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SZ-Serie: Lichtblicke, Folge 8:Festbeleuchtung

Oberschleißheim bei München: Schloss Schleißheim bei Nacht

Barocker Prachtbau: Das Neue Schloss Schleißheim entstand im Auftrag Kurfürst Max Emanuels zu Beginn des 18. Jahrhunderts.

(Foto: Robert Haas)

Das Schloss Schleißheim erstrahlt nur zu besonderen Anlässen in voller Pracht.

Von Anna-Maria Salmen, Oberschleißheim

Wer an Schloss Schleißheim bei Nacht denkt, der hat meist ein festliches Bild vor Augen: Große Strahler lassen den barocken Bau leuchten, im Wasser des Kanals spiegelt sich das Glitzern unzähliger Lichter. Mit diesem Irrtum wurde Paula Kleeberger häufiger konfrontiert. Leicht enttäuschte Besucher fragen die Leiterin der Schloss- und Gartenverwaltung, warum das Schloss denn nicht jede Nacht so prachtvoll beleuchtet sei. Denn die Festbeleuchtung kommt nur zu feierlichen Anlässen zum Einsatz. Die alltägliche Beleuchtung ist deutlich weniger spektakulär: Lediglich elf Lampen erhellen die Westfassade des Schlosses in Richtung Max-Emanuel-Platz, etwa alle 30 Meter hängt eine kleine Laterne mit ganz normalem, 60 Watt starken Leuchtmittel.

Unter anderem sind es finanzielle Gründe, die eine dauerhafte Festbeleuchtung schlicht unmöglich machen. Die riesigen Strahler hätten einen enormen Energieverbrauch, für die entsprechend hohen Kosten müsste die Schlösserverwaltung selbst aufkommen, erläutert die 61-Jährige. Die kleinen Laternen hingegen hätten gleich mehrere Vorteile: Der Verbrauch sei deutlich geringer, die Wartung alles andere als aufwendig. Von selbst gehen die zeitgesteuerten Lichter an, im Winter jeden Tag bereits um 17 Uhr. Derzeit schalten sie sich um 23 Uhr wieder aus, morgens brennen sie zwischen fünf und acht Uhr.

"Wir wollen damit sowohl die Dämmerung überbrücken als auch die Zeit, in der es stockdunkel ist", sagt Kleeberger. Denn die Fassadenbeleuchtung des Schlosses habe weniger einen optischen als einen praktischen Grund. "Es geht um die Verkehrssicherheit." Für Fahrradfahrer sei die Strecke über den Max-Emanuel-Platz, vorbei am Schloss, eine wichtige Verbindung zur Stadt München. Radeln also Pendler in der Dunkelheit von der Arbeit nach Hause, könne es auf dem unbeleuchteten Platz gefährlich werden. Die kleinen Laternen am Schloss helfen, auch wenn sie wenig spektakulär wirken. "Das ist eben das Alltagsgewand", sagt Kleeberger. "Wenn die Festbeleuchtung immer brennen würde, dann wäre es auch nichts Besonderes mehr."

Nicht öfter als fünf Mal pro Jahr erstrahle das Schloss in voller Pracht, beispielsweise zur Winterlust, zum Sommerempfang des Landtags sowie zu Firmenveranstaltungen. Die Festbeleuchtung sei nicht installiert, der jeweilige Veranstalter bringe die Leuchtmittel selbst mit. Beinahe unendlich seien die Möglichkeiten: Riesige Strahler würden die Höhe der Fassade zur Geltung bringen; unter Bäumen angebrachte Lampen durch die Bewegung der Zweige dynamische Lichtspiele erzeugen. Und auch bunte Beleuchtung sei machbar. "Wobei für mich persönlich das klassische, weiß-gelbe Licht am edelsten ist." Wie das wohl der barocke Bauherr gesehen hätte? "Kurfürst Max Emanuel hätte wahrscheinlich einen fulminanten Bogenstrahler einbauen lassen, hätte er die modernen Mittel zur Verfügung gehabt", sagt Kleeberger.

Oberschleißheim bei München: Schloss Schleißheim bei Nacht

Schlüsselfunktion: Paula Kleeberger ist Leiterin der Schloss- und Gartenverwaltung in Oberschleißheim.

(Foto: Robert Haas)

Denn Licht spielte auch zu seinen Zeiten eine große Rolle - wenn auch in anderer Form als heute. Glühbirnen und Strom gab es nicht, die Schlossherren wussten sich mit Fackeln und Kerzen zu helfen. "Die Fürsten der Barockzeit wollten zeigen, dass sie die Natur kontrollieren können", erläutert Kleeberger. Ein Beleg dafür seien die berühmten Gärten mit ihren symmetrischen Blumenbeeten, den akkurat geschnittenen Hecken und den Wasserspielen. Ähnliche Demonstrationen kann sie sich auch in Bezug auf die Beleuchtung vorstellen: Wo zuvor Dunkelheit herrschte, brachten die Fackeln Licht - etwa dann, wenn eine Festgesellschaft zu einem feierlichen Ball auf dem Schlossplatz vorfuhr.

Anders als in düsteren Burgen des Mittelalters waren barocke Schlösser so gestaltet, dass das Licht im inneren bestmöglich erstrahlen konnte, wie Kleeberger erzählt: Unzählige Spiegel reflektierten den Schein, demselben Zweck dienten verspiegelte Kerzenhalter. In den prachtvollen Kristalllüstern brach sich das Licht zusätzlich. "Das muss ein unglaubliches Funkeln im ganzen Schloss gewesen sein", sagt die Leiterin der Schlossverwaltung.

© SZ vom 09.12.2020
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