Die Maisonne schickt noch ein paar wärmende Strahlen auf die Gegengerade des Unterhachinger Stadions in der Grünau. Was will man mehr an einem ersten Laufabend, dem mindestens bis Juli noch viele weitere folgen sollen? Piia Lipiäinen steht bereits auf der roten Tartanbahn und winkt. "Hier sind wir, kommt nur rein." 16 Laufwillige finden sich zum ersten Dienstagstraining der SZ-Aktion "Läuft mit uns" bei der Übungsleiterin des TSV Unterhaching ein. 15 Frauen und ein Mann. Ihre Motivation, hier mitzumachen, ist unterschiedlich, fit werden wollen sie alle.
Lipiäinen stellt sich als Piia vor. In Sportklamotten duzt man sich, da reicht der Vorname. Lipiäinen stammt aus Finnland, ist leidenschaftliche Marathonläuferin und tänzelt so leichtfüßig über die Stadionrunde, als wären 400 Meter nichts. Vor allem aber hat sie eine so gewinnende Art, ihre Laufübungen, ihren Trainingsplan und auch manche anstrengende sportliche Aufgabe rüberzubringen, dass selbst die Ankündigung des Kniehebelaufs charmant klingt und keiner in der Gruppe einen Gedanken ans Aufgeben verschwendet. Fünf Runden Warm-up, Dehnübungen, Lauftechnik und am Ende ein Testlauf. Das ist das Programm für die ersten 90 Minuten.
Jeannette ist hier, weil sie auf den Watzmann möchte. An einem Tag rauf und und wieder runter. Aufstieg acht Stunden, Abstieg sechs, insgesamt 2100 Höhenmeter, eine sehr lange und anstrengende Bergtour. Jeannette weiß, was sie in den Berchtesgadener Alpen erwartet, sie hat die Tour vor ein paar Jahren schon einmal gemacht und ist sich seither sicher, sie unbedingt wiederholen zu wollen. Bis Juli hofft sie nun, ihre Ausdauer mit dem Lauftraining zu verbessern. Ähnlich geht es auch Sonja, sie plant gleich eine zehntägige Trecking-Tour.

"Wir werden sehen, was für euch das Beste ist", - Piia Lipiäinen verspricht, das Training der kommenden Wochen individuell auf die Teilnehmer zuzuschneiden, "ganz egal, ob du im Sommer die fünf oder zehn Kilometer schaffen willst." Ihr Plan ist es, dass alle die kleine Runde über 5,4 Kilometer beim "Run for Trees" schaffen. Der Benefizlauf wird von der Turnabteilung des TSV Unterhaching zusammen mit dem Unternehmen Develey am Sonntag, 10. Juli, im Rahmen des Bürgerfests veranstaltet. Und wer will, kann dann dort seine neu erworbene Ausdauer unter Beweis stellen.
Helga findet, fünf Kilometer sind schon ein ganz gutes Ziel, andere wollen sich gar nicht so festlegen und vor allem fit werden. Stefan geht es eher um seine Lauftechnik. "Bei anderen sieht das immer so locker aus", hat er festgestellt und meint, dass er vielleicht etwas falsch macht. Zumindest würde nach dem Laufen oft etwas weh tun, und so erhofft er sich da einige gute Tipps beim Lauftraining mit Piia Lipiäinen.
Gemeinsam geht es auf zunächst fünf Stadionrunden. Laufen auf den Geraden, Gehen in den Kurven, immer im Wechsel hundert Meter gemütlich, hundert Meter flott. Aber jeder nur so schnell, wie er kann. "Jeder läuft sein eigenes Tempo", betont Piia. Und vielleicht, sagt sie, findet man ja jemanden, der im gleichem Tempo joggt und man könne ein bisschen zusammen laufen.
Nicht immer wird der Dienstagskurs im Stadion an der Hachinga-Halle trainieren. Auch der Landschaftspark wird eine Option sein, um Abwechslung ins Laufprogramm zu bringen. Für den Anfang findet Piia Lipiäinen es aber ganz gut, in diesem übersichtlichen Rahmen zu trainieren, um zu sehen, wie fit die Leute sind, und unterschiedliche Leistungsstärken in einer gemeinsamen Übungsstunde zu integrieren. "Im Wald würde ich das schwieriger finden", sagt sie.

Nach ein paar Dehnübungen, bei denen die Stangen der Umrandung des Sportplatzes Halt bieten, geht es zurück auf die Laufbahn. "Hüfte hoch", erklärt die Trainerin, sonst werde das Laufen viel schwerer. "Und wir dürfen beim Laufen auch die Arme benutzen, auch beim Easy-Jogging." Die Trainerin macht die Übung vor und schreitet storchengleich über den Tartan. Dann das Ganze im Laufschritt. "Popo hoch", ruft Lipiäinen, "Schultern runter und Blick nach vorne." Wenn das so einfach wäre, denkt sich manch einer, und doch bemühen sich alle, diese Kombination an Koordination, diese "Challenge", wie Lipiäinen sagt, auf die Bahn zu bringen. "Super", lobt sie. "Ich habe keine Elefanten gehört." Das ist schon mal ein guter Anfang. In anderen Gruppen, verrät sie, würden manche zu Beginn noch ziemlich fest auftreten.
Zum Schluss geht es nun doch noch um Schnelligkeit, um Durchhaltevermögen, um Strecke. Der "Cooper-Test" ist ein anerkanntes Verfahren zur Überprüfung der allgemeinen Ausdauer. Piia Lipiäinen kündigt ihn als "das Highlight" des Abends an. Es geht darum, bei einem zwölfminütigen Lauf die maximal mögliche Distanz zurückzulegen. Ob das nun drei Runden sind oder fast sechs, ist egal. Jeder läuft wie er kann, auch gehen ist zwischendurch erlaubt. Alle starten gemeinsam, schnell zieht sich das Feld auseinander. Natürlich ist das anstrengend, und zwölf Minuten können verdammt lange dauern. Aber alle haben durchgehalten. Manche sind etwas aus der Puste, der Kopf ist gerötet, der Schweiß rinnt. "Wie fühlt ihr euch?", fragt Lipiäinen, "Daumen hoch?" "Gut", sagt Angie, und alle nicken. Karin stellt fest: "Laufen hat mir noch nie so viel Spaß gemacht."
In drei Laufgruppen und einer Walkinggruppe haben die Teilnehmer der SZ-Aktion "Läuft mit uns", dieses Woche mit dem Training beim TSV Unterhaching begonnen. Mehr Informationen unter fitness.gesundheit@tsv-unterhaching.de .

