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Straßlach-Dingharting:Sicherheitsrisiko Lattenzaun

Weil Kinderköpfe durch die Lücken passen, schreitet der TÜV ein

Von Michael Morosow, Straßlach-Dingharting

Eltern sehen es nicht gerne, wenn ihre Kinder auf Zäunen herumklettern. Und einige warnen ihren Nachwuchs davor mit dem Hinweis auf den tragischen Tod des Sohns der Schauspielerin Romy Schneider, der einst über ein schmiedeeisernes Tor klettern wollte und dabei in die Spitzen des Gitters stürzte. Eine Tragödie dieser Art ist am Holzzaun rund um den Gemeindekindergarten "Villa Kunterbunt" zwar ausgeschlossen, aber mit dem Hals zwischen den Zaunlatten hängen bleiben, das können die Buben und Mädchen auch hier - bemängelte jedenfalls der TÜV bei seiner jährlichen Kontrolle. Der Gemeinderat hat nun in seiner jüngsten Sitzung nach kontroverser Diskussion gegen vier Stimmen entschieden, zum Preis von circa 25 000 Euro einen neuen, 200 Meter langen Zaun um das Grundstück ziehen zu lassen.

"Wenn was passiert", gab Bürgermeister Hans Sienerth (parteifrei) vor der Abstimmung zu bedenken, dann könnten er selbst und auch der Gemeinderat in Haftung genommen werden. Die Abstände zwischen den Zaunlatten seien größer als die maximal zulässigen 45 Millimeter, monierte der TÜV. Die Gemeinde ging zwar auf Nummer sicher und ließ auf der ganzen Länge Querlatten knapp unterhalb der Zaunspitzen anbringen, auch zur Stabilisierung. Die Querlattenlösung sei aber nur übergangsweise als Sofortmaßnahme erlaubt, nicht auf Dauer, sagte Sienerth.

Für Albert Geiger (Bayernpartei) hätte es der alte Zaun noch länger getan. Mit den Querlatten habe man alle Sicherheitsbedenken beseitigen können, es widerstrebe es ihm, "was wegzuschmeißen, was noch gut ist", sagte Geiger und stellte die These in den Raum, dass "alles, was nicht mit Schaumgummi ummantelt und biologisch ist", für Kinder nicht mehr erlaubt sei. Man bewege sich auf dünnem Eis, erklärte Florian Brunsch von der Freien Wählergemeinschaft und plädierte dafür, so zu entscheiden, wie vom Gesetzgeber gefordert. Das koste wohl Geld, "aber da geht's um die Sicherheit unserer Kinder".

Mit dem Beschluss hat der Gemeinderat auch gleich drei weitere Gefahrenstellen auf dem Kindergartengelände entschärft. Der neue Zaun wird so gezogen, dass drei auf dem Grundstück stehende Bäume außerhalb stehen werden. Laut TÜV stellen auch sie eine Gefährdung für die Kinder dar.

© SZ vom 03.07.2020

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