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SZ-Talentiade:Schnelles Stadtkind

Hannah Schlickum

Immer vorne weg: Die 15-jährige Hannah Schlickum aus München hat das Zeug zur Spitzen-Biathletin.

(Foto: oh)
  • Der SC Hochvogel München erhält bei der Talentiade 2017 den SZ-Förderpreis, der mit 1500 Euro dotiert ist.

Es begann vor der Glotze. "Ich habe schon immer gerne Biathlon im Fernsehen geschaut", erinnert sich Hannah Schlickum, vor allem Magdalena Neuner hatte es ihr angetan. Spätestens als sie bei einem Weltcup-Rennen in Ruhpolding war, stand für sie fest: "Das will ich auch einmal machen." Vier Jahre sind seither vergangen, mittlerweile ist Hannah Schlickum 15 Jahre alt - und auf einem guten Weg, ihr Ziel tatsächlich zu erreichen.

Im Sommerbiathlon ist die Gymnasiastin in Deutschland in ihrer Altersklasse bereits ganz oben angekommen, fünf Mal hat sie die nationale Meisterschaft gewonnen. Der Fokus liege aber ganz klar auf der winterlichen und damit deutlich populäreren Variante. Nun rückt sie zu den Jugendlichen auf, und dieser Alterssprung bringt sie ihrem eigentlichen Ziel einen großen Schritt näher: "Endlich darf ich mit dem Kleinkalibergewehr schießen", sagt Hannah Schlickum, in der Schülerklasse wird mit einem Luftgewehr geschossen.

Auch im Schnee hat sich Hannah mittlerweile zu einer Siegläuferin entwickelt, aktuell wurde sie Dritte in der Gesamtwertung im Deutschen Schüler Cup (DSC), wobei sie in Oberhof ihr erstes Einzelrennen gewonnen hat. In Buntenbock im Harz war sie Zweite in der Verfolgung und in Oberhof holte sie Silber im Massenstart. Ein weiterer Podiumsplatz gelang der bayerischen Kaderathletin als Dritte im Cross-Komplex im sächsischen Schmiedeberg. Mit der Bayern-Staffel wurde sie zudem Zweite bei der deutschen Meisterschaft, als Startläuferin.

Besonders macht ihre Leistungen, dass sie "ein Stadtkind ist", wie ihre Mutter Sina Brübach-Schlickum es ausdrückt. Sie finde es "einfach toll, mit welcher Begeisterung sie den Sport angeht", sagt die Mutter, die Hannah schon allein deshalb nach Kräften unterstützt. Die meisten Top-Athletinnen hätten nämlich ein Leistungszentrum vor der Türe, "die können dann nach der Schule direkt in den Schnee". Wie etwa Anna Laube aus Oberhof und Lena Hartl aus Ruhpolding, die in der Schülerwertung vor Hannah Schlickum rangieren - noch. Denn einmal schon hat die Münchnerin bereits alle geschlagen - und sie wird immer besser.

Nicht zuletzt das neue Training im Jugend-Kader mit Bernhard Kröll soll einen weiteren Leistungsschub bringen. Zwei- bis dreimal die Woche chauffiert Sina Brübach-Schlickum ihre talentierte Tochter nach Kaltenbrunn bei Garmisch-Partenkirchen, der Biathlon-Stützpunkt ist die Kaderschmiede der so erfolgreichen Biathlon-Nation Deutschland. Uschi Disl, Martina Glagow oder Magdalena Neuner: In Kaltenbrunn formt Trainer Bernhard Kröll seit vielen Jahren deutsche Top-Biathletinnen. Auch Miriam Gössner und Laura Dahlmeier, letztere hat Magdalena Neuner als Vorbild von Hannah abgelöst, kommen aus der Schule von Kröll, nicht die schlechteste Referenz für eine aufstrebende Athletin.

Ihr Heimatverein ist der SC Hochvogel München, dort trainiert sie eifrig Langlaufen, so sie nicht im Biathlonzentrum unterwegs ist. Den letzten Schliff mit der Waffe holt sich Hannah Schlickum bei der HSG München, der Schützenverein hat Olympiasieger und Weltmeister geformt. So weit will die 15-jährige Münchnerin noch nicht denken, ein Weltcup-Start würde vorerst genügen.