Ausgestattet mit Pinseln und Farbe sitzen elf Kinder im Alter zwischen sechs und 13 Jahren um eine große weiße Leinwand. Die einzige Vorgabe, die ihnen Krina Königsmann gibt: Malt, woran ihr gerade denkt oder was ihr euch für die Zukunft wünscht. Ein Kind fängt also an, einen Hund zu malen, ein anderes malt Pommes Frites, noch ein anderes einen Regenbogen. Nach 15 Minuten läutet eine Tischklingel – es ist das Zeichen, dass jeder eine Position weiterrückt und das Bild seines Sitznachbarn fortsetzt. „Da kann es dann passieren, dass auf einen Regenbogen ein Marienkäfer gemalt wird“, erzählt Königsmann über den Workshop, der im November im Geschwister-Scholl-Forum in Straßlach-Dingharting stattfand.
Das Kunstwerk, das dort auf der gemeinsamen Leinwand entstand, gehört eben den Kindern nicht allein. Auch die anderen durften daran mitwirken und das Gemalte verändern. Es gehe darum, zu lernen, seinem Nachbarn zu vertrauen, dass der auch etwas Schönes male, sagt Königsmann. Die Künstlerin, die den Workshop leitete, berichtet von „einigen Tränen“, die geflossen seien. „Das ist ja auch die Herausforderung in der Demokratie. Wir haben alle eine Vorstellung und ein Bild und wir müssen lernen, mit Enttäuschungen umzugehen und uns gegenseitig mit unseren Entscheidungen zu respektieren.“
Zur Vernissage, die jetzt im Foyer des Medi-Centers im Straßlacher Gewerbegebiet stattfand, kamen neben einigen Eltern Bürgermeister Hans Sienerth (parteilos) und interessierte Bürger. „Bisher haben wir vor allem Veranstaltungen für Erwachsene und Jugendliche organisiert“, sagte Dorothée Sührig, eine Mitarbeiterin der Gemeinde Straßlach, über die Arbeit des Geschwister-Scholl-Forums, das 2021, hundert Jahre nach Sophie Scholls Geburtsjahr, gegründet wurde und seitdem lokale Veranstaltungen zur Demokratiebildung organisiert. „Das war die erste Veranstaltung, die sich explizit an Kinder richtet.“
Königsmann, die selbst seit vielen Jahren in Straßlach wohnt, stellte sich zu dem Workshop mit den Kindern die Frage: „Jenseits davon, dass ich bei der Wahl meine Stimme setze: Wie kann ich mich als Künstlerin aktiv einsetzen? Wie wollen wir als Gemeinde sicherstellen, dass die AfD hier keinen Einzug erhält?“ Die sinnfällige Antwort sei für sie gewesen, als Künstlerin im Geschwister-Scholl-Forum jenen Workshop anzubieten und somit einen kleinen Beitrag für die Demokratie zu leisten.

So bunt wie die Fantasie der Kinder, so unterschiedlich sind die im Workshop entstandenen Kunstwerke. Am Ende durfte sich jedes Kind ein Segment auf der großen Leinwand aussuchen, mit dem es sich am meisten identifizieren kann. Eines zeigt Haus, Himmel und Buchstaben in den knalligsten Farben, ein anderes abstrakte dunkle Formen, gleich mehrere Gemälde zeigen Regenbögen. Die Künstlerin schnitt die einzelnen Kunstwerke am Ende aus der großen Leinwand heraus und spannte sie neu auf. So entstanden aus der großen Leinwand elf einzelne Bilder, die sich sehen lassen können.
Die Gemälde stehen noch bis Montag, 23. Februar, im Foyer des Medi-Center München Süd in der Gewerbestraße 17, 82064 Straßlach-Dingharting.

