Radfahren:Pflastersteine statt Fahrverbot

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Die Verbotsschilder für Radfahrer am Mühltalberg montiert die Gemeinde Straßlach-Dingharting jetzt ab. (Foto: Peter Kneffel/dpa)

Die Gemeinde Straßlach-Dingharting verzichtet auf eine Beschwerde gegen das Urteil zum Mühltalberg. Erledigt ist der Streit um bergab rasende Radler aber noch keineswegs.

Von Iris Hilberth, Straßlach-Dingharting

Im Radsport gibt es viele berühmte und auch berüchtigte Bergstrecken: L'Alpe d'Huez zum Beispiel, Mont Ventoux oder der Col du Galibier. Der Mühltalberg in Straßlach-Dingharting war lange Zeit nicht darunter. Doch inzwischen kennt man ihn durch Berichte in vielen Medien deutschlandweit. Sogar der Spiegel hat über den kleinen Ort im Isartal mit seinem kuriosen Fahrverbot berichtet. Glücklich ist man darüber im örtlichen Gemeinderat nicht.

Nun geht es bei dieser steilen und durchaus auch kurvigen Strecke nicht ums Bergauf-, sondern Bergab-Fahren mit dem Rad. Das war 31 Jahre lang nicht erlaubt, bis im Mai der Bayerische Verwaltungsgerichtshof das Verbot aufhob. Es bestehe „keine qualifizierte Gefahrenlage“, heißt es in der Begründung. Die Gemeinde sieht das nach wie vor anders und ist auch alles andere als einverstanden damit, dass sie die Verbotsschilder abmontieren und die Schussfahrt klaglos hinnehmen soll. Denn eine Revision gegen das Urteil hat der Verwaltungsgerichtshof nicht zugelassen.

So stellte sich die Frage: Soll Straßlach-Dingharting gegen die Nichtzulassung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig einreichen? Nach einer Gemeinderatssitzung diese Woche steht fest: Das wird die Gemeinde nicht tun. Das Thema ist für sie dennoch nicht erledigt.

Zwar ist die Mehrheit im Gemeinderat weiterhin der Ansicht, dass rasante Abfahrten hinunter an den Isarkanal vor allem mit Rennrädern zu gefährlich sind, doch erscheint ein weiteres Durchfechten eines Verbots vor Gericht nicht sehr aussichtsreich. Bürgermeister Hans Sienerth (parteifrei) nannte in der Sitzung drei Kriterien, die als Voraussetzung gelten, damit eine Beschwerde Erfolg hätte: die grundsätzliche Bedeutung des Urteils, eine höhere Rechtsprechung oder Fehler in der Begründung. All das treffe nicht zu. „Es gibt auch keine vergleichbaren Strecken in der Region, weshalb das Urteil eine grundsätzliche Bedeutung haben könnte.“

In Straßlach-Dingharting ist man – das wurde in dieser Gemeinderatssitzung deutlich – stocksauer: auf die Rennradfahrer, auf den Kläger aus München und den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). „Die haben ohne Not so ein Riesenfass aufgemacht“, findet Florian Zweckinger (CSU). Ein Bärendienst, der beide Seiten radikalisiert habe: jene, die auf dem Rad mit hoher Geschwindigkeit herunterfahren wollen und das auch schon immer trotz Verbots tun; und Fußgänger und Autofahrer, die das nervt und die das auf der engen Straße viel zu gefährlich finden. Bürgermeister Sienerth sieht das ähnlich: „Es geht um die Rechte einer kleinen Gruppe von Auswärtigen, es ist nichts, was unsere Bürger belastet.“

Hartmut Schüler, der Sprecher der ADFC-Ortsgruppe Straßlach-Dingharting, sieht seinen Verein zu Unrecht kritisiert. „Wir haben mehrfach angeboten, über den Mühltalberg zu sprechen, doch leider wurde das Angebot nie angenommen“, sagt er. Seiner Ansicht nach hätte man sich durchaus darauf einigen können, die Radfahrer nur auf dem obersten Stück, in der unübersichtlichen steilen Kurve, zum Absteigen zu verpflichten. „Wir sind nicht die Bösen, wir sind lösungsorientiert und nicht auf Krawall gebürstet.“

Das Gericht hat bereits selbst Vorschläge gemacht, wie Radler gebremst werden könnten

Die Gemeinde hätte zwar wohl wegen einer versäumten Frist des gegnerischen Anwalts noch gegen das Urteil vorgehen können, „aber das bringt uns inhaltlich nicht weiter“, so Bürgermeister Sienerth. Er will andere Ideen verfolgen, um die Situation am frei gegebenen Mühltalberg zu entschärfen und rasende Radler einzubremsen. Das Gericht hat der Gemeinde bereits einige Vorschläge mit auf den Weg gegeben. So muss zum einen das Bankett entlang der Strecke erhöht und verfestigt werden, denn der Absatz von der asphaltierten Straße zum Randstreifen ist zu hoch und wird bei Starkregen stark ausgewaschen. Bei Ausweichmanöver kann es wegen der Kante leicht zu Stürzen kommen.

Die Gemeinde wird also etwas einbauen müssen, das das verhindert. „Das wird teuer“, sagt Sienerth. Etwas kosten lassen will sich die Gemeinde auch die Umgestaltung der Fahrbahn: Bauliche Veränderungen sollen Tempo herausnehmen. Der Bürgermeister gibt zu: „Mit Schwellen tue ich mich schwer. Aber Pflastersteine sind eine realistische Option.“ Bereits in der Juli-Sitzung will der Gemeinderat darüber diskutieren.

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