Energiewende:Das Ziel: Autark und sauber

Windrad

Auch die Windkraft ist im Landkreis weiterhin ein Thema.

(Foto: dpa)

Die Neugestaltung der Energievision für den Landkreis ist angelaufen - und damit der Abschied von Gas und Kohle

Von Martin Mühlfenzl, Landkreis

Am Schicksal der großen Energieversorger - oft als die vier Besatzungsmächte bezeichnet - lässt sich die Zukunft der Energieversorgung auf kommunaler Ebene ablesen. Nicht zuletzt aufgrund des politisch erzwungenen Ausstiegs aus der Atomkraft unternehmen die Energieriesen strukturelle Anstrengungen, um den bisher versäumten Einstieg in erneuerbare Energien doch noch hinzubekommen.

Es läuft die Demokratisierung des Strommarktes

"Es ist der Rückzug und teilweise Umbau der großen Energieversorger erkennbar", sagt Peter Keller, der für die kommunale Energieberatung bei der Umweltorganisation Green City tätig ist und den Landkreis München bei der Entwicklung einer eigenen Energievision begleitet. "Es lässt sich eine verstärkte Investitionstätigkeit in erneuerbare Technologien feststellen und eine neue Dezentralisierung und Demokratisierung des Strommarktes."

All diese Faktoren, sagt der Umweltmanager, hätten Auswirkungen auf die Kommunen und Kreise - und deren Weg in eine energieautarke Zukunft.

Diese Zukunft haben die Kreisräte, Bürgermeister sowie Stadt- und Gemeinderäte für den Landkreis schon einmal durchgespielt. Im Jahr 2006. Damals formulierten sie die erste Energievision des Landkreises München; ein zukunftsweisendes Papier, das heute in weiten Teilen kaum mehr Aktualität besitzt und in einem intensiven und transparenten Prozess neu aufgesetzt werden soll. "29++" heißt die neu zu formulierende Energievision - Bezug nehmend auf die 29 Städte und Gemeinden des Landkreises, die in die Entwicklung eng eingebunden werden sollen.

Der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß soll massiv reduziert werden

Die Auftaktveranstaltung haben die Beteiligten bereits erfolgreich hinter sich gebracht; gemeinsam mit Ulrich Ahlke, dem Leiter des Amtes für Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Landratsamt des Münchner Partnerlandkreises Steinfurt in Nordrhein-Westfalen. Ahlke zeichnete den Teilnehmern die Lösungen seines Landkreises auf, der bereits heute eine große Wegstrecke hin zu einer vollkommen autarken Energiepolitik genommen hat. Sein Landkreis, sagte Ahlke, steuere auf die 70-Prozent-Marke zu - bis zum Jahr 2050 soll zudem der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß von heute noch neun Tonnen je Einwohner auf zwei Tonnen massiv reduziert werden.

Im Landkreis München liegt dieser Wert derzeit bei 12,9 Tonnen je Einwohner und damit nicht nur über dem Steinfurter Wert, sondern auch weit über dem Bundesdurchschnitt. In diese wenig erbauliche Statistik ist freilich auch das umstrittene Heizkraftwerk Nord der Stadtwerke München auf Unterföhringer Flur mit eingerechnet, das nach wie vor jährlich etwa 2,6 Millionen Tonnen an CO₂-Emissionen in die Luft bläst.

Der Landkreis München aber, das wurde beim Start von 29++ deutlich, will sich im Zuge der Energiewende nicht mehr ausschließlich auf die Reduzierung des CO₂-Ausstoßes konzentrieren; vielmehr soll die "Qualität" der Energie in den Vordergrund gerückt werden. Die "entscheidenden Voraussetzungen" für eine echte Energiewende, sagt Landrat Christoph Göbel (CSU), seien im Landkreis gegeben: Geothermie, Wasserkraft, Fotovoltaik und auch Windkraft ließen hohe Potenziale erkennen.

Block 2 im Heizkraftwerk Nord läuft noch bis 2035

Der Landkreis, fordert auch der grüne Kreisrat Markus Büchler, müsse sich so schnell wie möglich von Öl, Gas und Kohle verabschieden - vor allem die Unternehmen müssten mitgenommen werden und auf diesem Weg beispielhaft vorangehen. Das betreffe freilich auch die Stadtwerke als größten deutschen kommunalen Versorger, der die Laufzeit des Blocks 2 im Heizkraftwerk Nord in Unterföhring aber bis ins Jahr 2035 verlängert hat.

Mit den neu aufgesetzten Zielen will sich der Landkreis München an der Schlussakte der Pariser Klimaschutzkonferenz orientieren. Dabei passt ins Bild, dass viele Teilnehmer eine engere Zusammenarbeit der Kommunen ins Spiel gebracht haben; denn bisher würden sich diese bei der Energieversorgung eher als Konkurrenten betrachten. Ein Ansatz ist die Gründung einer landkreisweiten Agenda 21, die künftig alle 29 Städte und Gemeinden vernetzen soll.

Der Prozess 29++ wird am 22. und 23. April mit einem Jugendkongress an der TU Garching fortgesetzt. Informationen finden sich auf der Seite www.29plusplus.de.

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