SZ-Adventskalender Wenn jeder Cent zählt

Manche Familien sind so arm, dass die Kinder ohne Frühstück zur Schule gehen. Der Verein "Unser täglich Brot" versucht zu helfen.

(Foto: Ralf Hirschberger/dpa)

Familien ohne großes Gehalt tun sich oft schwer, die vielen Ausgaben für Schule, Sport oder Hobby zu bezahlen. Hauptleidtragende sind häufig die Kinder. Organisationen wie der kleine Verein "Unser täglich Brot" wollen sie unterstützen.

Von Irmengard Gnau, Oberhaching

Im September beginnt das neue Schuljahr - eine aufregende Zeit für viele Schüler: neue Klassenkameraden, neue Lehrer, vielleicht ein neuer Sitzplatz. Für einige Eltern aber bedeuten diese Wochen vor allem Stress. Denn mit jedem neuen Schuljahr summieren sich auch die Ausgaben für Hefte, Stifte, Bücher, Sportsachen, außerdem vielleicht zwei neue Paar Schuhe, wenn die Kinder in den Sommerferien wieder so gewachsen sind. Wenn dann noch 30 Euro für die Klassenkasse fällig werden, wird es rasch einmal eng. "Für Familien mit wenig Geld, die gerade neue Winterstiefel anschaffen mussten und dazu die ganze Ausstattung, ist das ein echtes Problem", sagt Helga Schmetzer.

Die Oberhachingerin hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Familien zu unterstützen. Seit zehn Jahren sammelt der von ihr gegründete gemeinnützige Verein "Unser täglich Brot" Spenden, um Kindern aus einkommensschwachen Familien im Hachinger Tal da zu helfen, wo Staat oder Kommune die Kosten nicht übernehmen. Das kann ein neuer Schulranzen sein, die Kosten für eine Zahnspange. Oder, ganz profan, ein Zuschuss zum Essensgeld, damit die Schüler sich täglich ein warmes Mittagessen leisten können.

So können Sie spenden

Wer helfen will, wird um ein Geldgeschenk gebeten, Sachspenden können leider nicht entgegengenommen werden. Bareinzahlungen sind von Montag bis Donnerstag von 9.30 bis 18 Uhr sowie Freitag und Samstag von 9.30 bis 16 Uhr im SZ-Servicezentrum, Fürstenfelder Straße 7, möglich. Sicher online spenden können Leser im Internet unter www.sz-adventskalender.de. Überweisungen sind auf folgendes Konto möglich.

"Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung e.V."

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Spenden sind steuerlich abzugsfähig; bis zu einem Betrag in Höhe von 200 Euro reicht der vereinfachte Nachweis. Bei Spenden in Höhe von mehr als 200 Euro senden wir Ihnen die Spendenbestätigung zu, sofern auf der Überweisung der Absender vollständig angegeben ist. Jede Spende wird ohne Abzug dem guten Zweck zugeführt. Alle Sach- und Verwaltungskosten, die entstehen, trägt der Süddeutsche Verlag. www.facebook.com/szadventskalender

"Kinder sind die Hauptleidtragenden, wenn in einer Familie nicht so viel da ist", sagt Schmetzer, selbst Mutter von vier Kindern. Das Geld, das "Unser täglich Brot" verteilt, soll deshalb bewusst nur Kindern zugutekommen. Entstanden ist der Verein 2008 im Vorfeld des zweiten ökumenischen Kirchentags, der zwei Jahre später in München stattfand. Die evangelische Landeskirche hatte angeregt, lokale soziale Projekte ins Leben zu rufen, die bewusst ökumenisch, also gemeinsam von Katholiken und Protestanten getragen werden. "Wo ist die Not?", fragte sich Schmetzer damals, und entschied rasch, den Fokus auf Familien mit geringem Einkommen zu legen.

Sie suchte und fand Verbündete in den Pfarrgemeinden in Oberhaching, Unterhaching und Taufkirchen, sammelte Spenden bei Kommunen, Privatleuten und Firmen, knüpfte Kontakte zur Caritas Schuldnerberatung, der Tafel in Taufkirchen und zu den Fördervereinen der Schulen in der Region. Der Kirchentag ging vorüber, das ökumenische Projekt blieb und erhielt schließlich Vereinsstruktur. Denn die Nöte und der Bedarf waren immanent, merkte Schmetzer.

Betroffene Eltern lassen sich das Problem oft nicht anmerken

Familien, die mit sehr wenig Geld auskommen müssen, gibt es längst nicht nur in der Landeshauptstadt, sondern auch im gerne als Speckgürtel titulierten Landkreis München mit seinen hübschen Einfamilienhäusern. Auch wenn sich betroffene Eltern das häufig nicht anmerken lassen und Probleme zu verbergen versuchen. "Die Scham ist einfach groß", sagt Schmetzer. Nicht selten schickten Eltern ihre Kinder in teurer Kleidung in die Schule, damit niemand bemerke, dass sie etwa hoch verschuldet seien. Ein weiteres Problem: Wer einmal finanziell abrutscht, sei es durch Schulden, den Verlust des Arbeitsplatzes oder andere Umstände, tut sich schwer, aus diesem Gefüge wieder hinauszufinden.

In ihrer Arbeit sei ihr auch bewusst geworden, wie leicht man als Familie in so eine Situation hineinschlittern könne, sagt Schmetzer. "Unser täglich Brot" versucht, solche Härten zumindest für die Kinder abzufedern. Der Verein ist klein. 10 bis 15 000 Euro, gespendet von den Kirchengemeinden, Privatspendern, Vereinen, Schulen oder Firmen, verteilt er jedes Jahr. Der feste Kreis zählt nur etwa zehn Mitglieder, die alle rein ehrenamtlich arbeiten. Doch sie sind rege und im ganzen Hachinger Tal sehr gut vernetzt. "Wir sind klein, aber wir können rasch auf Probleme reagieren", sagt die Gründerin. Ohne Festangestellte fließt außerdem alles Spendengeld direkt an die jeweiligen Empfänger.

Anträge stellen können die Fördervereine der Schulen genauso wie Privatleute aus dem Hachinger Tal; um ein Schulfrühstück zu organisieren für Kinder, die morgens mit leerem Magen aus dem Haus gehen oder für die Unterstützung des Mitgliedsbeitrags beim Fußballverein. Alle Anfragen prüft der Vorstand auf ihren Bedarf hin, doch das Angebot soll bewusst niederschwellig sein, betont Schmetzer. Ein Lieblingsprojekt hat die 58-Jährige. "Nachhilfe ist etwas, was wir besonders gern unterstützen", sagt sie, "denn es ist Hilfe zur Selbsthilfe. Das bringt den Kindern am meisten."

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