Straßennamen Himmlische Idee

Garchinger Stadtrat will Straßen nach Planeten benennen

Im Jahr 2015 hat der Wissenschaftler Felix Hormuth einen von ihm entdeckten Kleinplaneten auf den Namen Garching getauft, weil er dort einst ein Praktikum absolvierte. Seither hat die Universitätsstadt ihren festen Platz in den Weiten des Sonnensystems - nun wird andersrum auch das Sonnensystem ein Zuhause in Garching bekommen. Genauer gesagt sind es die Planeten von Mars bis Merkur, auf deren Namen die Straßen im Neubaugebiet Kommunikationszone getauft werden sollen, so hat es der Stadtrat beschlossen.

Vorausgegangen war der Entscheidung eine monatelange Debatte, in deren Zuge diverse Vorschlagslisten mit möglichen Straßennamen im Rathaus eingingen. Die Palette reichte von Künstlern über heimische Vögel bis hin zu Persönlichkeiten, wahlweise ohne oder mit Ortsbezug - genannt wurden etwa der CSU-Politiker Albert Probst oder der langjährige Ortschronist Odward Geisel. In eine ganz andere Richtung ging der Antrag der Grünen-Fraktion. Sie wollten sämtliche Straßen in der Kommunikationszone, wo dereinst bis zu 3000 Menschen leben sollen, nach Frauen benennen. In der jüngsten Stadtratssitzung begründete dies Werner Landmann (Grüne) mit dem "bisherigen extremen Ungleichgewicht", das in Garching herrsche. Demnach seien von etwa 150 Straßen im Ort immerhin 52 nach Männern benannt - dem steht nur der Lise-Meitner-Weg und bald die Paula-Hahn-Weinheimer-Straße auf dem Campus gegenüber.

"Das Problem in der Vergangenheit war", entgegnete Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD), "dass es schwierig gewesen ist, geeignete Frauen zu finden". Schließlich kämen nur verstorbene Persönlichkeiten als Namenspaten für Straßen in Betracht. Derweil befand Ulrike Haerendel (SPD): "Die Gleichstellung der Frauen entscheidet sich nicht an Straßennamen." Wichtiger sei ihr, "dass es irgendeinen Bezug zu Garching gibt". Michaela Theis von den Unabhängigen Garchingern räumte zwar ein "Ungleichgewicht" bei den Straßennamen ein, und dieses gelte es langfristig zu ändern. "Kurzfristig schlägt mein Herz aber für die Planeten", betonte Theis. Josef Euringer von den Bürgern für Garching forderte dagegen eine erneute Beratung, "um Visionen zu entwickeln". Und CSU-Fraktionschef Jürgen Ascherl schlug vor, die Bürger um Namensideen zu bitten.

Dazu wird es nun aber nicht kommen. Vielmehr lehnte der Stadtrat erst den Antrag der Grünen mit großer Mehrheit ab, ehe Wahlzettel verteilt und geheim abgestimmt wurde. Das Ergebnis: 14 von 19 Stadträten votierten für Planeten. Welche Himmelskörper zum Zug kommen, wird der Stadtrat noch entscheiden.