Straßlach-Dingharting:"Gewerbestraße 13" - wie klingt denn das?

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Straßlach-Dingharting: An der Gewerbestraße haben sich viele Firmen angesiedelt, die ihre Adresse nicht ändern wollen.

An der Gewerbestraße haben sich viele Firmen angesiedelt, die ihre Adresse nicht ändern wollen.

(Foto: Claus Schunk)

Ein Investor möchte ein "Worksresort" als Residenz für trendige Firmen bauen, mit Lounge-Inseln und Hängematten für die kreative Pause. Nur macht die Adresse nicht so viel her. Nun hat er bei der Gemeinde beantragt, die Straße umzubenennen.

Von Iris Hilberth, Straßlach-Dingharting

Es gibt Straßen, an denen möchte man eher nicht wohnen. Auch seinen Firmensitz will man dort nicht haben. Das liegt keinesfalls daran, dass sie in einer scheußlichen Gegend zu finden sind oder die Nachbarn als unangenehme Zeitgenossen gelten. Diese Ablehnung ist allein der Adresse geschuldet, wegen der man sich ständig dem Spott anderer ausgesetzt sieht. Beispiele gibt es genügend: Mit "Strullerweg", "Kniebrecher" oder "Zur Hölle" auf der Visitenkarte erntet man auf jeden Fall immer einen Lacher. Aber will man das? Andererseits ist die Änderung von Straßennamen eine aufwendige und mitunter auch teure Angelegenheit, die die meisten ablehnen. Das musste jetzt ein Investor in Straßlach-Dingharting feststellen, der einer Stichstraße im Gewerbegebiet Oberfeld-West gerne einen anderen Namen gegeben hätte.

Der Neubau moderner Büroflächen der Isarhoch GmbH soll nicht irgendein x-beliebiger Gewerbebau werden, sondern ein "Workresort" für den modernen Arbeitsalltag. Richtig schick für trendige Firmen, mit Besprechungen unter freiem Himmel, Lounge-Inseln für die Mittagspause oder Konferenzen, Grill-Plätzen und sogar Hängematten. Im Süden von München scheint der Platz dafür geradezu ideal. Und so fand der Investor ein geeignetes Grundstück in Straßlach, in unmittelbarer Nachbarschaft zu anderen Firmen an der Gewerbestraße. Aldi ist hier, Edeka und das Autohaus Zweckinger, die Raiffeisenbank und ein Aparthotel. Der Businesscenter von Isarhoch, der im September 2022 eröffnet werden soll, bekam die Adresse Gewerbestraße 13. Das klingt nur mäßig schick und nicht mal halb so imposant wie etwa die Schloßstraße im nahen Grünwald.

Also hat der Investor bei der Gemeinde den Antrag gestellt, die Straße umzubenennen, um so attraktiver für potenzielle Mieter zu werden. Doch damit stieß er im Gemeinderat auf breite Ablehnung. Da könnte ja jeder kommen, so die einhellige Meinung. Denn derjenige, der das Grundstück gekauft hat, wusste schließlich, wie die Straße dort heißt. Weil die Gemeinde das aber nicht ohne die Betroffenen entscheiden wollte, waren die Anrainer gefragt worden. Ganz so eindeutig ist das Votum dort nicht ausgefallen.

Die Meinung der Anlieger ist gespalten

Offenbar finden einige die Idee gar nicht so schlecht, eine wohlklingendere Adresse zu erhalten. "Die Stimmen dafür und dagegen haben sich die Waage gehalten", teilte die Verwaltung mit. Die Stimme, die sich während der Sitzung aus den Reihen der Nachbarschaft erhob, war allerdings eindeutig: "Der Namen Gewerbestraße ist transparent und die Kosten einer Umbenennung tun uns wirklich weh. Bis die Gäste uns finden, wäre das zu viel Aufwand", sagte eine Betroffene zu Beginn der Sitzung.

Falls die Straßlacher und Dinghartinger Gemeinderäte sich doch noch irgendwann dazu durchringen, einen kreativeren Namen für den Streckenabschnitt im Oberfeld-West zu suchen, halten sie Isartalstraße jedenfalls für deplatziert. Hier geht es nicht zur Isar. Schlossstraße wäre auch seltsam ohne Schloss. Einen Vorschlag gab es noch aus dem Gremium, der zumindest die örtlichen Gegebenheiten mit einbeziehen würde: An der Pestsäule.

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