Elektromobilität:In Taufkirchen wird bald autonomes Fahren getestet

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Elektromobilität: Auf dem Gelände der Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH (IABG) in Taufkirchen entsteht bis zum Winter die Teststrecke für autonomes Fahren.

Auf dem Gelände der Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH (IABG) in Taufkirchen entsteht bis zum Winter die Teststrecke für autonomes Fahren.

(Foto: IABG)

Dort entsteht in Zusammenarbeit mit der TU München ein Testfeld für "intelligente Mobilität". Sogar ein Parkhaus ist geplant, in dem die Elektroautos vollautomatisch geladen werden können.

Von Patrik Stäbler, Taufkirchen

Ein fahrerloses Elektroauto nähert sich der Kreuzung und kommt an einer roten Ampel zum Stehen. Während es wartet, wird das Fahrzeug mittels Induktion aufgeladen. Gerade, als es losrollen will, schießt von links ein Elektroroller heran, und als wäre das nicht genug, hat auch eine Frau mit Rollator beim Queren der Straße die andere Seite noch nicht erreicht. Doch das autonome Auto erkennt diese Gefahrensituationen und reagiert richtig: Das Fahrzeug wartet ab, bis Fußgängerin und E-Roller in Sicherheit sind, und rollt dann erst los - in Richtung eines Parkdecks, wo es automatisch zum freien Stellplatz gelenkt und dort berührungslos aufgeladen wird.

Was klingt, wie ein Szenario aus der Zukunft, soll schon dieses Jahr Wirklichkeit werden - in Taufkirchen. Genauer gesagt: auf dem Firmensitz der Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH (IABG), die dort auf einer 8000 Quadratmeter großen Fläche ein Testfeld für autonomes Fahren errichten will. Hierzu kooperiert der Konzern mit der Technischen Universität München (TU), deren Lehrstuhl für Verkehrstechnik die wissenschaftliche Leitung des Projekts innehat. Gefördert wird das "Bayerische Testfeld für intelligente Mobilität", wie es offiziell heißt, vom Landesverkehrsministerium. Der Behörde zufolge liegen die Investitionskosten bei circa vier Millionen Euro. Welchen Anteil der Freistaat übernehmen wird, ist laut IABG noch offen.

Die Pläne für das Testfeld sind nun im Bauausschuss des Taufkirchner Gemeinderats vorgestellt worden, der das Projekt einstimmig begrüßte. "Ich finde es toll, wenn wir so etwas Innovatives auf unserem TIP-Gelände haben", sagte Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei). Er hatte eingangs betont, dass das betreffende Grundstück der IABG in Taufkirchen liege - vermutlich wohl wissend, dass in den Mitteilungen der TU und des Verkehrsministeriums stets von Ottobrunn die Rede ist.

Laut Universität will man auf dem neuen Testfeld "die Überführung von Konzepten autonomen Fahrens in die Praxis erforschen, insbesondere mit Blick auf das sichere Zusammenwirken verschiedener Verkehrsteilnehmer und unterschiedlicher Systeme". Das Besondere an der Anlage sei, dass dort sämtliche Autohersteller und auch andere Firmen neue Technologien erproben und gemeinsame Standards entwickeln können.

Im Zentrum des Testfelds wird eine variable Kreuzung mit Ampelanlage stehen. Hier sollen "komplexe Verkehrsszenarien unter Beteiligung autonomer und von Menschen gesteuerter Fahrzeuge, Fahrräder und Fußgänger experimentell untersucht werden", heißt es vonseiten der TU. Ein Schwerpunkt liege dabei auf der Sicherheit von Fußgängern und insbesondere der schwächeren Verkehrsteilnehmer wie Kinder, Senioren oder Menschen im Rollstuhl. Sie ließen sich zum Testen von Gefahrensituationen auch per Augmented Reality als Simulation in den echten Fahrbetrieb einbinden, erläutert Wolfgang Mohr, Leiter des Innovationszentrums der IABG.

Über das Areal wird eine 5G-Glocke gestülpt

Neben der Kreuzung wird das Testfeld zwei weitere Bereiche umfassen. Erstens ein "Parkhaus der Zukunft", in dem Elektroautos abgegeben, automatisch geparkt, induktiv geladen und wieder fahrbereit zur Verfügung gestellt werden. Zweitens sehen die Pläne eine "Park & Charge Lane" vor, wie sie etwa für Carsharing-Flotten oder an Taxiwarteständen zum Einsatz kommen könnte. Hier werden die Elektroautos am Eingang abgegeben, ehe sie autonom den Ladebereich ansteuern, dort berührungslos aufgeladen und anschließend geparkt werden. Eine Software stimmt dabei die einzelnen Fahrzeuge aufeinander ab, sodass am Ende vorwiegend Autos mit hohem Ladestand warten.

Unabdingbar für ein solches Testfeld ist die Vernetzung aller Verkehrsteilnehmer - und somit ein robustes, breitbandiges Mobilfunknetz. Hierzu soll über das Gelände der IABG eine "5G-Glocke" gestülpt werden, also ein Mobilfunknetz nach neuestem Standard. Dieses werde ebenso wie die Kreuzung, das Parkdeck und die "Park & Charge Lane" in einem ersten Bauabschnitt entstehen, sagt Wolfgang Mohr. Erhalte man alle Genehmigungen wie geplant, könnten die Arbeiten noch vor dem Winter abgeschlossen werden. In einem zweiten Bauabschnitt soll zu einem späteren Zeitpunkt noch ein Simulationszentrum mit Rezeption, Büros und Sozialräumen entstehen. Überdies wird dieses Gebäude ein Hochleistungsrechenzentrum für die geplanten Simulationen beherbergen.

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