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Schulneubau:Kunterbunte Lernwelt

Von Orange bis Violett: So stellen sich die Architekten die Fassade der neuen Grundschule am Wald in Taufkirchen vor. Simulation: Architekturbüro AGN

In der neuen Taufkirchner Grundschule am Wald sollen Kinder in farbenfroh konzipierten Bereichen unterrichtet werden. Auf eine Gestaltung der Fassade kann sich der Bauausschuss aber noch nicht einigen

Die Grundschule Am Wald in Taufkirchen ist bunt - aber nur auf einer Länge von gut zehn Metern am Eingang. Dort prangt auf einem Vordach ein farbenfroher Schriftzug, der Schüler, Lehrer und Besucher willkommen heißt. Davon abgesehen ist das Schulhaus aber vornehmlich betongrau. Noch.

Denn der Neubau der Grundschule, der seit einem Jahr im Gange ist, wird dereinst alles andere als farblos und eintönig sein. Vielmehr sollen im Innern des Gebäudes die Bereiche für die einzelnen Jahrgangsstufen, die sogenannten Lerncluster, jeweils einer Farbfamilie zugeordnet werden - Magenta, Grün, Gelb und Blau. Von außen könnte das neue Schulhaus sogar noch farbenfroher werden. Hierfür sollen bunte Holzlamellen an der Fassade verantwortlich zeichnen, die rund ums Gebäude das komplette Farbspektrum wiedergeben - so die Idee des Architekturbüros AGN aus München, die Christoph Mauz dem Bauausschuss vorgestellt hat. Dessen Mitglieder lobten unisono die Farbgestaltung im Innenbereich des Schulhauses, die einmütig abgesegnet wurde. Noch keine Entscheidung fasste das Gremium dagegen für die Gestaltung der Fassade. Hier regte sich sowohl Kritik an der Farbgebung als auch am Material. Nun sollen erst noch Alternativen geprüft werden, ehe der Ausschuss einen Beschluss fasst.

Mit anvisierten Gesamtkosten von etwa 34 Millionen Euro ist die neue, dann sechszügige Grundschule laut Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) "das größte Einzelprojekt in der Geschichte Taufkirchens". Wie der Rathauschef bei der Bürgerversammlung berichtet hat, liegen die Bauarbeiten im Zeitplan, sodass der Einzug zum Jahresende 2020 erfolgen soll. Je nach Jahrgang werden die Schüler dann von einer bestimmten Farbe empfangen, die sich in verschiedenen Helligkeitsstufen durch das komplette Lerncluster zieht - an Wänden, beim Mobiliar, in Sitznischen und bei den bedruckten Glasflächen, die es den Lehrern ermöglichen, vom Klassenzimmer in den Gemeinschaftsbereich zu blicken. "Jedes Cluster hat seine eigene Identität über eine eigene Farbe", sagte Architekt Mauz. Ein Konzept, das auf Zustimmung stieß. "Ich finde das Farbkonzept im Innern sehr gelungen", sagte etwa SPD-Fraktionsvorsitzende Rosemarie Weber. "Aber mit der Fassade habe ich ein Problem."

Dort sollen nach dem Vorschlag des Architekturbüros bunte Holzlamellen angebracht werden - rund ums Gebäude und in zwölf verschiedenen Farben, die das Farbspektrum widerspiegeln, so Mauz. Demnach würde sich an der Westfassade ein Verlauf von Grün bis Blau erstrecken und im Süden von Blaugrün bis Orange. Der Blick von Osten fiele derweil auf Gelb bis Rot, der von Norden auf Rot bis Violett; und vom Pausenhof aus, so der Architekt, hätte man sämtliche Farben von Orange bis Violett vor Augen. Die etwa sechs Zentimeter breiten Lamellen sollen einen mineralischen Holzanstrich erhalten, dessen Hersteller eine Lebensdauer von zehn Jahren garantiere, so Mauz. Auf die Frage mehrerer Gemeinderäte, wie teuer ein Neuanstrich nach dieser Zeit sei, konnte der Architekt keine Antwort geben. Als "unverantwortlich" schätzte Paul Haberl (CSU) diese Kosten ein, weshalb er Holzlamellen ebenso ablehnte wie Peter Soellner (SPD), der sagte: "Ich habe erhebliche Bedenken, vor allem was die Süd- und Westseite angeht, wo wir Wohnbebauung haben." Für eine farbenfrohe Fassade sprach sich dagegen Gabi Zaglauer von den Grünen aus, die ihre endgültige Entscheidung jedoch von den Folgekosten der Holzlamellen abhängig machen will.

Diese wird das Architekturbüro nun berechnen und in der November-Sitzung den Mitgliedern des Bauausschusses vorstellen. Zum Vergleich sollen dann auch die Kosten für Lamellen aus Metall sowie aus unbehandeltem Lärchenholz präsentiert werden.