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SZ-Serie: Lichtblicke, Folge 6:Herr der Ketten

Ottobrunn, Elektriker Yves Schlegel mit Weihnachtsbeleuchtung, Foto: Angelika Bardehle

Ohne ihn fehlte dem Rathausplatz in Ottobrunn der weihnachtliche Glanz: Elektriker Yves Schlegel kontrolliert die Kerzen am Tannenbaum.

(Foto: Angelika Bardehle)

Yves Schlegel kümmert sich um die Weihnachtsbeleuchtung in Ottobrunn.

Von Daniela Bode, Ottobrunn

Wie unter einem luftigen Zelt aus Lichtern fühlt sich, wer in der Adventszeit nach halb fünf Uhr abends am Margreider Platz in Ottobrunn flaniert. Vier lange Stahlseile mit herabhängenden Lichterketten treffen sich in der Mitte, eine Metallsäule hält alles zusammen. Die Seile biegen sich unter der Last der unzähligen Leuchten, so entsteht ein schwungvoller Lichterreigen. Auch die Passage "Unter den Lauben" ist mit solchen Weihnachtsgirlanden geschmückt. Es ist eine dezente, geschmackvolle Beleuchtung in dieser besonderen Zeit. Yves Schlegel, Elektriker des Bauhofs, kümmert sich bereits seit 2012 jedes Jahr um Ottobrunns Lichterglanz zur Advents- und Weihnachtszeit. "Ich freue mich immer total, wenn gerade am Margreider Platz und Unter den Lauben alles funktioniert", sagt er.

Zumal die längste montierte Lichterkette immerhin 45 Meter lang ist.Wenn nun all die Lichter leuchten, genießt man erst einmal den Anblick und denkt vielleicht nicht an die viele Arbeit, die dahinter steckt. Allein am Margreider Platz hängen 875 LED-Leuchten, Unter den Lauben weitere 504. An den Laternen an der Rosenheimer Landstraße und der Ottostraße sind Bäume mit Leuchten befestigt, an den Laternen rund um den Margreider Platz Sterne. Außerdem sind vier Christbäume unter anderem am Rathausplatz mit Lichterketten geschmückt. Um die 3000 LED-Leuchten haben Schlegel und seine Kollegen vom Bauhof angebracht. "Mitte Oktober fange ich immer mit der Instandsetzung an", sagt Schlegel. Konkret heißt das, er testet die Lichterketten in der Werkstatt des Bauhofs und tauscht gegebenenfalls Leuchten aus. Anfang November wird mit dem Aufhängen begonnen.

So richtig knifflig ist bei der Montage kaum mehr etwas. "Wir machen das ja jetzt schon viele Jahre", sagt Schlegel. Eine der anspruchsvollsten Arbeiten ist es dennoch, die Metallsäule aufzustellen. "Wir haben einen Unimog mit einem Kran, den wir dann justieren müssen", erklärt der Elektriker. Auch die Stahlseile samt Lichterketten anzubringen, sei eine Herausforderung. Dabei befestigen er und seine Kollegen zunächst mit Hilfe eines Fahrzeugs mit Hebebühne die Enden der Seile an den umliegenden Häusern. Dann ziehen sie die Stränge mit Hilfe eines Flaschenzugs auf eineinhalb Meter Höhe. Dort hängen sie die Lichterketten ein und ziehen anschließend die Seile auf die endgültige Höhe.

Wenn Lichter plötzlich ausfallen, ob er dann den Fehler findet? "Ja, eigentlich immer", sagt Schlegel. Wobei das bei LED-Leuchten etwas schwieriger sei als bei den früheren Leuchten, bei denen dann einfach ein Draht durchgebrannt war. Dieses Jahr sieht er allerdings keine Gefahr eines größeren Ausfalls. "Wir haben letztes Jahr alles neu gemacht - die Leitungen, die Fassungen, wir haben alles neu montiert", sagt er. Die Leuchten und die Sicherungen regelmäßig zu kontrollieren, ist für Schlegel dennoch selbstverständlich. Auch weil in der Vergangenheit gelegentlich Leuchten Vandalismus zum Opfer gefallen sind.

Momentan sieht allerdings alles gut aus. Erst vor ein paar Tagen leuchteten alle montierten Lichter einwandfrei. Die Zeichen stehen also gut, dass sich die Ottobrunner die gesamte Advents- und Weihnachtszeit über eine schöne Festbeleuchtung freuen können.

© SZ vom 07.12.2020
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