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SZ-Serie: Lichtblicke, Folge 7:Vorbild Sonnenuntergang

"Die Auswahl der Lampen und Leuchten kommt erst zum Schluss", sagt Lichtplaner Werner Memmel.

(Foto: Claus Schunk)

Werner Memmel orientiert sich mit seiner Taufkirchner Firma beim Design der Beleuchtung in Büros und Gastronomiebetrieben an der Natur.

Interview von Patrik Stäbler, Taufkirchen

Ein Nachmittag im Advent, draußen legt sich langsam die Dämmerung über Taufkirchen. Drinnen, im Geschäft von Werner Memmel, ist es dagegen hell. Ach was, es strahlt, glimmt und schillert von allen Seiten, aus Leuchten und Lampen in jeglicher Form, Farbe und Größe - hier im Showroom von WML. Das Kürzel steht für "Wir machen Licht", und genau das tut die Firma seit 20 Jahren, in Privathäusern, vor allem aber in Restaurants und Hotels. "Ohne Licht ist alles nichts", sagt Werner Memmel, 60. Im Interview spricht der Ottobrunner über das richtige Licht - im Wohnzimmer, in der Diskothek und am Christbaum.

Herr Memmel, Ihre Firma ist unter anderem für das Lichtdesign im Europäischen Patentamt sowie in der Nobeldisco P1 verantwortlich gewesen. Unterschiedlicher geht's kaum, oder?

Werner Memmel: Die Anforderungen - hier ein Bürogebäude, dort ein Club - sind natürlich total verschieden. Aber für uns als Lichtdesigner geht es im Grunde an beiden Orten um das gleiche - nämlich darum, gutes Licht zu schaffen.

Und was genau ist das, gutes Licht?

Bei einem Bürogebäude wie dem Patentamt müssen die Arbeitsplätze natürlich optimal ausgeleuchtet sein. Wir brauchen also ein Licht mit einem möglichst breiten Spektrum, das sich am Sonnenlicht orientiert. Außerdem muss es blendfrei sein und ohne Schattenbildung - aber mit alledem ist es noch lange nicht getan.

Sondern?

Man muss sich nicht nur die Arbeitsplätze, sondern den gesamten Raum anschauen. Licht ist Reflexion, weshalb es beispielsweise auch auf die Einrichtung und die Beschaffenheit der Wände ankommt. Ich sage immer: Es geht um Lichtplanung statt um Leuchtenplanung.

Und was heißt das für das Licht im P1? Da gilt es, sich erst mal zu fragen, was das eigentliche Ziel ist. Die Antwort darauf ist relativ leicht - und trifft auf die Lichtplanung in jeglicher Gastronomie zu: Es geht darum, den Umsatz zu steigern.

Mit dem richtigen Licht?

Aber ja! Ich bin überzeugt, dass es viele Läden gibt, die wegen ihres Lichts gescheitert sind. Und andersrum kann die richtige Beleuchtung den Umsatz eines Lokals leicht um 20 Prozent und mehr steigern - das zeigen Zahlen, die uns vorliegen.

Und wie schafft man das?

Diese Frage ist ungleich schwieriger zu beantworten. Aber im Kern geht es darum, dass die Kunden sich wohlfühlen. Wir bei WML orientieren uns bei der Lichtplanung am natürlichen Licht, also am Sonnenlicht. Schließlich ist unser Lebensrhythmus evolutorisch darauf eingestellt. Beispielsweise erwarten wir Menschen abends, wenn die Sonne untergeht, auch vom Kunstlicht ein sich langsam verringerndes Licht mit einem erhöhten Rotlichtanteil. Und genau das sollte sich dann auch im Lichtdesign eines Restaurants widerspiegeln.

Kommen wir zur Beleuchtung in den eigenen vier Räumen. Da ist es ja immer noch so, dass vielerorts eine Wohnzimmerlampe an der Decke hängt, und damit ist das Thema erledigt...

Aber das ist zu wenig! Selbst mit der teuersten Lampe mit dem besten Licht schaffen sie auf diese Weise kein angenehmes Lichtempfinden. Vielmehr sollte man den gesamten Raum betrachten und dann an die Lichtpositionierung gehen. Die Auswahl der Lampen und Leuchten kommt erst zum Schluss.

Was ist der größte Fehler, den Otto-Normal-Hausbesitzer beim Thema Licht im Wohnzimmer macht?

Dass er, besonders bei den neuen LED, nicht auf die Farbtemperatur und die Dimmbarkeit der Leuchtmittel achtet. Schließlich ist auch unser natürliches Licht etwas Dynamisches. Und wenn Sie Ihr Licht daheim nicht dimmen können, dann leidet darunter die Lebensqualität.

Zum Schluss eine weihnachtliche Frage: Was leuchtet bei einem Lichtexperten wie Ihnen am Christbaum?

Wir haben daheim eine elektrische Beleuchtung, aber immer auch einige echte Kerzen am Baum - wegen ihres Lichts und der Wärme, die davon ausgeht. Allerdings überlasse ich die Gestaltung des Christbaums meistens meiner Frau. An Weihnachten geht es schließlich nicht darum, dass ich mich als Lichtplaner verwirkliche - sondern da geht es um die Familie.

© SZ vom 08.12.2020/hilb
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