Tag der Rückengesundheit "Einfach mal aufstehen und rumlaufen"

Gymnastiklehrerin Sabina Glücks zeigt ihren Kursteilnehmern Übungen, die sie leicht im Büro nachmachen können.

(Foto: Claus Schunk)

Fast jeder dritte Erwachsene klagt über Rückenbeschwerden. Auch Kinder und Jugendliche sitzen zu lange in der gleichen geduckten Haltung. Die Oberhachinger Gymnastiklehrerin Sabina Glücks gibt Tipps zu Vorbeugung von Verspannungen und Schmerzen.

Interview von Mariella Kockler, Oberhaching

Deutschland hat "Rücken": Fast jeder dritte Erwachse gibt an, öfter oder ständig unter Rückenschmerzen zu leiden. Der Tag der Rückengesundheit an diesem Freitag ruft deshalb zur aktiven Prävention auf. Sabina Glücks, 63, Sport- und Gymnastiklehrerin an der Volkshochschule Oberhaching, beobachtet das Problem seit vielen Jahren und weiß: Die meisten Beschwerden wären vermeidbar.

SZ: Warum leiden heutzutage so viele Menschen an Rückenschmerzen?

Sabina Glücks: Weil alle zu viel sitzen und zu viel vor dem Bildschirm arbeiten, immer in der gleichen Haltung. Das führt zu Verspannungen und in Folge auch zu Schmerzen im gesamten Rücken, Nacken und Kopf.

Sie arbeiten seit 1976 als Gymnastiklehrerin - haben Sie das Gefühl, es leiden heutzutage mehr Menschen unter Rückenschmerzen?

Ja, definitiv. Mittlerweile fangen die Beschwerden ja auch schon bei Kindern und Jugendlichen an. Auch die sitzen ja nicht nur ein paar Minuten, sondern über mehrere Stunden hinweg in der immer gleichen geduckten Haltung über Bildschirm und Handy.

Über welche Beschwerden klagen Ihre Kursteilnehmer am häufigsten?

Es ist entweder die Halswirbelsäule stark betroffen, sodass viele dann auch unter starken Kopfschmerzen leiden oder die untere Lendenwirbelsäule. Beides hängt mit dem vielen Sitzen zusammen.

Haben Frauen und Männer, die zu Ihnen kommen unterschiedliche "Rückenbaustellen"?

Nein, das kann ich nicht sagen. In meinen Kursen sind sowohl Frauen als auch Männer, alle mit den gleichen Baustellen.

Wie kann man diesen präventiv entgegen wirken?

Mehr Bewegung in den Alltag integrieren - das ist das A und O. Und wenn's nur mal zwischendrin für fünf Minuten ist, es muss nicht immer gleich eine Stunde Sport sein. Beispielsweise kann man im Büro einfach mal aufstehen und rumlaufen, sich strecken. Es ist wichtig, immer mal wieder eine andere Haltung einzunehmen.

Gibt es eine bestimmte Übung, die sich leicht im Büro umsetzen lässt?

Die Hände hinter dem Kopf verschränken, sich gerade nach oben aufrichten. Mit der Ausatmung dann den Kopf locker nach vorne zwischen die Beine fallen lassen und den Rücken rund machen. Oder die Hände hinter der Stuhllehne verschränken und die Arme nach hinten strecken. Das entspannt den Nacken.

Haben Sie das Gefühl, die Menschen setzen das mittlerweile schon um?

Nein, zu wenig. Sonst wären die Kurse hier nicht so voll. Ich halte neun Kurse pro Woche und die sind alle sehr gut besucht.

Was kann man machen, wenn die Beschwerden schon da sind?

Man kann zu jedem Zeitpunkt anfangen mit mehr Bewegung, ganz egal in welchem Stadium.

Ab wann sollte man zum Arzt?

Wenn jemand ganz akut starke Schmerzen hat oder massive Erkrankungen, etwa wie einen Bandscheibenvorfall. Dann hilft natürlich nur noch der Arzt. Aber auch für danach gilt: Es ist noch nicht zu spät.

Was halten Sie von Maßnahmen wie ergonomischen Büromöbeln?

Das hilft natürlich schon ein bisschen. Was sich mit Sicherheit lohnt, ist Geld in einen speziellen Stuhl zu investieren. Denn ob ich den ganzen Tag auf einem einfachen Holzstuhl sitze oder auf einem mit ergonomisch geschwungener Rückenlehne, macht schon einen Unterschied. Mittlerweile gibt es da ja auch viele verschiedene Ausführungen.

Haben Sie vielleicht einen Tipp, wie man sich selbst zu mehr Bewegung motivieren kann?

Das ist eine sehr gute Frage. Ich denke man kann die Menschen nur motivieren, indem man ihnen klar macht, dass sie selbst ganz einfach vielen Schmerzen vorbeugen können, indem sie die Rückenmuskulatur und auch die Bauchmuskulatur stärken. Das ist doch die beste Motivation, oder? Leider brauchen die meisten Leute erst den Schmerz, um darauf zu kommen.