Hans Sienerth hat diese Woche Briefe in seiner Gemeinde verteilt. Der parteifreie Bürgermeister von Straßlach-Dingharting sorgt sich um die ausreichende Trinkwasserversorgung und richtet gemeinsam mit dem Vorstand des Wasserwerks einen Sparappell direkt und schriftlich an alle 3500 Bewohner in der Ortschaft im Isartal. Es ist nicht die erste Aufforderung dieser Art. Doch inzwischen ist die Botschaft dringend, denn bisher haben die Bitten, den Hahn nicht unnötig aufzudrehen, nichts gebracht. Im Gegenteil.
Mit Blick auf den Wasserverbrauch in Straßlach, in Groß- und Kleindingharting und den anderen Ortsteilen kann der Bürgermeister nur mit dem Kopf schütteln. Normalerweise habe sich die Summe bei 600 bis 700 Kubikmetern am Tag eingependelt. Doch seit zwei, drei Wochen sei der Verbrauch auf das Doppelte, auf 1200 Kubikmeter nach oben geschnellt. „Wir können uns das nicht erklären, warum die Leute dermaßen auf den Putz hauen“, sagt Sienerth.
Vor zehn Tagen klang sein erster Appell noch wie eine freundliche Bitte: „Wasser ist kostbar und es ist unser wichtigstes Lebensmittel. Wegen der anhaltenden Trockenheit bitten wir Sie: Gehen Sie bewusst mit unserem Wasser um“, postete die Gemeinde auf verschiedenen Kanälen, auf der eigenen Webseite und in den sozialen Medien. Man solle doch lieber kurz duschen statt zu baden, die Wasch- und Spülmaschine im Eco-Modus nutzen und beim Zähneputzen und Einseifen nicht das Wasser laufen lassen. Jetzt ist der Ton rauer geworden.
„Bitte unterlassen Sie sofort“, heißt es auf dem Papier der Infrastrukturgesellschaft der Gemeinde, die für Wasser, Entsorgung und Wärme in Straßlach-Dingharting zuständig ist. Und dann startet die Aufzählung: „Unterlassen“ werden sollen Rasensprengen, Autowäsche und das Befüllen von Pools und Planschbecken. Ganz ähnlich der kürzlich in München und einigen Umlandgemeinden geltenden Allgemeinverfügung zum Wassersparen.
So weit ist man in Straßlach-Dingharting noch nicht. Doch wenn die Leute dort ihren Wasserverbrauch nicht reduzieren, könnte ein solches Verbot tatsächlich die nächste Konsequenz sein. „Der Wasserverbrauch hat sich durch übertriebenes Gießen der Gärten verdoppelt“, teilt die Infrastrukturgesellschaft mit. Übertriebene Verbräuche, die eher zum Lifestyle gehörten, als lebensnotwendig seien, entwickelten sich zu einer Gefahr für die Versorgungssicherheit. „Bitte sofort stoppen“, mahnt die Gemeinde. In den sozialen Medien ergoss sich sofort eine Welle der Empörung über den Bürgermeister. „Namen merken, nicht mehr wählen.“
Dass man im Rathaus insbesondere die Rasensprenger in Verdacht hat, den Wasserverbrauch in die Höhe zu treiben, ist laut Sienerth nicht nur eine Vermutung. „Das sind auch persönliche Beobachtungen“, sagt der Bürgermeister. Gerade erst auf seiner Tour von Briefkasten zu Briefkasten sei er von einem solchen Gerät auf dem Weg nassgespritzt worden, so großzügig werde dort bewässert. „Ich habe geklingelt und wollte mit den Leuten reden“, erzählt er, „die bewässern dort eine Thujenhecke.“ Es habe aber niemand die Tür geöffnet. Anderswo im Ort habe eine ältere Frau die Kastanienbäume gegossen. Die Pools seien weniger das Problem, die würden meist schon im März gefüllt. Allerdings sollten sie jetzt auch nicht nachgefüllt werden.

Zwei Brunnen besitzt die Gemeinde. Und wenn es im Winter einen Monat lang einen Meter Schnee gibt, ist auch genügend Wasser in der Tiefe vorhanden. Diesen Winter aber gab es zu wenig Niederschlag, „das Wasser braucht etwa ein halbes Jahr, bis es unten ankommt“, sagt Sienerth, „interessant wird es daher auch, wie es an Weihnachten mit dem Wasserspiegel aussieht“, so der Bürgermeister.

Wer also darauf schaue, dass die Ortschaft, der Sportplatz, die Grünanlange doch noch ganz gut aussähen, verkenne die Lage, erläutert Sienerth. Denn Straßlach-Dingharting liegt nicht in der Schotterebene, wo das Wasser schnell versickert, sondern unter dem Mutterboden befindet sich eine Lehmschicht, die das Wasser speichert. „Wir wässern unsere Grünanlangen nicht. Auch nicht den Sportplatz“, betont der Bürgermeister. Der Golfplatz geriet ebenso schnell unter Verdacht, der große Wasserverbraucher zu sein. Sienerth winkt ab und stellt klar: „Die entnehmen das Wasser aus ihren Teichen.“


