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Taufkirchen:Mittagsbetreuung zieht um

Angebot wird an der neuen Grundschule am Wald gebündelt

Von Patrik Stäbler, Taufkirchen

Die Mittagsbetreuung der Nachbarschaftshilfe Taufkirchen wird in die neue Grundschule am Wald umziehen - und zwar nicht nur mit den zwei Gruppen aus dem bisherigen Schulgebäude, sondern auch mit den Kindern, die aktuell im Haus der Nachbarschaftshilfe im Ahornring betreut werden. Das hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen und zugleich die Nachbarschaftshilfe aufgefordert, den anfragenden Eltern Zusagen fürs kommende Schuljahr auszusprechen, "weil eine Verringerung der Plätze im Ahornring nicht angezeigt ist". Zugleich stellte vor allem Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) klar, dass die Mittagsbetreuung im neuen Schulgebäude ein "Auslaufmodell" sei, da man dort auf den Ganztagsunterricht setzen wolle.

Es habe zuletzt "Irritationen" hinsichtlich der Zukunft der Mittagsbetreuung gegeben, räumte Sander im Gemeinderat ein. Er machte dafür "Informationsdefizite" verantwortlich. Dabei habe die Gemeinde der Nachbarschaftshilfe stets versichert, dass ihre Mittagsbetreuung aus der alten in die neue Grundschule umziehen werde. Nun jedoch habe man unter anderem von Eltern erfahren, dass der Verein aktuell keine Zusagen für Betreuungsplätze im kommenden Schuljahr mache - "mit der Begründung, dass eine Entscheidung der Gemeinde zur Weiterführung der Mittagsbetreuung fehlt", sagte Sander. "Diese Aussage ist schlichtweg falsch." Nachbarschaftshilfe-Geschäftsführerin Andrea Schatz bewertete die Situation anders. Sie verfolgte die Sitzung und betonte: "Wir mussten auf den heutigen Beschluss warten. Denn wenn die Gruppen aus dem Ahornring nicht umziehen dürfen, können wir nicht mehr so viele Plätze anbieten."

Schließlich ist die Betreuungssituation im Haus der Nachbarschaftshilfe alles andere als optimal, wie Rosemarie Weber (SPD) darlegte. Ihr zufolge werden dort bis zu 40 Kinder auf 60 Quadratmetern betreut. "Da haut's dir die Ohrwaschel runter", sagte Weber mit Blick auf den Lärm. Zudem ziehe der Platzmangel "einen wahnsinnig großen Personalaufwand" nach sich, da man die Kinder in mehreren Etagen beaufsichtigen müsse. Dazu komme der logistische Aufwand, der mit den aktuell drei Standorten einhergehe - schließlich betreibt die Nachbarschaftshilfe neben der Mittagsbetreuung in der Grundschule und am Ahornring auch drei Gruppen in der Pappelstraße.

Diese blieben auch künftig "unangetastet", versicherte Sander. In der neuen Schule, die im September in Betrieb geht, werde der Fokus aber auf dem Ganztagsunterricht liegen - "aus pädagogischer Sicht die beste schulische Möglichkeit". Zwar starte man im September bloß mit einer solchen Klasse, jedoch solle dieses Angebot peu à peu ausgebaut und im Gegenzug die Gruppen der Mittagsbetreuung reduziert werden. Auch David Grothe (Grüne) sprach sich für eine Stärkung des Ganztags aus, da dieser "in Bezug auf die soziale Ungleichheit zu priorisieren ist". Und Christiane Lehners (CSU) erinnerte daran, dass sich die Gemeinde im Zuge des Schulneubaus bewusst für dieses Konzept entschieden habe. Derweil warnte Maike Vatheuer-Seele (FDP) vor Prognosen, wonach die Mittagsbetreuung "irgendwann auf Null abschmelzen wird - weil das nicht die Lebenswirklichkeit der Eltern abbildet". Und auch Rosemarie Weber lehnte die Formulierung "Auslaufmodell" ab. Sie betonte: "Das entscheiden nicht wir, sondern die Eltern."

Nach intensiver Debatte einigte sich der Gemeinderat darauf, mehrere Formulierungen in den Beschlüssen abzuändern. Unter anderem sollte nicht mehr vom Ganztag als "bestem schulischen Angebot" die Rede sein; stattdessen wurde auf das "grundsätzliche Wahlrecht der Eltern" verwiesen.

© SZ vom 04.05.2021
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