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SZ-Serie: Mit dem Bus in den Landkreis, Folge 4:Pariser Flair

Der Aptis soll eine Reichweite von bis zu 250 Kilometern haben und bis zu 90 Stundenkilometer schnell fahren. Landrat Christoph Göbel hat die erste Probefahrt zwischen Landratsamt und Gärtnerplatz genossen.

(Foto: Claus Schunk)

Die französische Firma Alstom würde dem Landkreis München gerne ihren neuen Elektrobus "Aptis" verkaufen. Bei der Präsentation im Landratsamt zeigt sich das moderne Gefährt als schicke und wendige Alternative mit großen Fenstern und viel Bewegungsfreiheit im Inneren.

Als Landrat Christoph Göbel am späten Donnerstagnachmittag von seinem Büro im Landratsamt aus ein Klingeln vernahm, vermutete er zunächst, in der gegenüberliegenden Mariahilfkirche würden sie eine neue Glocke testen. Die Straßenbahn konnte das ja nicht sein, denn die fährt auf der anderen Seite der Behörde vorbei. Sein Mitarbeiter aus der Presseabteilung dachte gar an einen Eisverkäufer, der draußen nach Kundschaft läutete. Doch das Signal kam von einem weitaus modernem Gefährt, das im Innenhof des Landratsamts parkte: ein Elektrobus, Modell Aptis.

Das zwölf Meter lange Fahrzeug mit französischem Kennzeichen war nach München gekommen, weil die Firma Alstom, die ihren Hauptsitz nahe Paris hat, ihr neuestes Verkehrsmittel den Vertretern des MVV und dem Landrat präsentieren wollte. Auch im Landkreis werden in den nächsten Jahren Elektrobusse auf ausgewählten Strecken fahren. Von diesem Dezember an startet ein Pilotprojekt in Unterföhring, von 2023/2024 an folgen die Linie 225 zwischen dem S-Bahnhof Taufkirchen und dem Gewerbegebiet Potzham, der Oberhachinger Ortsbus (Linie 227), der Garchinger Stadtbus (Linie 290) sowie die Linie 261, die zwischen Neuried, Hainbuchenring und Fürstenried West verkehrt.

Fahrt in die Zukunft: Der Elektrobus Aptis erinnert eher an eine Straßenbahn als an einen herkömmlichen Omnibus. Und technisch hat die französische Konstruktion einiges zu bieten.

(Foto: Claus Schunk)

Vielleicht, so hofft man bei Alstom, könnte man ja ins Geschäft kommen. Der Prototyp ihres neuen Aptis ist der erste Omnibus, den der Konzern auf die Straße schickt, und der demnächst in Paris und Straßburg, wo er gebaut wird, sowie später auch in anderen französischen Städten im Öffentlichen Personennahverkehr eingesetzt werden soll. Dass dieser Elektrobus bimmelt wie die Straßenbahn, verwundert wenig, wenn man weiß, dass Alstom bislang ausschließlich Schienenfahrzeuge konstruiert und gebaut hat. Detlev Metzner, Projektleiter für E-Busse beim MVV, findet es jedenfalls interessant, mal neue Ideen und neue Konzepte anzuschauen.

Reichweite bis zu 250 Kilometer

Denn der Aptis ist tatsächlich ein Fahrzeug, das eher an eine Straßenbahn als an einen herkömmlichen Bus erinnert. Er hat drei extra große Doppeltüren und auffallend viel Fensterfläche. Die Scheiben seien um 30 Prozent größer als bei Standardfahrzeugen, sagen die Hersteller. 25 Sitzplätze jeweils mit USB-Anschluss und 50 Stehplätze sind eingeplant, es ist an viel Bewegungsfreiheit im Innern, leichten Einstieg und größere Barrierefreiheit als in bekannten Fahrzeugen gedacht; der Fahrer sitzt zudem mittig. Jens Sprotte, Leiter Geschäftsbereich Stadtverkehr und Systeme bei der Alstom, wirbt mit "französischem Chic und technischer Zuverlässigkeit, die Elektromobilität erlebbar machen".

Bis zu 90 Stundenkilometer schnell soll der Aptis sein und eine Reichweite von bis zu 250 Kilometer haben. Das Auffälligste allerdings sind die vier lenkbaren Räder. Sie sollen sehr scharfes Wenden und ein dichtes Heranfahren an den Bordstein ermöglichen. Wenn allerdings wie am Donnerstag vor dem Landratsamt eine Baustelle auf der einen Seite und ein im Halteverbot geparktes Auto die städtischen Verkehrsbedingungen zusätzlich erschweren, stößt selbst der wendige Aptis an seine Grenzen. Bimmeln wie eine Straßenbahn nutzt dann in den meisten Fällen auch nichts mehr.

Schließlich klappte es aber dann doch mit der kleinen Rundfahrt um das Landratsamt und der Bus konnte an den Haltestellen sein bequemes Andockmanöver demonstrieren und am Gärtnerplatz seine Wendigkeit unter Beweis stellen. Landrat Göbel jedenfalls hat die elektrische Probefahrt gefallen, und er sagte: "Ich hatte ein bisschen das Gefühl, in einer Straßenbahn zu stehen."

Pünktlich, freundlich, kompetent

Gute Busfahrerinnen und Busfahrer sind fröhlich, strahlen Ruhe und Gelassenheit aus und steuern ihr tonnenschweres Fahrzeug sicher durch den Verkehr - von frühmorgens mit Schulkindern und Arbeitspendlern bis spätabends mit Nachtschwärmern nach dem Kneipenbummel. Dank der guten Arbeit der Frauen und Männer am Lenkrad ist der Beruf gesellschaftlich hoch angesehen und der Bus das sicherste Verkehrsmittel, das zeigen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Der MVV möchte deshalb danke sagen und die tägliche Arbeit und Verantwortung der Busfahrerinnen und Busfahrer würdigen. Bereits zum dritten Mal sucht er gemeinsam mit den Lokalausgaben der Süddeutschen Zeitung die Busfahrerin oder den Busfahrer des Jahres. Dazu liegen den ganzen Oktober über Flyer in den Regionalbussen aus, auf denen Fahrgäste ihren Lieblingsbusfahrer oder ihre Lieblingsbusfahrein vorschlagen können und per Post an den MVV schicken oder auch an busfahrer-aktion@mvv-muenchen.de mailen können. Teilnahmecoupons werden auch regelmäßig in Ihrer Lokalausgabe abgedruckt.

Aus den Vorschlägen wählen Vertreter von MVV und SZ die Landkreissieger- und siegerinnen aus, die bei einem Fest am 28. Januar 2020 im SZ-Hochhaus in München ausgezeichnet werden. Gewinnen können aber auch die teilnehmenden Fahrgäste. Unter allen Einsendungen werden Geld- und Sachpreise verlost. SZ