SZ-Leserfest:Ein Hoch auf den Lokaljournalismus

Mehr als 150 Leser und Politiker feiern im Kleinen Theater in Haar beschwingt 25 Jahre SZ im Landkreis München.

Von Iris Hilberth, Haar

Ernst Weidenbusch ist ein Politiker, den man nie mit einem Zettel in der Hand an einem Rednerpult sieht. Wenn der CSU-Landtagsabgeordnete und stellvertretende Landrat spricht, dann formuliert er frei. Nur einmal, das gibt er zu, hat er seine Sätze vorab niedergeschrieben, denn die Sache war heikel. Es ging im Landtag um die Regierungserklärung zur BayernLB. Am Sonntag wollte Weidenbusch, zugleich stellvertretender Landrat, zum zweiten Mal in seinem Politikerleben nichts dem Zufall und seiner eigenen Spontanität überlassen. Beim SZ-Leserfest zum 25-jährigen Bestehen der Lokalausgabe für den Landkreis München im Kleinen Theater Haar überraschte Weidenbusch nicht nur mit einem Manuskript für sein Grußwort, er bewies auch: Er kann nicht nur politische Statements, er kann auch Poesie. Und so attestierte er den Journalisten der SZ in Reimform: "Sie schauen genau hin, damit jeder erfährt, was ist gut gelaufen, und was war verkehrt."

Die Bands "Voicebreak" und "Blue Dolphins" bekamen viel Applaus

Mehr als 150 Gäste, darunter einige Bürgermeister der 29 Städte und Gemeinden im Landkreis, Kreisräte und Landtagsabgeordnete waren am Sonntagvormittag der Einladung der Redaktion gefolgt, um gemeinsam ein Vierteljahrhundert SZ-Lokalberichterstattung in ihrer Region zu feiern. Eigens für die SZ eine Lücke im vollen Terminkalender vor den Sommerferien geschaffen hatten sich neben der Haarer Rathauchefin Gabriele Müller ihre Amtskollegen Barbara Bogner (Sauerlach), Edwin Klostermeier (Putzbrunn), Uta Wüst (Gräfelfing), Susanna Tausendfreund (Pullach), Johann Eichler (Aying) und Klaus Korneder (Grasbrunn), die SPD-Landtagsabgeordneten Natascha Kohnen und Peter Paul Gantzer, die Kreisräte Christoph Nadler (Grüne), Bela Bach, Annette Ganssmüller-Maluche und Ingrid Lenz-Aktas sowie die ehemalige Landrätin Johanna Rumschöttel (alle SPD).

Sie erlebten in den stilvollen Räumlichkeiten des Kleinen Theaters zwei großartige Konzerte mit dem A-cappella-Chor Voicebreak und der Band Blue Dolphins. "Die waren toll, einfach toll", fasste Grasbrunns Bürgermeister Korneder seine Meinung zu den musikalischen Darbietungen zusammen. Gemessen an dem Applaus, den die Künstler ernteten, würde ihm wohl keiner widersprechen.

Gleichwohl blieb noch genügend Zeit, gemeinsam auf die 25 Jahre Lokalberichterstattung im Landkreis zurückzublicken, einige Ehemalige - sowohl Redakteure als auch Politiker - wiederzutreffen und sich bei der Ausstellung von SZ-Fotograf Claus Schunk im ersten Stock des Theatercafés vor so manchem Bild an Szenen aus der Vergangenheit zu erinnern: Wisst ihr noch als Putin in Aying war? Oder Minister Struck an der Bundeswehr-Uni in Neubiberg? Ach ja, dieses Wahlplakat vor vier Jahren, als der Bundestagswahl sogleich die Landtagswahl folgte: oben eine halbe Merkel und unten ein Stück Seehofer.

"Unsere Gesellschaft muss ein Interesse an kritischen Medien haben"

"Bleiben Sie der Politik, den Politikern auf den Fersen", gab Weidenbusch der Redaktion mit auf den Weg, "kritisieren Sie, was es zu kritisieren gibt, und sorgen Sie damit dafür, dass Selbstgefälligkeit und Selbstgerechtigkeit nicht überhandnehmen." Denn Politik werde immer nur so gut sein, wie die äußeren Kräfte, die auf sie einwirkten. "Das ist ein Grund, warum unsere Gesellschaft ein starkes Interesse an kritischen und funktionierenden Meiden haben muss." Dass es dabei nicht nur um die Putins, Merkels und Seehofers geht, machte Gabriele Müller deutlich: "Ich schätze als Bürgermeisterin den Blick von außen, wie die Redaktion Dinge einordnet, sorgfältige Worte wählt und Artikel platziert. Das ist ein hohes Gut."

Auch Kassian Stroh, stellvertretender Leiter des SZ-Ressorts München, Region, Bayern betonte in Haar: "Der Lokalteil ist kein Anhängsel. Er ist der Kern der SZ, ihre Verankerung im Großraum München." So erfahre der Leser nicht nur etwas vom G-20-Gipfel, sondern auch von den Sorgen der Menschen, die einen Krippenplatz suchten, "wir berichten nicht nur aus der Carnegie Hall, sondern auch aus dem Kubiz Unterhaching".

Lokaljournalismus wird auch in 25 Jahren noch gefragt sein

Zwar ist die Landkreisausgabe viel jünger als die "große SZ" - vom Alter her sei man quasi die Enkelin, wie Lars Brunckhorst, der Leiter der Landkreisausgabe sagte. Aber auch in den 25 Jahren habe sich viel verändert. So gebe es die SZ heute nicht nur gedruckt auf Papier, sondern digital und damit weltweit. Was in weiteren 25 Jahren sein werde, wisse natürlich keiner, ergänzte Ressortleiter Kassian Stroh. In einem ist er sich aber sicher: "Es wird immer noch Lokaljournalismus geben."

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