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SZ-Lesercafé:Schulbau ohne Ende

Erster Spatenstich für den neuen Schulcampus in Unterföhring: 149 Millionen Euro wird das Projekt kosten.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Im nördlichen Landkreis schießen die Lehranstalten aus dem Boden. Alleine in Garching, Ismaning und Unterföhring gibt es bald drei Gymnasien. Doch reichen diese Investitionen?

Mit einer Übertrittsquote von mehr als 60 Prozent der Grundschüler auf das Gymnasium belegt der Landkreis München seit geraumer Zeit die Spitzenposition in Bayern. Vor allem im Norden Münchens sind deswegen in den Vergangenheit Oberschulen aus- und neugebaut oder geplant worden. Dass es mit Garching, Ismaning und Unterföhring, wo derzeit ein neuer Schulcampus entsteht, gleich in drei Kommunen auf engstem Raum jeweils ein Gymnasium geben wird, hat man sich noch vor ein paar Jahren nicht recht vorstellen können.

Sind die Millionen-Summen für neue Schulen richtig ausgegeben? Braucht wirklich jede Gemeinde eine weiterführende Schule? Was nützen die Investitionen in neue Gebäude, wenn hinterher Lehrer fehlen? Und was bleibt für die Mittelschulen übrig? Viele mögliche Fragen und Themen für das SZ-Lesercafé am kommenden Mittwoch, 27. Februar, in Ismaning.

Der anhaltende Zuzug in die prosperierende Region hat Kreis- und Kommunalpolitiker nach deren Überzeugung gar keine andere Wahl gelassen, als viele Millionen Euro in den Bildungsbereich zu investieren. Dort, wo zahlreiche hoch qualifizierte Arbeitnehmer und Akademiker wohnen, braucht es nach Ansicht der Politik einen Ausbau der Schulstandorte. In vielen Familien ist es zudem beinahe selbstverständlich, dass die Kinder nach der vierten Klasse Grundschule aufs Gymnasium wechseln. Auch für die Ansiedlung von Unternehmen ist die wohnortnahe Bildung ein nicht zu unterschätzender Standortfaktor.

Das spiegelt sich nicht nur an der Zahl der Gymnasien wider, sondern auch an den Plänen in Ismaning, Garching und Unterföhring, weitere Grundschulen zu errichten oder die bestehenden zu modernisieren und auszubauen. In der Universitätsstadt Garching denkt man zudem darüber nach, Realschulstandort zu werden, Ismaning kann sich gar vorstellen, auch noch eine Fachoberschule anzusiedeln.

Während also Garching mit dem 2015 bezugsfertigen Neubau des Werner-Heinsenberg-Gymnasiums und Ismaning seit September 2017 mit der Eröffnung seiner Oberschule in einem für viel Geld umgebauten Tagungshotel Grundschülern den wohnortnahen Weg zu Abitur ermöglicht, müssen die Unterföhringer noch bis zum Herbst 2020 warten, ehe die Vorläuferklassen vom Nachbarort Ismaning auf einen modernen Schulcampus ziehen können und künftige Fünftklässler aus der Mediengemeinde zu Fuß oder mit dem Radl zum Unterricht kommen können.

Mit 149 Millionen Euro ist der neue Schulcampus das größte Projekt in der Geschichte Unterföhrings - und das teuerste im Landkreis München, was Schulbauten angeht. Auf knapp 30 Millionen Euro beläuft sich der Beitrag des Landkreises. Der Entwurf für das lang gezogene Gebäude stammt von den Münchner Architekten Felix und Jonas.

Auf dem 50 000 Quadratmeter großen Grundstück, das der Gemeinde gehört, entstehen ein Gymnasium mit Sporthalle sowie eine neue Grundschule samt Hort und Mittagsbetreuung. Die Mensa dient beiden Schulen, ebenso die Tiefgarage. In unmittelbarer S-Bahn-Nähe entstehen ein fünfzügiges Gymnasium, das Platz für mehr als 1000 Schüler bietet, und eine vierzügige Grundschule für 400 Kinder. Das Unterföhringer Gymnasium wird mit Kosten von mehr als 90 Millionen Euro die kostspieligste Schule im ganzen Landkreis werden. In Aschheim wird es in den nächsten Jahren ebenfalls eine Oberschule geben, und auch die Kirchheimer Gymnasiasten bekommen einen modernen Neubau.

Treffen Sie die SZ-Redaktion bei einer Tasse Kaffee

Um zu erfahren, was ihre Leser interessiert, geht die SZ wieder auf Tour. Am Mittwoch, 27. Februar, macht die Lokalredaktion für den Landkreis München mit dem SZ-Lesercafé Station in Ismaning. "Was den Landkreis-Norden bewegt" - so lautet das Motto von 10 bis 17 Uhr im Café Waldeck, Dorfstraße 29, in Ismaning. Leser aus Ismaning, Garching, Unterföhring und Oberschleißheim sind eingeladen, den SZ-Kollegen bei einer Tasse Kaffee oder Cappuccino zu erzählen, was sie in ihrer Lokalzeitung gerne lesen möchten und über was wir berichten sollten.

Ist es der Ärger über den täglichen Stau? Sind es die steigenden Mieten oder fehlende Kinderbetreuungsplätze? Ist kulturell genug geboten? Reicht das Freizeitangebot am Ort aus? Erzählen Sie uns, liebe Leserinnen und Leser, was Sie bewegt und beschäftigt. Oder auch, über was Sie sich freuen: einen Sportverein, der sich in der Jugendarbeit engagiert, oder einen hilfsbereiten Nachbarn. Kurz: Über was wollen Sie gerne mehr lesen?

Autoren und Redakteure der SZ stehen Ihnen einen Tag lang als Ansprechpartner zur Verfügung. Darüber hinaus haben wir die Bürgermeister der vier Gemeinden als Gesprächspartner für Sie eingeladen: von 10 bis 10.30 Uhr Andreas Kemmelmeyer aus Unterföhring, von 10 bis 12 Uhr Christian Kuchlbauer aus Oberschleißheim, von 11 bis 13 Uhr Alexander Greulich aus Ismaning und von 13 bis 15 Uhr Dietmar Gruchmann aus Garching. Für Fragen rund um die Sicherheit sind Beamte der Polizeiinspektion 26 in Ismaning von 15 bis 17 Uhr im Café. Wer am Mittwoch, 27. Februar, keine Zeit hat, kann uns per E-Mail informieren, was ihn bewegt: lkr-muenchen@sueddeutsche.de. SZ

Nimmt man das 2016 erweiterte Carl-Orff-Gymnasium in Unterschleißheim hinzu, dann gibt es im Norden des Landkreises München nur mehr zwei Gemeinden, die noch ohne sind: Feldkirchen und Oberschleißheim. Dabei hat sich vor allem die Schlössergemeinde vor nicht allzu langer Zeit darum bemüht, in Sachen Bildung nicht abgehängt zu werden, und träumte von einem eigenen Gymnasium. Derzeit betreibt die Gemeinde Realschule und Gymnasium im Zweckverband mit Nachbar Unterschleißheim, wo beide Schulen auch stehen, ebenso wie eine Fach- und Berufsoberschule.

Weil aber die Schülerzahl speziell am Gymnasium weiter steigt, hatte die örtliche CSU den Antrag eingebracht, dass sich Oberschleißheim um die Ansiedlung einer solchen Schule bewerben solle, was zunächst goutiert wurde. Doch im aktuellen Etat und in der Finanzplanung bis 2022 findet sich dafür kein eigener Posten. Was womöglich auch dem Umstand geschuldet sein dürfte, dass Oberschleißheim nicht einmal ein Grundstück für ein eigenes Gymnasium besitzt.