SZ-Serie "Reife(n)prüfung" Autofahrer haben Vorfahrt

Einen Radstreifen an der viel befahrenen Münchner Straße lehnen Polizei und Landratsamt sowie das staatliche Bauamt ab.

(Foto: Stephan Rumpf)

Unterföhring hat es bisher abgelehnt, ein Radverkehrskonzept für die Gemeinde zu erstellen. Fahrradstraßen in Tempo-30-Zonen seien nicht umsetzbar, sagt der Bürgermeister. Lichtblick ist der Weg über eine Brücke.

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Nein, schön ist es nicht, in Unterföhring mit dem Rad unterwegs zu sein. Zumindest wer nicht an der Isar im Westen der Gemeinde oder auf dem Moosweg und dann auf dem Tunnelweg im Osten fährt, muss höllisch aufpassen und am besten immer sprungbereit sein, um nicht in einen Unfall verwickelt zu werden. An der Münchner Straße ist es erlaubt, den Gehweg in beide Richtungen zu nutzen, allerdings nur in dem Bereich, wo die Staatsstraße vierspurig ist.

Auf der Ortsdurchfahrt dagegen sollen die Radler zwar die Fahrbahn nutzen, viele - gerade ältere Menschen und auch Kinder über acht Jahren ziehen es meistens vor, den Bürgersteig zu nehmen. Kein Wunder angesichts der vielen Autos und Lastwagen innerorts. Doch aus das birgt Risiken. Die Münchner Straße ist zwischen Bahnhof- und Aschheimer Straße gesäumt von Parkbuchten, Ein- und Ausfahrten, Bushaltestellen und Kreuzungen. Ganz zu schweigen vom Fußgängerverkehr. Ein ähnliches Bild auf den Nebenstraßen.

Ja, Radfahrer haben es schwer in Unterföhring. Als zum Beispiel die Ortsdurchfahrt in den vergangenen Jahren von Grund auf erneuert wurde, haben sich viele gefragt, warum in Unterföhring nicht auch das möglich ist, was zum Beispiel in Garching der Fall war. Als die dortige Münchner Straße, die damalige B 11, 2013 saniert wurde, entstanden breite Wege für Radfahrer. In Unterföhring allerdings sei die Straße nicht breit genug, um einen Radlweg anzulegen, sagte Rathauschef Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft, PWU), als er bei einer Bürgerversammlung darauf angesprochen wurde. Die Autos haben eben Vorfahrt in der Stadtrandgemeinde, durch die sich werktags mehr als 18 000 Fahrzeuge (Stand 2016) quälen.

Fahrradstreifen lehnt der Bürgermeister ab

Wege, auf denen Radfahrer den Autos ausweichen können, sind selten in Unterföhring.

(Foto: Sabine Wejsada)

Daran konnte im Oktober 2017 auch ein Antrag der SPD-Fraktion im Gemeinderat nichts ändern, Unterföhring mithilfe eines Radverkehrskonzept fahrradfreundlicher zu gestalten. Die Mehrheit von CSU und PWU lehnte das Ansinnen der Sozialdemokraten ab, nur die zwei Vertreter der Grünen im Gremium votierten für das Vorhaben. Wenn es nach der SPD-Fraktion gegangen wäre, hätte das Rathaus ein Radverkehrskonzept erstellen lassen sollen, in dem unter anderem die Möglichkeiten von Fahrradstraßen und Schutzstreifen auf den Fahrbahnen für Radler untersucht werden. Die SPD ist sich sicher, dass eine Verbesserung und Absicherung der alltagstauglichen Routen in Unterföhring viel mehr Menschen dazu bewegen könnte, vom Auto aufs Rad umzusteigen.

Vor allem für innerörtliche Fahrten sei das Rad eine kostengünstige und umweltfreundliche Strategie, um Autofahrten zu reduzieren, so die SPD damals: "Mit der Schaffung von Fahrradstraßen in Tempo-30-Zonen könnte sich beispielsweise die Einhaltung des Tempolimits deutlich verbessern, wodurch sich auch die Verkehrssicherheit erhöhen würde." Auch der Komfort der Abstellanlagen für Räder am Ort sollte Eingang in das von der SPD gewünschte Konzept finden, so die Partei.

Der Bürgermeister hatte der Idee, innerörtlich in Tempo-30-Zonen Fahrradstreifen auf den Straßen anzulegen, eine Absage erteilt. Erstens reiche dafür die Fahrbahnbreite nicht aus, zweitens würde man den Radlern "so eine falsche Sicherheit vorspiegeln". Eine Radspur auf der Münchner Straße lehnten Polizei, staatliches Bauamt und das Landratsamt ab, weil sie eine Staatsstraße ist, wie es hieß. Unterföhring könne erst dann tätig werden, wenn die Staats- zu einer Gemeindestraße herabgestuft werden würde. Daran ist derzeit aber wohl nicht zu denken.

Brücke für Fußgänger und Radfahrer über den Isarkanal

Einen relativ sicheren Weg für Pendler auf dem Rad gibt es aber bereits - und dieser wird fleißig genutzt: Wer aus München über die Leinthaler Brücke kommt und an der dortigen Ampel die Münchner Straße quert, braucht nur gleich rechts abbiegen in die Moosstraße und dann links entlang der S-Bahnlinie bis zum Bahnhof fahren, und das vollkommen unbehelligt von irgendwelchen Autos. Von dort geht es dann entweder Richtung Unterföhringer Gewerbegebiet oder schnurstracks auf dem Tunnelweg gen Norden und dann über die Felder und die bestehende kleine Brücke über den Isarkanal Richtung Ismaning.

Schon bald soll es eine zweite Querung geben: Unterföhring gibt 600 000 Euro für die Errichtung einer Brücke für Fußgänger und Radfahrer über den Isarkanal sowie die Anbindung des Bauwerks an die Aschheimer Straße im Süden und im Norden in Richtung Bauhofstraße aus. Die neue Brücke über den Kanal soll nicht nur für die Bewohner des Asylheims und die Anrainer der Bauhofstraße als schnelle Verbindung in den Ort dienen, auch Radfahrer aus Ismaning und Unterföhring sollen den Kanal künftig auf kurzem Weg queren können.