TaufkirchenIdeen für eine lebendige Eschenpassage

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Mehr interessierte Bürger als Plätze vorhanden waren, sind in den Taufkirchener Bürgertreff gekommen, um zu erfahren, was Bürgermeister Ullrich Sander (parteilos) und SPD-Bürgermeisterkandidatin Naciye Özsu mit der Eschenpassage vor haben.
Mehr interessierte Bürger als Plätze vorhanden waren, sind in den Taufkirchener Bürgertreff gekommen, um zu erfahren, was Bürgermeister Ullrich Sander (parteilos) und SPD-Bürgermeisterkandidatin Naciye Özsu mit der Eschenpassage vor haben. (Foto: Claus Schunk)

Das Ladenzentrum in Taufkirchen macht einen heruntergekommenen Eindruck. Als pragmatische Zwischenlösung sollen jetzt kulturelle und künstlerische Mieter in zwei leer stehende Häuser einziehen.

Von Patrik Stäbler, Taufkirchen

Entgegen ihren Namensgebern haben die Eschen- und Lindenpassage in Taufkirchen schon lange nicht mehr geblüht. Vielmehr sind die beiden betongrauen Ladenzentren mit ihrem zweifelhaften Siebzigerjahre-Charme heruntergekommen, ja mitunter gar verwahrlost – inklusive „Angsträume“, wie Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) stets betont. Während die Lindenpassage fast ganz verwaist ist, gibt es nebenan in der Eschenpassage immerhin einige Läden, den Bürgertreff und mehrere Arztpraxen. Und künftig soll es dort noch etwas belebter zugehen – dank einer Zwischennutzung.

Das hat die SPD-Bürgermeisterkandidatin Naciye Özsu jetzt bei einer Veranstaltung im Bürgertreff vor fast 100 Besucherinnen und Besuchern angekündigt. Ihr zufolge sollen zwei derzeit leer stehende Läden in der Eschenpassage – zum einen neben dem Vinzenzmurr, zum anderen die Flächen über der Hofpfisterei – schon in wenigen Wochen für kulturelle und künstlerische Zwecke genutzt werden. Geplant sei, dass unter anderem ein Maler, eine Seifenmacherin, ein Gitarrenlehrer und die Volkshochschule in die Räume einziehen. „Die Idee ist, dass wir für wenig Geld leer stehende Flächen bekommen und gleichzeitig die Eschenpassage beleben“, sagte Naciye Özsu. Das Ganze sei ausdrücklich als Übergangslösung angelegt: „Wir wollen die Räume nutzen, bis hier etwas passiert.“

Die SPD-Politikerin meint damit die Pläne fürs „Quartier am Bahnhof“, die eine Umwandlung des derzeit reinen Gewerbegebiets westlich der Gleise in ein modernes Viertel mit Wohnungen, Büros, Geschäften, Gastronomie und sozialen Einrichtungen vorsehen. Das 12,5 Hektar große Areal umfasst auch die Linden- und Eschenpassage, die beide dem Grünwalder Immobilienentwickler Rock Capital gehören. Bei diesem sei sie mit ihrer Idee für eine Zwischennutzung vorstellig geworden, berichtete Özsu. „Auch wenn viele gesagt haben, das bringt nichts.“ Doch dann habe die Firma ihrem Vorschlag zugestimmt. „Jetzt können wir die Räume für eine Miete von 4,50 Euro den Quadratmeter nutzen“, sagte Naciye Özsu. „Und das gibt uns die Möglichkeit, dort etwas auszuprobieren.“

Derweil nutzen Rock Capital und die anderen Eigentümer beim Projekt „Quartier am Bahnhof“ – allen voran zählt dazu noch die Bäckerei- und Konditoreigenossenschaft Bäko – eine der leer stehenden Flächen in dem Ladenzentrum. So haben sie im Gebäude an der Eschenpassage 60 einen „Gesprächsraum“ eröffnet, der laut einer Mitteilung als „zentrale Anlaufstelle für Information und Austausch“ dienen soll. An zwei bis drei Tagen pro Woche könnten sich Interessenten hier über den aktuellen Stand der Planung informieren. Zudem seien bis zum Jahresende Mitmachaktionen, Diskussionsrunden und Vernetzungsangebote geplant, so die Eigentümer.

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Diese Informationsoffensive – auch die Gemeinde wolle noch im Herbst eine weitere Bürgerveranstaltung abhalten, kündigte Sander im Bürgertreff an – ist sicher eine Reaktion auf die Kritik, die es an den Plänen fürs „Quartier am Bahnhof“ gibt. So sammeln die Initiative Lebenswertes Taufkirchen und der Bund Naturschutz derzeit Unterschriften für ein Bürgerbegehren, um das Vorhaben zu stoppen. Sie kritisieren die geplante Baudichte, die zu geringen Grünflächen und warnen vor einem Bevölkerungs- und Verkehrsanstieg, der dazu führe, dass Taufkirchen „in eine großstädtische Bahnhofsdynamik schlittert“.

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