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Mobilität:Mit der Tram zur Zulassungsstelle

Tram St.-Veit-Straße

Derzeit endet die Tram 21 an der Wendeschleife in der Berg am Laimer St. Veit-Straße. Kreispolitiker wünschen sich eine Verlängerung nach Haar.

(Foto: Friedrich Bungert)

Eine Straßenbahn von Berg am Laim nach Haar würde laut Verkehrsuntersuchung zu wenige Fahrgäste anziehen. Die Kreisräte wollen deshalb prüfen lassen, ob die Gleise sogar bis nach Neukeferloh geführt werden.

Von Martin Mühlfenzl, Haar

In der Rushhour sind die Grenzen zwischen der Landeshauptstadt und dem Landkreis fließend. Mancher Pendler, der morgens auf der B 304 von Haar Richtung Trudering und Berg am Laim fährt, respektive schleicht, der wird hin und wieder daran denken, wie schön es doch wäre, jetzt auf Schienen stressfrei dahinzugleiten. In einer Tram. Und das womöglich auch noch schneller als im eigenen Fahrzeug. Diese Hoffnung allerdings dämpfte im Mobilitätsausschuss des Kreistags der Verkehrsplaner Bernd Kollberg vom Büro Intraplan, als es um eine Verlängerung der Straßenbahn über die Kreiller- und Wasserburger Landstraße von Berg am Laim bis Haar ging. "Eine Fahrt mit der Tram nach München wäre nicht so viel kürzer als mit dem Auto", sagte er.

Und er hatte noch eine weitere Konsequenz aus seiner Verkehrsuntersuchung im Gepäck: "Mit diesen Ergebnissen gibt es sicher keine Förderung." Soll heißen: Die derzeitigen Erkenntnisse bilden keine Grundlage für den Ausbau der Tram bis in den Landkreis München, weil die notwendigen Fahrgastzahlen noch nicht erreicht werden, um Subventionen durch den Bund erhalten zu können.

Ganz vom Tisch ist die Verlängerung der Straßenbahn allerdings noch nicht. Vielmehr einigte sich der Ausschuss darauf, die Linienführung weiter optimieren zu lassen und möglicherweise sogar eine Ausdehnung bis in den Grasbrunner Gemeindeteil Neukeferloh und das dortige Gewerbegebiet samt Kfz-Zulassungsstelle sowie nach Vaterstetten prüfen zu lassen. Die will etwa Otto Bußjäger weiter verfolgen. Der Kreisrat von den Freien Wählern sagte, in Neukeferloh gebe es 6000 Arbeitsplätze und alleine Vaterstetten habe 23 000 Einwohner - da sei es schon erstrebenswert, die Verlängerung der Straßenbahn weiter im Blick zu haben. Grünen-Fraktionssprecher Christoph Nadler verwies noch einmal auf die Idee eines Park-and-ride-Platzes östlich der Gemeinde Haar in der Nähe des Autobahnparkplatzes, um dort zahlreiche Pendler aufzufangen und zum Umstieg in die Tram zu bewegen.

Verkehrsplaner Kollberg wollte den Kreisräten den Optimismus auch nicht ganz nehmen und machte deutlich, dass eine Trambahn bis nach Haar natürlich auch ihre Vorteile habe. Wer mit der Linie 21 etwa bis zum Max-Weber-Platz fahren wolle, müsse dann - anders als mit der S-Bahn - nicht umsteigen. Allerdings, sagte Kollberg, seien die Fahrtzeiten mit der Straßenbahn natürlich deutlich länger: So würde eine Tram von einer geplanten Haltestelle Gronsdorf bis zum Ostbahnhof etwa 20 Minuten brauchen, die S-Bahn bewältigt die Strecke in lediglich zehn Minuten.

Geprüft werden soll nun, ob eine Vergrößerung der Abstände zwischen den Haltestellen eine Beschleunigung bringen könnte, auch einen Anschluss des S-Bahnhofs an die Tram empfahl Kollberg, um weitere wichtige Verknüpfungen herstellen zu können.

So lasse sich eventuell ein Grundproblem des Projektes lösen. Tram und S-Bahn würden sich, da sie parallel zueinander verlaufen, gegenseitig Fahrgäste wegnehmen und so kaum neue Pendler anziehen. Oder wie der Verkehrsplaner es ausdrückt - und was manchen leidgeplagtem Fahrgast wie Hohn vorkommen mag: "Auf dieser Achse haben Sie mit der S-Bahn schon eine sehr gute Qualität."

Ein anderes Argument spricht indes für eine Verlängerung der Tram, schließlich soll auch das Viertel am Jagdfeldring mit dem Ernst-Mach-Gymnasium angeschlossen werden - und der Schüleranteil aus München in der Einrichtung liegt konstant bei etwas mehr als 50 Prozent.

Landrat Christoph Göbel (CSU) sprach sich dafür aus, die Trasse weiter zu optimieren. Wenn dies allerdings nicht gelänge, sagte CSU-Fraktionschef Stefan Schelle, müsse man sich von der Tram an diese Stelle verabschieden und "das Geld woanders investieren".

© SZ vom 16.04.2021/hilb
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