Das Taufkirchner Rathaus wird kein Gutachten in Auftrag geben, um die Grundwasserstände und -strömungen im Ort zu untersuchen. Das hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen und damit einen Wunsch mehrerer Bürgerinnen und Bürger abgeschlagen. Sie hatten auf ein hydrogeologisches Gutachten gedrängt, nachdem Taufkirchen wiederholt von Hochwasser betroffen war – zuletzt besonders heftig nach dem Starkregen im vergangenen Juni. Damals waren zig Keller und Tiefgaragen vollgelaufen und viele Hausbesitzer trotz Versicherung auf den Kosten sitzen geblieben. Der Grund: Die Schäden wurden nicht durch Oberflächenwasser ausgelöst, sondern waren eine Folge des hohen Grundwasserstands in dem Gebiet.
„Die hydrogeologischen Gutachten betrachten immer nur den jeweiligen Bebauungsplan. Doch was wir brauchen, ist ein Gutachten fürs gesamte Gemeindegebiet“, hatte eine Bürgerin in der April-Sitzung des Gemeinderats gefordert. Sie betonte: „Jedes neue Gebäude, das gebaut wird, bedeutet in meinen Augen eine zusätzliche Gefährdung für den Bestand.“ Diese Auffassung teilen viele Kritiker des geplanten Quartiers um ein Seniorenheim am Hachinger Bach oder des Bildungscampus der Sabel-Schulen am Oberweg.
Ein hydrogeologisches Gutachten für die Gesamtgemeinde würde laut Rathaus bis zu 200 000 Euro kosten. Alternativ ließen sich für 30 000 Euro alle bereits verfügbaren Daten erfassen und auswerten. Im Gemeinderat stießen beide Optionen auf wenig Begeisterung. „Ich halte das für rausgeschmissenes Geld, weil es die Daten alle gibt“, sagte Herbert Heigl (SPD) mit Blick auf ein Gutachten zum Hachinger Bach aus dem Jahr 2020.
Und Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) betonte: „Ein Gutachten zum Grundwasser ist immer nur eine Momentaufnahme.“ Ohnehin würde sich damit „die Erwartung, dass die Gemeinde an den Grundwasserflüssen etwas ändern kann, nicht erfüllen“. Sander gab zu bedenken, dass ein Großteil der Schäden im vergangenen Sommer in einem Gebiet entstanden sei, wo noch nicht gebaut worden ist.

