Spät am Abend sind bei den Gewinnern noch Aperol Spritz und Wein geflossen, bei den Verlieren dagegen womöglich die eine oder andere Träne. Denn dass der Bürgerentscheid über die Ansiedlung der Münchner Sabel Schulen in Taufkirchen so deutlich gegen das Vorhaben ausfallen wird, das hat dann doch alle überrascht – sogar die Projektgegner. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir in sämtlichen Wahllokalen so klar gewinnen“, sagt Rudolf Dittrich, der Vertreter des Bürgerbegehrens gegen den Bau eines Bildungscampus der Stiftung Sabel-Schulen auf dem Grundstück zwischen Oberweg und Münchner Straße. Er und die anderen Initiatoren verfolgten den Wahlabend zunächst im Rathaus, ehe es danach in eine Gaststätte ging – „zum Feiern“, wie Dittrich sagt.
Anlass hierfür waren jene 64,3 Prozent der Wählerinnen und Wähler, die sich für den Bürgerentscheid zum Stopp der Bauleitplanung für den Bildungscampus ausgesprochen hatten. Demgegenüber befürworteten nur 38,7 Prozent das Ratsbegehren, wonach das Vorhaben „ergebnisoffen“ fortgesetzt werden solle. Dieses hatte der Gemeinderat initiiert, der stets nahezu geschlossen für eine Ansiedlung der privaten Sabel Schulen gestimmt hat. Bei der Stichfrage, welche der zwei Optionen man präferiere, setzten 62,6 Prozent ihr Kreuz beim Stopp der Bauleitplanung und 37,4 Prozent bei deren Fortführung. Insgesamt gaben 6330 Menschen ihre Stimme ab; die Wahlbeteiligung lag somit knapp unter 50 Prozent.
Diese hohe Teilnahme sei erfreulich, sagt Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) – doch das war’s dann auch an Positivem aus seiner Sicht. So spricht der Rathauschef von einer „vertanen Chance für Taufkirchen“, bevor er ins Grundsätzliche wechselt. Dass man Entscheidungen über Vorhaben wie eine Schulansiedlung der Bevölkerung anstelle der gewählten Volksvertreter überlasse, sei „irgendwo das falsche System“, sagt Sander. „Weil bei diesen Menschen kommt immer die persönliche Betroffenheit durch – und nicht das Interesse am Allgemeinwohl.“
Rein rechtlich kommt der Bürgerentscheid einem Gemeinderatsbeschluss gleich und ist ein Jahr gültig. Ob eine Ansiedlung der Sabel Schulen danach noch mal auf den Tisch kommen wird? Auf diese Frage antwortet Sander: „Das ist dann Sache des nächsten Gemeinderats.“ Allerdings gehe er davon aus, dass das unbebaute Privatgrundstück am Oberweg über kurz oder lang eine Entwicklung erfahren werde. Womöglich komme das Areal als Standort für ein staatliches Gymnasium ins Spiel, sagt der Bürgermeister mit Blick auf die Nachbargemeinde Sauerlach, wo eine solche Schule gebaut werden soll, es aber noch an einem Grundstück mangelt. „Oder vielleicht kommt dort eine Flüchtlingsunterkunft hin. Und da kann der Gemeinderat dann nicht mitreden.“
So ungewiss die Zukunft des Grundstücks ist, so offen sind nach dem Bürgerentscheid die Pläne der Sabel Schulen. „Wir sind seit eineinhalb Jahren dabei, dieses Projekt voranzutreiben“, sagt Andreas Mischke, Vorsitzender des Stiftungsvorstands. Dass die Bürger in Taufkirchen dafür nun ein Stoppzeichen gesetzt haben, nennt er „sehr bedauerlich“.
Naturschutz und zusätzlicher Verkehr sind wohl ausschlaggebend für die Ablehnung des Bildungscampus
Nach den Plänen der Sabel-Stiftung sollte am Oberweg ein Bildungscampus entstehen, in den sukzessive die bestehenden zwei Real-, die Wirtschafts- und die Fachoberschule aus München umziehen sollten. Überdies war die Entwicklung eines Gymnasiums am neuen Standort geplant. Im Endausbau wäre der Campus für 1200 Schülerinnen und Schüler sowie 250 Lehrkräfte ausgelegt gewesen.„Es ist schade für die Gemeinde, dass sie diese Chance nicht ergreift“, sagt Andreas Mischke. Zwar habe seine Stiftung hinsichtlich des geplanten Bildungscampus noch andere Standortoptionen. Doch nun stelle sich erst mal die prinzipielle Frage, wie die Zukunft der Privatschulen aussehen solle, so Mischke. „Das werden wir in den kommenden Wochen in den zuständigen Gremien besprechen.“
Derweil betont Rudolf Dittrich, dass er nicht generell gegen einen Umzug der Sabel Schulen nach Taufkirchen sei – „aber eben nicht an dem Standort“. Denn dort wäre ihm zufolge nicht nur die Verkehrsbelastung gestiegen, sondern ein bislang unbebautes Grundstück hätte seine ökologischen Funktionen eingebüßt, etwa als Versickerungsfläche bei Hochwasser. Dittrich ist überzeugt: „Der Naturschutz und der Verkehr waren die Hauptgründe, weshalb der Bürgerentscheid so deutlich gegen den Bildungscampus ausgefallen ist.“
Seine Mitstreiter und er würden nun „erst mal abwarten, wie die Gegenseite in den nächsten Monaten reagiert“. Wobei man sich bereits darauf verständigt habe, nötigenfalls ein weiteres Bürgerbegehren anzustoßen. „Wenn auf dem Grundstück eine ähnlich große Baumaßnahme mit ähnlich viel Verkehr erwogen wird“, sagt Dittrich, „dann sind wir bereit weiterzumachen“.

