Alfred Widmann ist keiner, der gerne im Mittelpunkt steht – auch nicht an diesem Abend im Taufkirchner Rathaus, obschon sich dort alle Blicke auf ihn richten. Nur zögerlich steht der 74-Jährige auf, um ein paar Worte an seine Kolleginnen und Kollegen im Gemeinderat zu richten. „Ich mache es aber sicher nicht so lange wie er“, sagt Widmann sogleich mit Blick auf die vorherige Ansprache des scheidenden Bürgermeisters Ullrich Sander (parteifrei). Der hat ihn soeben in den höchsten Tönen gelobt und sein „außergewöhnliches Maß an Verlässlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und echter Verbundenheit mit der Gemeinde Taufkirchen“ hervorgehoben.
Für all das bekommt der SPD-Lokalpolitiker kurz darauf die Ehrenbürgerwürde seines Heimatorts verliehen – als erster Taufkirchner überhaupt. Dabei wäre Widmann nicht Widmann, wenn er auch in diesem Moment nicht zuerst an andere denken würde. In den Nachbargemeinden Ober- und Unterhaching gebe es jeweils 17 Ehrenbürger, sagt er, in Taufkirchen nun also einen einzigen. „Ich denke, das sollten wir ändern“, findet Alfred Widmann – auch um das Ehrenamt zu stärken. Denn ohne die 3000 bis 4000 Menschen, die sich im Gemeinderat, in der Feuerwehr, im Rettungsdienst, in den Vereinen und anderen Organisationen unentgeltlich engagierten, wäre Taufkirchen weit weniger lebenswert, betont der frisch gebackene Ehrenbürger. „Deshalb sollten wir versuchen, das auszubauen und in gewisser Weise anzuerkennen.“
Widmann selbst ist vor 55 Jahren mit seinen Eltern aus München nach Taufkirchen gezogen. Nach einem kurzen Intermezzo in Giesing kehrte er mit seiner damaligen Freundin nach Taufkirchen zurück, sie bezogen dort jene Wohnung im Ortsteil Am Wald, die bis heute sein Zuhause ist. Über die Jugendzentrumsbewegung, die auch in Taufkirchen zur Einrichtung eines Treffpunkts für junge Menschen im alten Rathaus führte, sei er dann zur Politik gekommen – und zur SPD. 1983 zog er erstmals in den Gemeinderat ein und gehört ihm seitdem an, mit nur einer kurzen Unterbrechung von zwei Jahren.
In mehr als vier Jahrzehnten Lokalpolitik hat sich Alfred Widmann vor allem als Mann der Zahlen und Fakten einen Namen gemacht. Dies liege sicher auch an seinem beruflichen Werdegang, sagt der Sozialdemokrat, der bis zu seinem Renteneintritt vor 13 Jahren als Facility Manager in gehobener Position gearbeitet hat. Im Gemeinderat war der Haushalt stets sein Steckenpferd; ebenso brachte er sich über viele Jahre im Rechnungsprüfungs- und im Finanzausschuss ein. „Dabei richtet er verantwortungsbewusst den Blick auch auf zukünftige Generationen, mahnt bei aller Notwendigkeit von Investitionen zu einer überlegten Finanzplanung und warnt vor unkalkulierbaren Folgekosten bei Großprojekten“, hieß es in einer Laudatio, die 2025 anlässlich der Verleihung der Kommunalen Verdienstmedaille in Silber für Widmann verfasst wurde.
Fragt man den Taufkirchner, was ihn in all den Jahrzehnten des ehrenamtlichen Engagements angetrieben habe, dann sagt er: „Ich habe in der Zeit immer wieder was Neues dazugelernt, und das mag ich.“ Hinzu komme natürlich eine große Verbundenheit zu seiner Heimatgemeinde sowie der Wunsch, an deren Entwicklung mitzuwirken. Genau das macht Alfred Widmann, der von 2014 bis 2020 auch Zweiter Bürgermeister war, nun seit mehr als 40 Jahren – und wird es weiterhin tun. Denn bei der jüngsten Gemeinderatswahl hat der SPD-Politiker erneut ein Mandat errungen. „Eine Legislaturperiode mache ich noch“, sagt er. „Aber dann reicht’s.“ Wobei Alfred Widmann schon jetzt, das betont Ullrich Sander, „Spuren in Taufkirchen hinterlassen hat, die bleiben werden“.

