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SZ-Serie: Lichtblicke, Folge 9:Sehen und gesehen werden

Aschheim, für Adventsserie, Feuerwehr, Michael Sturm mit einer starken Taschenlampe vorne an seiner Jacke

Michael Sturm kann seine Handlampe an der Jacke befestigen. Früher waren Scheinwerfer mit einer ähnlichen Leuchtkraft viel größer und sehr empfindlich.

(Foto: Angelika Bardehle)

Auch wenn viele Klischees nicht stimmen: Die richtige Beleuchtung ist für Feuerwehrleute bei Einsätzen in der Dunkelheit extrem wichtig. In den vergangenen Jahren gab es hier einen rasanten technischen Fortschritt.

Von Franziska Gerlach, Aschheim

Wer in seinem Leben eine ausreichende Menge an Hollywoodfilmen gesehen hat, bei dem hat sich vermutlich folgendes Bild verfestigt: Ein Feuerwehrmann betritt ein brennendes Haus, Rauch schlägt ihm entgegen, schwerer, dichter Rauch, der ihm jede Sicht nimmt. Doch seine Taschenlampe weist ihm den Weg, unbeirrbar schlägt sich ihr Strahl durch die Schwaden, lässt sie zurückweichen wie einst das Meer vor Moses. Michael Sturm muss schmunzeln. Nein, sagt der Feuerwehrmann aus Aschheim. Mit Licht komme man gegen dichten Rauch nicht an, weil dieser es allenfalls reflektiert. "So ähnlich wie in der Disco", sagt der 30 Jahre alte Elektroingenieur. Da müsse man den Raum schon "entrauchen".

Dennoch scheint es bei der Feuerwehr ohne Licht nicht zu gehen, das wird schnell klar bei einem Besuch. In dem Raum, von dem aus die Freiwillige Feuerwehr Aschheim ihre Einsätze organisiert, blinken zahllose Knöpfe, der Korb der Drehleiter ist mit runden Leuchten ausgestattet, selbst die Dächer der Feuerwehrautos umringt ein schmaler LED-Streifen, damit die freiwilligen Helfer etwas sehen, wenn sie nachts am Wagen arbeiten. Und jede Minute zählt. "Licht ist fast so wichtig wie Wasser", sagt Sturm. Kein Heilsbringer, nichts Spektakuläres - aber ein effektives Mittel zum Zweck. Es wird gebraucht, wenn die Feuerwehrleute in einer dunklen, engen Straße nach einer Hausnummer suchen. Oder wenn ein Auto von der Bundesstraße abgekommen ist. Oder wenn ein Hydrant gesetzt werden muss. Und deshalb verfügt die Feuerwehr auch über allerhand Lampen. Es gebe das Blaulicht, die Kelle sowie den Lichtmasten, der immer dann gebraucht wird, wenn eine komplette Einsatzstelle ausgeleuchtet werden müsse, erklärt Sturm, der sich seit 2005 bei der Feuerwehr engagiert. "Und dann noch die Handlampe, die wir bei uns tragen."

Diese Handlampe sieht aus wie eine herkömmliche Taschenlampe, kann aber weitaus mehr, als jugendlichen Nutzern unter der Bettdecke zwei, drei Seiten heimliches Lesevergnügen bereiten. Bis zu 245 Meter weit leuchtet die schwarz-gelbe Lampe, die Michael Sturm gerade mit dem lauten Ratschen eines Klettverschluss an der Jacke seiner Schutzausrüstung befestigt. Das Gehäuse der Lampe lässt sich so ausrichten, das der Strahl nach vorne zeigt. So habe man bei einem Einsatz die Hände frei, könne wichtige Dinge tragen, Atemschutzgeräte zum Beispiel, das sei praktisch. Und vergessen könne man die Lampe auch nicht, wenn sie in die Kleidung integriert ist.

14 Feuerwehrautos gehören zur Aschheimer Flotte, jedes davon ist mit Ladestationen für zwei bis drei dieser Handlampen ausgestattet. Eine Arbeitserleichterung. Vor allem der LED-Technik habe man viel zu verdanken, findet Sturm. Ein Kollege gesellt sich dazu, Rudolf Petz. Er nickt, oh ja, das sei wohl wahr, der technische Fortschritt der vergangenen Jahre sei deutlich spürbar. Der 44-jährige Feuerwehrmann geht in die Hocke, zeichnet mit den Händen die Konturen eines Kastens in die Luft. Ein Scheinwerfer mit Tragegriff - die Vorgänger der Handlampen müssen eine deutlich sperrigere Angelegenheit gewesen. Er winkt ab. "Und wenn sie umgefallen sind, war die Glühbirne kaputt."

Früher wurden auch gerne mal Scheinwerfer auf Stative gesetzt. Doch die kommen mittlerweile nur noch in sehr unwegsamem Gelände zum Einsatz, etwa im Morast oder im Wald, wohin der Wagen mit dem Blinkmasten nicht gelangen kann, erzählen die Männer. Und ja, auch die guten, alten Helmlampen, noch so ein Feuerwehrmann-Klischee, haben inzwischen ausgedient. Zumindest in Aschheim, denn letztlich entscheidet jede Feuerwehr selbst, wie sie sich ausrüstet.

Im Übrigen habe er erst bei der Feuerwehr erkannt, als er erstmals im Dunkeln gearbeitet habe, dass Licht auch Sicherheit und Schutz bieten kann, sagt Michael Sturm. Denn nicht zuletzt sorgt jede Lampe auf ihre Art dafür, dass den freiwilligen Helfern nichts zustößt, wenn sie beispielsweise nachts auf der Autobahn zu Gange sind. Sehen und gesehen werden - diese Bedeutung hat Licht für die Feuerwehr. Im besten Sinne.

© SZ vom 10.12.2020
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