Tag der offenen Gartentür:Schlaraffenland für Biene und Mensch

In Unterhaching bewirtschaften 40 Gartler gemeinsam 300 Quadratmeter.

Von Michael Morosow, Unterhaching

Unterhaching, Krautgarten am Finsinger Weg

Claudia Köhler und Angela Heilmeier-Stead (von links) helfen Stefan König, der laut Dienstplan zum Gießen eingeteilt ist.

(Foto: Angelika Bardehle)

Zu den klassischen Kennzeichen eines Gartens gehört zweifellos ein Zaun. Aber es geht auch ohne, wie sich in Unterhaching am Ende des Finsinger Wegs zeigt. Zaunlatten und eine verschließbare Eingangstüre würden die Absicht der Gartler sogar konterkarieren.

Jeder, der gießt, darf auch ernten, lautet, verkürzt, die Maxime der Kraut-und-Rüben-Familie, die hier seit mehr als einem Jahr gräbt, pflanzt, gießt und erntet. Das Krautgarten-Projekt, initiiert von den Unterhachinger Grünen, wächst und gedeiht - zur Freude der etwa 40 Gartenfreunde, die abwechselnd zum Gießen erscheinen, zur Freude aber auch der Bienen und anderen Insekten, die eine gedeckte Tafel vorfinden.

Insbesondere auf der Veitshöchheimer Bienenweide, die zudem ein Augenschmaus ist. Unter anderem Ringelblume, Natternkopf, Königskerze und Flockenblumen blühen hier zu unterschiedlichen Zeiten, sodass Bienen vom Frühjahr bis in den Herbst hinein Nektar und Pollen vorfinden. Und weil das so ist, hat der Oberhachinger Imker Johannes Fagner kürzlich drei Bienenstöcke am Weiderand aufgestellt. Am Tag der offenen Gartentür können sich Interessenten von der Pflanzenvielfalt überzeugen.

Es ist heiß an diesem Montagabend, und Stefan König kommt ganz schön ins Schwitzen beim Auflockern der Erde. König hat heute Dienst, sein Name steht auf dem Gießplan, auf den sich die Gartenfreunde eintragen, wie auch der von Angela Heilmeier-Stead, die regelmäßig von Taufkirchen mit dem Rad zum Krautgarten fährt. Heute wird sie prächtig gewachsenen Salat mit nach Hause nehmen.

Ein 4000-Liter-Tank von der Berufsfeuerwehr

Dass das Krautgarten-Projekt nach dem ersten Spatenstich im April des Vorjahres so in die Höhe geschossen ist, dafür zeichnet eine ganze Reihe von Unterstützern verantwortlich. Allen voran die Familie Diepold, die nicht nur den Ackerboden kostenlos zur Verfügung gestellt hat, sondern auch das Saatgut für die Veitshöchheimer Bienenweide aus eigener Tasche bezahlt hat. Und erst kürzlich ist Jakob Diepold mit einem kompletten Gartenhäuschen angekommen, das sich die Gartler schon lange gewünscht hatten. Develey-Geschäftsführer Michael Durach hat einen 2000 Liter fassenden Wasserbehälter spendiert, die Gemeinde kaufte für die Gartler einen 4000-Liter-Tank von der Münchner Berufsfeuerwehr, und nächste Woche, so sagt Claudia Köhler, Mitinitiatorin des Projekts, werde die Unterhachinger Feuerwehr einen weiteren 2000-Liter-Kanister in den Garten stellen. Vor allem die jungen Pflanzen bräuchten jetzt viel Wasser, den Mais und die Kartoffeln dagegen müsse man nicht gießen, weiß Stefan König.

Es duftet nach frischer Kamille, die zwischen allen Beeten wild wächst. "Echte Kamille", wie Claudia Köhler betont. Heilkräuter wachsen heran, Beeren, Salat und Gemüse; in einer Vielfalt, die kein Gemüseladen aufweisen kann. "Probieren Sie mal die Zuckererbsen", sagt Angela Heilmeier-Stead. Die Nutzer sind stolz auf ihren Garten, der inzwischen auf etwa 300 Quadratmeter angewachsen ist. "Wir trauen uns noch mehr zu, weil es mit der bisherigen Fläche so gut geklappt hat", sagte Stefan König. Nichts geworden sind einzig die Tomaten, weil sie nach starken Regenfällen von der Braunfäule heimgesucht worden sind.

Blick über den Gartenzaun

In einem Dutzend Gärten im Landkreis München sind am Tag der offenen Gartentür am Sonntag, 25. Juni, Gäste von 10 bis 17 Uhr willkommen. Eine Welt voller Abenteuer verspricht dabei die Volkshochschule Haar in ihrem Ökogarten hinter dem Waldfriedhof am Ende der Ferdinand-Kobell-Straße. Fledermäuse, Kröten, Libellen und Igel haben dort ihr Zuhause. Ein interessantes Ausflugsziel für Kinder ist auch die Kleingartenanlage am Seebach in Ismaning. In der Anlage an der Dorfstraße wird gezeigt wie ein kindgerechter Garten aussehen kann, aber auch Insekten, Hochbeete und Rosen sind Gartenthemen. Als Tipp für Familien gilt zudem der Bio-Vereinsgarten im Umweltgarten Neubiberg, Äußere Hauptstraße, mit einer Größe von 3,2 Hektar, Tiergehegen und Bienenhaus. Einen Lehrgarten mit Obstbäumen zeigt der Gartenbauverein Feldkirchen am Fasanweg 49. Neben einem Weiden-Iglu ist der Bauerngarten Mittelpunkt.

Auf 300 Quadratmetern ist in Unterföhring am Dorfangerweg 122 ein verträumter mediterran-orientalischer Künstlergarten entstanden. Klinker, Granit, Stein und leise plätschernde Wasserbassins wurden zu einem idyllischen Gartentraum verwoben. Die Gartenbesitzerin Ruth Hofbauer hat sich bei ihren Keramikkreationen von Gaudi und Hundertwasser inspirieren lassen. Einen großzügigen Wassergarten auf 800 Quadratmetern mit drei Teichen und einem langen Bachlauf mit abwechslungsreicher Bepflanzung sowie eine attraktive Bonsaisammlung kann man bei Familie Czekalski in der Nelkenstraße 46a in Hohenbrunn-Riemerling betrachten. Einen Garten wie ein Park mit Wasserlauf und Teich verspricht auch Gudrun Schreiber in Oberhaching, Vorderes Gleißental 10. Als Natur-Erlebnisgarten mit Wasserlauf und Teich gilt der Senkgarten mit bepflanzten Trockenmauern und Wildsträucherhecke von Edith Hartmann und Hermann Ullenboom in Unterhaching, Mühlweg 5. Bunt und ländlich ist auch der Garten von Familie Nicklbauer in der Münchner Straße 77 in Unterhaching. In Taufkirchen öffnen viele der 141 Parzellen in der Kleingartenanlage "Am Waldweg", Englwartinger Weg 2. hilb

Seit Kurzem ist der Krautgarten auch pädagogisch wertvoll: Nachdem die Sozial- und Umweltpädagogin Evi Karbaumer Kontakt geknüpft hatte zur Heilpädagogischen Tagesstätte am Grünwalder Weg, wurden alsbald zwei Beete extra umgegraben, damit sich die Kinder als Gärtner versuchen können. Wer in der bunten Gemeinschaft mitarbeiten will, ist willkommen. "Immer montags und donnerstags abends ab 17 Uhr ist man nie alleine auf dem Feld", sagt Köhler.

© SZ vom 21.06.2017/belo
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