Hartmann Räther ist ein Weltenbummler gewesen, der eigenen Angaben zufolge mehr als 100 Länder bereist hat – einerseits. Andererseits ist der seit 1972 in Taufkirchen lebende Bauingenieur in seiner Wahlheimat in zig Vereinen aktiv gewesen, von der Schützengesellschaft bis zur Arbeiterwohlfahrt. Insbesondere jedoch hat Hartmann Räther die Gemeinde als Bürgermeister von 1990 bis 2002 geprägt – in einer Zeit, die tiefgreifende Veränderungen für Taufkirchen mit sich brachte.
Nun ist der einstige Rathauschef im Alter von 87 Jahren gestorben. Mit ihm verliere die Gemeinde eine „prägende Persönlichkeit, die das Gemeinwesen über Jahrzehnte hinweg mitgestaltet hat“, heißt es im Nachruf der Taufkirchner SPD. Deren Vorsitzende Naciye Özsu betont: „Sein Wirken und seine Haltung werden in unserer Gemeinde in Erinnerung bleiben.“
Geboren in Pommern, wuchs Hartmann Räther in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg auf, wo er nach einer Lehre bei einem Stuttgarter Autohersteller an der Fachhochschule studierte. In der Folge arbeitete er als Ingenieur bei Siemens und MBB, zog nach Taufkirchen und trat 1975 in die SPD ein. „Hartmann Räther war ein durch und durch politischer Mensch und überzeugter Sozialdemokrat“, sagt Michael Schanz, der sich seit vielen Jahren bei der Taufkirchner SPD engagiert.
Nachdem Räther 1978 in den Gemeinderat eingezogen war, gewann er 1990 die Bürgermeisterwahl und löste Walter Riedle (CSU) ab, der zuvor 18 Jahre lang den Chefsessel im Rathaus innegehabt hatte. In seinen zwei Amtsperioden bis 2002 befreite der SPD-Mann die Gemeinde von ihrer millionenschweren Schuldenlast und übergab sie mit einer Rücklage in Höhe von 45 Millionen Euro. Gleichzeitig realisierten er und der Gemeinderat mehrere Großprojekte wie den Sport- und Freizeitpark, das Keltenhaus, das Haus der Nachbarschaftshilfe und Volkshochschule sowie den Kindergarten Sankt Georg II.
Räther war niemand, der die große Bühne suchte
„Diese Einrichtungen prägen bis heute das soziale, kulturelle und gemeinschaftliche Leben in Taufkirchen“, unterstreicht der SPD-Ortsverein. Dabei war Hartmann Räther – anders als einige seiner Vorgänger und Nachfolger – kein Politiker, der die große Bühne suchte. Vielmehr habe das „typische Nordlicht“, so Schanz, im Hintergrund die Fäden zusammengehalten und gezogen. Nach außen hin trat er stets ruhig, pragmatisch und umsichtig auf, was ihm auch bei der politischen Konkurrenz ein hohes Ansehen bescherte.
Nach dem Ende seiner Amtszeit und der Übergabe des Bürgermeisterbüros an seinen damaligen Parteifreund Eckhard Kalinowski blieb Hartmann Räther – trotz aller Reisen – seiner Heimat eng verbunden und verfolgte interessiert die Entwicklungen in Taufkirchen. „Bis zum vergangenen Herbst hat er regelmäßig unseren SPD-Stammtisch besucht“, erzählt Michael Schanz. Dort habe sich Räther – stets bei einem leichten Weißbier – gerne und oft zu Wort gemeldet und seine Sicht auf das Politgeschehen in der Gemeinde dargelegt.
Ein schwerer Schlag für den Ex-Rathauschef war 2012 der Tod seiner Ehefrau Ingrid Räther-Still. Sie war ebenfalls in der Kommunalpolitik aktiv gewesen und hatte jahrelang den SPD-Ortsverein geführt. Dieser ernannte Hartmann Räther 2018 zum ersten Ehrenmitglied der Taufkirchner Sozialdemokraten; im selben Jahr verlieh ihm der Gemeinderat den Titel des Altbürgermeisters.

