OrtsgeschichteDas frühere bäuerliche Leben neu erzählen

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So sah es früher in einer bäuerlichen Küche aus.
So sah es früher in einer bäuerlichen Küche aus. (Foto: Claus Schunk)
  • Das Taufkirchener Heimatmuseum im Wolfschneiderhof feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen mit einer ganzen Festwoche im Frühjahr.
  • Heimatpfleger Michael Müller gestaltet das Museum umfassend um, reduziert die Exponate und will digitale Medien zur Wissensvermittlung einsetzen.
  • Das Museum soll attraktiver werden und gezielt Jugendliche, Kindergärten und Schulen ansprechen, wofür noch ehrenamtliche Führungskräfte gesucht werden.
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Das Taufkirchener Heimatmuseum im Wolfschneiderhof feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Heimatpfleger Michael Müller möchte mit attraktiven Präsentationen und digitalen Medien Geschichte lebendig werden lassen.

Von Patrik Stäbler, Taufkirchen

Wer in die Zukunft blicken will, der sollte sich der Religion zuwenden: Das gilt auch im Wolfschneiderhof, dem Heimatmuseum der Gemeinde Taufkirchen. Denn dort gibt’s im ersten Stock, wo das bäuerliche Leben von anno dazumal dargestellt wird, einen Bereich über das „Fromme Leben“ früherer Tage. Bis vor Kurzem lagen und hingen hier in einer Vitrine unzählige Heiligenbilder, mehr als ein Dutzend Kruzifixe, zig Rosenkränze und allerlei weitere Devotionalien. Kurzum, es war ein Wust an Exponaten, „das einen fast erschlagen hat“, sagt Michael Müller, der Heimatpfleger der Gemeinde.

Er hat dort kräftig ausgemistet – teils „mit schwerem Herzen“, sagt er sagt – und die Vitrine neu gestaltet. Jetzt sieht man nur noch einen Rosenkranz und ein Kruzifix, dazu einige Gebetbücher, eine Papier-Krippe und ein „Hausaltärchen“ aus dem 19. Jahrhundert. „Die Idee ist, dass wir uns auf wenige Exponate beschränken“, sagt Müller, „und anhand von ihnen eine Geschichte erzählen.“

Zudem sollen – anders als bisher – auch digitale Möglichkeiten der Wissensvermittlung genutzt werden. „Der Plan ist, dass hier künftig ein Infoscreen steht“, erklärt der Heimatpfleger. Über diesen Bildschirm könnten nicht nur die Besucherinnen und Besucher tiefergehende Informationen zu den Exponaten erhalten. Sondern auf diesem Wege ließen sich auch all die anderen Kruzifixe, Rosenkränze und Heiligenfiguren zeigen, fügt Müller hinzu.

Die Vitrine zum frommen, bäuerlichen Leben steht stellvertretend für eine umfassende Umgestaltung, die das Heimatmuseum 40 Jahre nach seiner Gründung durchlebt. Als Ziele benennt Michael Müller dreierlei. Erstens solle die Ausstellung zum bäuerlichen Leben von früher, zur Taufkirchner Ortsgeschichte und zur Historie des Wolfschneiderhofs attraktiver werden. „Zweitens wollen wir Wissen zeitgemäßer vermitteln“, erklärt Müller. Und drittens sei es ein Anliegen von ihm und seinem Heimatpfleger-Kollegen Dietmar Kunze, gezielt die Jugend anzusprechen und Kindergärten sowie Schulen ins Museum zu locken.

Für die Ausstellungsführungen werden Ehrenamtliche gesucht

Gerade für Letztes sei man noch auf der Suche nach Ehrenamtlichen, die Gruppen und Klassen durch die Ausstellung führen, sagt Michael Müller. Der 69-Jährige, der vor seinem Ruhestand lange im Landratsamt München gearbeitet hat, ist seit 2020 Heimatpfleger in Taufkirchen und erfüllt diese Aufgabe mit einem Engagement und Zeitaufwand, wie es weit und breit seinesgleichen sucht. Schon kurz nach seiner Amtsübernahme widmete sich Müller der Ausstellung im Wolfschneiderhof – ein mehr als 300 Jahre altes Bauernanwesen, das die Gemeinde 1983 erwarb und aufwendig sanierte, ehe dort 1986 das erste kommunale Heimatmuseum im Landkreis eröffnete.

Initiator war der damalige Heimatpfleger Ernst Kistler, laut Müller der „Sammlerkini von Taufkirchen“. Tatsächlich wuchs seine Kollektion aus historischen Einrichtungsgegenständen und Gerätschaften aus der Landwirtschaft über die Jahrzehnte hinweg auf mehr als 3000 Exponate an – vom Fliegenglas bis zum Dreschflegel, von der Nähmaschine bis zum Nachthemd der letzten Bewohnerin des Wolfschneiderhofs. Auf Basis dieser Sammlung entwickelte Kistler damals die Ausstellung im Heimatmuseum, in der er „möglichst alles zeigen wollte, was er hatte“, sagt Müller. Daher die vollgestopften Vitrinen und die bis in den letzten Winkel zugestellten Räume.

Heimatpfleger Michael Müller hat den Bestand an Exponaten durchforstet und schweren Herzens einiges aussortiert.
Heimatpfleger Michael Müller hat den Bestand an Exponaten durchforstet und schweren Herzens einiges aussortiert. (Foto: Claus Schunk)
Nach getaner Arbeite betteten sich die einstigen Bewohner des Wolfsschneiderhofs in der Schlafstube zur Ruhe.
Nach getaner Arbeite betteten sich die einstigen Bewohner des Wolfsschneiderhofs in der Schlafstube zur Ruhe. (Foto: Claus Schunk)

Mit moderner Museumspädagogik hat das heute nichts mehr gemein. Und so entwickelte der Heimatpfleger ein Konzept für eine Umgestaltung des Wolfschneiderhofs, das der Gemeinderat 2023 absegnete. Seither sind Müller und Kunze mit der Umsetzung beschäftigt, wobei sich das Duo regelmäßig von Fachleuten beraten lässt, etwa vom bayerischen Landesverein für Heimatpflege oder von anderen Museen in Aschheim und Kirchheim.

„Die Grundidee ist, dass wir bei der Umgestaltung schrittweise vorgehen“, sagt Müller. „Das Ganze wird sicher einige Jahre in Anspruch nehmen.“ Wiewohl die Ausstellung modernisiert, verschlankt und digitalisiert werden soll, wolle man an ihrer ursprünglichen Ausrichtung nicht rütteln. So soll das Museum weiterhin drei Schwerpunkte haben: das frühere Bauernleben, die kargen Lebensumstände der einstigen Hofbewohner und die Heimatgeschichte Taufkirchens.

Der Geburtstag wird mit einer Festwoche begangen

Nun ist die Umgestaltung der Ausstellung an sich schon eine Mammutaufgabe für Müller, Kunze und deren Mitstreiter vom Förderverein Freunde des Wolfschneiderhofs. Obendrein kommt in diesem Jahr ein weiteres Großprojekt hinzu – der 40. Geburtstag des Museums. Er soll im Frühjahr während einer ganzen Festwoche gefeiert werden. Neben dem offiziellen Feierakt am 17. Mai sind dabei unter anderem ein Museumstag für Senioren, eine Nachtwächterführung und ein Vortrag des Dialektexperten Anthony Rowley geplant.

All die Veranstaltungen sollen dem Heimatpfleger zufolge Aufmerksamkeit auf das Museum und die Arbeit des Fördervereins lenken, der für eine personelle und finanzielle Unterstützung dankbar wäre. Unabhängig davon wird das Taufkirchner Heimatmuseum wohl auf Jahre hin ein Ort des Wandels bleiben. Oder wie es Michael Müller formuliert: „Wir sind in einem experimentellen Umgestaltungsprozess.“

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