SZ-Adventskalender Kein Geld für Förderunterricht

Lesen, Schreiben und Rechnen stellt Leni Müllers Töchter vor große Probleme.

(Foto: dpa)

ADS, sowie Anzeichen von Legasthenie und Dyskalkulie: Die Töchter der Hubers tun sich schwer in der Schule. Die notwendige Unterstützung können sich die Eltern nicht leisten.

Von Irmengard Gnau, Haar

Bei ihrer ältesten Tochter war es Leni Huber (alle Namen geändert) schon rasch aufgefallen. "Wenn Sophia am Wohnzimmertisch Hausaufgaben machen sollte, hat sie alles mitgekriegt, was im Raum passiert - nur nicht das, was auf dem Blatt direkt vor ihr stand", erzählt Huber. Sophia konnte sich schwer konzentrieren, auch das Lesen fiel ihr schwer. Nach einer langen Odyssee bei Ärzten und Behörden erhielt die Mutter schließlich die Diagnose ADS, Aufmerksamkeitsdefizit, eine neurologische Störung. Auch die drei weiteren Töchter tun sich schwer, weisen teils Anzeichen von Legasthenie und Dyskalkulie auf. Müller versucht, ihre Töchter zu fördern, sie haben den heilpädagogischen Kindergarten besucht, die zweite Tochter hat die Förderschule abgeschlossen und gerade eine Ausbildung im Verkauf begonnen. Doch zusätzliche Angebote kosten Geld, und das hat die Familie aus Gronsdorf nicht.

Magdalena und Anna, die beiden jüngsten, besuchen die Grundschule. Auch Magdalena hat in der dritten Klasse große Mühe mit dem Lesen wie mit dem Rechnen. Bis zum vergangenen Jahr hat sie einen Förderunterricht besucht, wie Huber erzählt. "Aber der Elternbeitrag war zu teuer, ich musste sie abmelden", sagt sie. In der Wohnung lugen Rechenspiele und Buchstabenrätsel aus dem Schrank. Lesenachhilfe bekommt Magdalena noch in der Schule, doch ihre Mutter würde sich wünschen, dass sie ihre Tochter noch mehr unterstützen kann. Die fünfköpfige Familie - die älteste Tochter ist bereits ausgezogen - lebt vom Gehalt des Vaters, dazu kommt das Kindergeld und seit Herbst ein Teil des Ausbildungsgehalts von Maria, der zweitältesten Tochter.

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Wenn die Hubers davon Miete, Strom, Telefon, die Kosten für das Auto und die Hortgebühren abziehen, bleibt nicht viel übrig für Essenseinkäufe oder gar andere Wünsche. Leni Huber leidet an Arthrose und kämpft mit Depressionen; ihre Arbeit im heilpädagogischen Bereich hat sie deshalb wieder aufgeben müssen.

Sowohl Huber als auch ihr Mann haben in ihrer Kindheit schlimme Erfahrungen in der Familie gemacht. Vom Vater ihrer beiden älteren Töchter trennte sich Leni Huber nach neun Jahren Beziehung. Seit sie ihren heutigen Mann kennengelernt hat, geht es aufwärts. Sie sind sich gegenseitig Stütze, haben etwa gemeinsam den Führerschein nachgeholt. Seit bald sieben Jahren sind sie nun verheiratet, wohnen zusammen, zwei gemeinsame Töchter wurden geboren. Einen großen Schreckmoment musste Huber verdauen, als ihr Mann im Frühjahr einen Schlaganfall erlitt. Im Krankenhaus diagnostizierten die Ärzte zu allem Überfluss noch eine Nervenerkrankung. Zum Glück habe er sich rasch erholt, sagt Huber. Inzwischen kann er wieder arbeiten.

Für ihre eigenen Kinder hofft die 47-Jährige nach ihren eigenen Erfahrungen umso mehr auf eine gute Zukunft: "Dass sie eine gute Ausbildung finden und einen gesicherten Job und dass sie das machen können, was sie sich wünschen." Und, fügt sie hinzu, dass sie nicht immer aus finanziellen Gründen sagen müsse: "Das geht jetzt nicht." Sie sucht Wege, ihren Kindern Wünsche zu erfüllen, über kostenlose Kulturangebote des ehrenamtlichen Hilfsnetzwerks Weißblauer Bumerang zum Beispiel. Doch wenn die jüngste Tochter Anna einen Zettel aus der Schule mitbringt, auf dem ein Klassenausflug ins Theater angekündigt ist, muss Huber schlucken. Eine tolle Sache, die sie ihrer Tochter nicht vorenthalten möchte - doch die 15 Euro, die der Ausflug für jedes Kind kostet, sind in der Familienhaushaltskasse eigentlich nicht vorgesehen. "Das fehlt dann wieder am Monatsende", sagt Huber leise. Insbesondere ihrer Tochter Magdalena würde Huber gern ein Legasthenie-Training ermöglichen. Maria, die Zweitälteste, wünscht sich einen Englischkurs, damit sie sich nach Abschluss ihrer Ausbildung noch weiterbilden und vielleicht ihren Traumberuf als Erzieherin ergreifen kann.

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