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SZ-Talentiade:Cool wie Federer

Sie glaubt immer an ihre Siegchance: Trainer Stefan Eriksson imponiert an Isabella Pfennig vor allem das, was man nicht lernen kann - ihre Haltung auf dem Tennisplatz.

(Foto: Claus Schunk)

Isabella Pfennig spielt mit 15 Jahren in der zweiten Liga für Großhesselohe. Nach dem Abitur will sie Profi werden - und vielleicht mal in Wimbledon spielen

Dreimal in der Woche wird Isabella Pfennig von ihrer Mutter nach der Schule in Gauting abgeholt und nach Oberhaching chauffiert, wo sie statt der Schulsachen den Tennisschläger auspackt. Sie findet das nach dem Nachmittagsunterricht "echt stressig". Um es gleich vorwegzunehmen: Die 15-Jährige macht das freiwillig. Niemand zwingt oder drängt sie dazu, schon gar nicht ihre Eltern. "Es gibt nichts Schöneres als nach der Schule auf dem Tennisplatz zu stehen", erzählt sie.

Isabella Pfennig nimmt Schule und Tennis ernst, sehr ernst. Obwohl sie in ihrem Alter zu den begabtesten deutschen Spielerinnen gehört, denkt sie nicht wie viele Gleichaltrige daran, die Schule vorzeitig abzubrechen, um erste Punkte in der Weltrangliste zu sammeln. Sie will erst das Abitur machen "und es dann als Profispielerin probieren", sagt sie. Ihre Träume unterscheiden sich da nicht von denen anderer juveniler Tennisspieler: Eines Tages auf den großen Bühnen vorspielen, in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York, wo die vier bedeutendsten Tennisturniere ausgetragen werden. "Das ist mein Ziel", sagt Pfennig selbstbewusst.

Seit drei Jahren trainiert sie dafür fast täglich an der Tennisbase des Bayerischen Tennis-Verbandes (BTV) in Oberhaching. Und wer sie spielen sieht, kann schnell erahnen, dass ihre Träume irgendwann Wirklichkeit werden könnten. Für ihr Alter zeigt sie schon ein reifes, vielseitiges Tennis. "Sie hat das Spiel schon verstanden", lobt ihr Trainer Stefan Eriksson. Pfennig ist schnell in Kopf und in den Beinen und vermag die Vorhand enorm zu beschleunigen. Als "Wettkampftyp" charakterisiert sie sich selbst. "Mit dem Kopf hatte ich noch nie ein Problem." Das haben die Zuschauer erst in der vergangenen Woche bei ihrem Debüt in der zweiten Tennis-Bundesliga Süd für den TC Großhesselohe miterleben dürfen.

Staunend und kopfschüttelnd zugleich fragten sie immer wieder nach ihrem Alter. Pfennig besiegte ihre drei Jahre ältere Gegnerin vom TC Luitpoldpark glatt in zwei Sätzen. "Das war schon cool", fasst sie kurz und knapp zusammen. Nervös? "War ich nur vor dem Spiel", entgegnet sie. Nach ein paar Ballwechseln legt sich das dann, "während des Matches bin ich nie aufgeregt".

Mit ihrem Trainer arbeitet sie daran, dass ihr Spielstil nicht so roboterhaft daherkommt wie es sonst oft üblich ist auf der Frauentour. Dort werden meist ziemlich emotionslos schnelle, flache Bälle von der Grundlinie geschlagen. Pfennig hebt sich da wohltuend ab, weil sie den Weg ans Netz nicht scheut: "Ich versuche die Ballwechsel auch mal mit einem Topspin-Volley zu verkürzen", sagt sie. Weshalb sie akribisch an den Angriffs- und den Flugbällen feilt. Bei Aufschlag und Rückhand sieht sie selbst noch am meisten Nachholbedarf. Um ihre Grundschläge macht sich Eriksson jedoch die wenigsten Sorgen, dem Trainer imponiert vor allem an Pfennig, was man nicht lernen kann: ihre Haltung auf dem Platz. Pfennig spielt auch gegen ältere Spielerinnen mutig und entschlossen und glaubt immer an ihre Siegchance. "Mir ist es egal, gegen wen ich spiele", sagt sie nur.

Diese Unerschrockenheit führte sie auch vergangenen Donnerstag zum nächsten glatten Einzel-Sieg in der zweiten Liga gegen Würzburg. Wie oft sie in dieser Saison für Großhesselohe zum Einsatz kommt, ist noch ungewiss. Sie soll behutsam an die Erwachsenen herangeführt werden. Als nächstes stehen Anfang Juni die deutschen Jugend-Meisterschaften in Ludwigshafen an, die U14-Konkurrenz hat sie schon einmal gewonnen. Vorbilder auf der Frauen-Tour fallen ihr keine ein. Im Fernsehen schaut sie sich "lieber Männertennis" an, Roger Federer ist ihr Favorit: "Der ist so cool und lässig."