücklagen und den bevorstehenden Neubau der Grundschule am Wald sagte Grünen-Fraktionssprecher David Grothe: "Wir sollten vorsichtig sein. Zwei Millionen sind ein großer Betrag." Auch Michael Lilienthal äußerte Skepsis: "Ich bin zwar von dem Projekt überzeugt, habe aber massive Bauchschmerzen." Auch eine neue Beleuchtungsanlage für das Foyer des Ritter-Hilprand-Hofs für 200 000 Euro halten beide nicht für unbedingt notwendig. Der Gemeinderat einigte sich schließlich auf einen Sperrvermerk für beide Projekte.

© SZ vom 26.11.2016

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