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SZ-Serie: Lichtblicke, Folge 4:Das innere Leuchten

Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Yogalehrer und 'Yogafotograf' Paul Königer, Foto: Angelika Bardehle

Mit Kamera auf der Matte: Der Höhenkirchner Paul Königer bezeichnet sich selbst als "Yogafotograf".

(Foto: Angelika Bardehle)

Als Yogalehrer empfiehlt Paul Königer die Liebende-Güte-Meditation, bei der man Freunde wie Feinde mit Wohlwollen betrachtet, als Fotograf bringt er seine Modelle zum Strahlen.

Von Claudia Wessel, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Wer Yoga macht und meditiert, der liebt alle Menschen, und sein Leben besteht aus purer Harmonie, Friede, Freude, Freundlichkeit. Das ist eine verbreitete Ansicht oder eher ein Vorurteil, zumindest in den Augen des Höhenkirchner Yogalehrers und Fotografen Paul Königer. Nach 30 Jahren in der IT-Branche wusste er aus eigener Erfahrung, dass das Leben nun mal nicht nur angenehm sein kann. Es gibt immer Druck, Konkurrenz, Leiden und Krisen, das lässt sich niemals vermeiden, vermutlich nicht einmal im abgeschiedensten Kloster im Himalaya. "Man muss damit Frieden schließen", sagt Königer. "Dann kann man auch das Strahlen in sich entdecken."

Als Yogalehrer kennt Königer die "Liebende-Güte-Meditation". Dabei stellt man sich ein Licht in seinem Inneren vor, das sich immer weiter ausbreitet, vom eigenen Körper in die Umgebung, in die ganze Stadt, in die ganze Welt. Man umfängt zunächst sich mit diesem Licht, lässt es auch auf die Dinge fallen, die man normalerweise lieber im Schatten behält. Auf die eigenen nicht so perfekten Seiten, ob körperlich oder charakterlich.

Doch gerade auf die schiefen Zähne oder den Hang zur Eifersucht lässt man dann ein wohlwollendes Licht fallen. Dann stellt man sich eine Person vor, der man sich sehr nahe fühlt. Man macht sich auch deren Vor- und Nachteile bewusst, vielleicht sogar den Mundgeruch, sagt Königer humorvoll. Auch auf all diese Eigenschaften lässt man das wohlwollende Licht fallen. Als dritten Schritt stellt man sich eine fremde Person vor, die man nur vom Sehen kennt, etwa den Busfahrer oder eine Verkäuferin. Hier geht man ebenso vor.

"Dann kommt der schwierigste Part", sagt Königer. Dieser besteht daraus, sich eine Person vorzustellen, die man gar nicht mag, in heutigen Zeiten vielleicht einen Politiker, der einen wütend macht. "Am besten einen Vertreter der Partei, die man auf keinen Fall wählt", sagt Königer. Nun umgibt man auch diese Person mit einem wohlwollenden Licht und versucht dabei, etwas an dem "Feind" zu finden, das mit einem selbst zu tun hat. "Die Person in ihrer Gesamtheit wahrnehmen", sei das Ziel, so Königer. Der Effekt dieser Meditation sei wunderbar: "Wenn man der Welt mit Wohlwollen gegenüber tritt, strahlt sie dies auch zurück." Für sich selbst hat Königer diese Lichtmediation ein wenig variiert und intensiviert. Er stellt sich nicht nur ein Licht in seinem Inneren vor, sondern einen Diamanten.

"Ein Diamant wird geformt aus großer Hitze und Druck", sagt Paul Königer. "Er besteht aus kristallisiertem Kohlenstoff." Entstanden unter Druck, aber in der Lage, selbst zu strahlen und Strahlen zu reflektieren - diese Eigenschaften machten für den im harten IT-Alltag erprobten und erst später zum Yogalehrer ausgebildeten Mann das Bild des Diamanten perfekt für seine persönliche Variante der Liebende-Güte-Meditation. Wenn Königer ruhig auf seiner Matte sitzt, stellt er sich diesen strahlenden, starken Stein meist an der Stelle des "dritten Auges" vor, zwischen den Augenbrauen: "Das ist der Punkt, der klüger ist als unser Verstand."

Neben seiner Tätigkeit als Yogalehrer, mit der er das Leuchten in den Menschen wachrufen kann - ihm ist wichtig zu betonen, dass dieses in jedem vorhanden ist, nur bei manchen mehr oder weniger versteckt - entdeckte er eines Tages "durch Zufall, dass ich die Idee des Yoga in Bilder fassen kann".

Er begann zu fotografieren und nennt sich inzwischen "Yogafotograf". Was nicht bedeutet, dass er nur Menschen beim Yoga oder bei der Meditation ablichtet, sondern dass er "das Strahlen in jeder Person findet". Bei manchen dauere es nur fünf Minuten, bei anderen brauche es eine Fotosession von mehreren Stunden. In einigen Ausstellungen im Landkreis, etwa in Ottobrunn, hat er seine Werke schon gezeigt. Eine Reaktion vieler Modelle sei: "Sehe ich wirklich so gut aus?" Wer nun gerade im dunklen Corona-Winter nur noch Schatten sehe, dem empfiehlt Königer, sich auf die Suche nach dem inneren Diamanten zu machen. "Das Strahlen ist in jedem Menschen", versichert er. Er hat es schon oft gefunden, nicht nur in den entspannten Gesichtern am Ende von Yogastunden, sondern auch in seinem Fotostudio.

© SZ vom 04.12.2020
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