Die mannshohe Eistüte mit dem dekorativen Sahnehäubchen steht noch auf dem Pfosten neben der Eingangstür. Doch viel mehr als dieser Appetit anregende Werbeaufsteller existiert im Moment nicht von Straßlachs beliebter Eisdiele. Im Vorgarten liegen noch ein paar kaputte Reste der einstigen Innenausstattung, die Front ist mit Brettern vernagelt, die Botschaft auf einer Tafel eindeutig: Hier gibt es diesen Sommer kein Eis. Auch keinen Cappuccino und keine Pizza und Nudeln, wie sie auf der Speisekarte stehen. Il Gelato Italiano hat zu. Denn vor zwei Monaten ist ein betrunkener Autofahrer mit seinem Wagen in dem Lokal gelandet.
Vor fünf Jahren hatte Luca Peressutti an der Grünwalder Straße schräg gegenüber dem Dorfweiher seine Eisdiele mit Bistro eröffnet. Schnell entwickelte sich das Lokal zu einem beliebten Treffpunkt. Kinder aus der nahen Grundschule, Rathausmitarbeiter in der Mittagspause, viele Senioren und Radfahrer, die auf ihrer Tour hier vorbeikommen, sind längst zu Stammgästen geworden. Damit jeder sicher zu seinem Eis kommt, hat der Gemeinderat vor drei Jahren beschlossen, an dieser Stelle Tempo 30 auf der Durchgangsstraße anzuordnen. Auch an diesem Frühsommernachmittag bremsen zwei Ausflügler an der Ecke. "Kein Eis?", fragen sie. Andere Radler, die gerade auf den Laufzorner Weg in Richtung Oberhaching abbiegen, wissen längst Bescheid: "Leider nicht. Da ist ein Betrunkener reingerast!"
Tatsächlich war Anfang April ein 22-Jähriger zu schnell unterwegs, und das bereits in Grünwald, wo die Durchgangsstraße direkt an der Polizei vorbeiführt. Die folgte um 2.30 Uhr dem Temposünder, um ihn zu kontrollieren. Doch der Mann aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gab mit dem Auto seiner Mutter Vollgas in Richtung Straßlach. Der Fahrer soll auf 150 bis 170 Stundenkilometer beschleunigte haben. So stand es damals im Polizeibericht. Auf Höhe des Markushofs verlor er die Kontrolle über sein Auto und krachte in die Eisdiele. Dabei beschädigte er nicht nur die Eingangstür und die Fassade des Hauses, sondern auch die Einrichtung. Die Polizeibeamten stellten bei dem Fahrer damals eine deutliche Alkoholisierung von mehr als einem Promille fest.
"Da geht uns ein Stück Lebensqualität ab", sagt der Bürgermeister
Deshalb steht dort, wo bei diesem schönen Wetter auf der Terrasse und im kleinen Garten normalerweise die Leute ihren Espresso genießen und die Kinder mit ihren Eltern die Größe des Eisbechers verhandeln, ein Schild. "Für ein paar Monate" müsse man schließen, hat Peressutti draufgeschrieben, der auch noch eine Filiale in Grünwald betreibt. Wie lang Straßlach ohne sein Eis auskommen muss, weiß er noch nicht genau. "Wir sind dran", sagt er, er rechne diese Woche mit den Gutachten und bis Ende Juli mit dem Bescheid der Versicherung. Dennoch werde es noch eine ganze Weile dauern, bis er wieder öffnen kann. "Der Schaden ist doch sehr groß", sagt er und spricht von bis zu 250 000 Euro, auch weil die komplette Technik und der Boden kaputt sind. Eine Spezialfirma aus Italien müsse engagiert werden, "doch es ist im Moment schwierig, Handwerker zu bekommen", sagt Peressutti. Vor Oktober oder November werde es nichts mit der Wiedereröffnung, schätzt er.
Bis dahin bleibt Einheimischen und Ausflüglern nichts anderes übrig, als nach Grünwald zu fahren, wenn ihnen nach einer Kugel echtem italienischen Eis ist. Als Alternative bliebe noch der Bauern-Eis-Automat in Kleindingharting, sagt Bürgermeister Hans Sienerth, der den temporären Verlust des Lokals sehr bedauert: "Da geht uns ein Stück Lebensqualität ab."

