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Kommunalwahl in Neubiberg:Duell auf Augenhöhe

Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Neubiberg, 2020

Da waren es noch vier. Elisabeth Gerner (SPD, von links) und Reiner Höcherl (Freie Wähler), die bei der SZ-Podiumsdiskussion noch hofften, sind raus. Thomas Pardeller (CSU) und Kilian Körner (Grüne) stehen in der Stichwahl.

(Foto: Claus Schunk)

In Neubiberg buhlen Thomas Pardeller von der CSU und der Grüne Kilian Körner mit innovativen Methoden um die Gunst der Wähler. Beide finden vor der Stichwahl fürs Bürgermeisteramt Unterstützer.

Wer in Neubiberg das Rennen um den Chefposten im Rathaus machen wird, bleibt bis zum Ende spannend. Am Sonntag werden Thomas Pardeller (CSU) und Kilian Körner (Grüne) in der Stichwahl gegeneinander antreten. Der Christsoziale lag zwar mit 37,5 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang vorne, Körner erreichte 29,7 Prozent. Beide verfügen aber über einige Jahre Erfahrung in der Kommunalpolitik, beide haben Unterstützer hinter sich. Für beide wäre der Posten als Rathauschef eine völlig neue Aufgabe. Amtsinhaber Günter Heyland (Freie Wähler) trat nicht wieder an.

Pardeller hatte von Anfang an die Liste der Überparteilichen Wählervereinigung der Studenten der Bundeswehruni und der Jungen Neubiberger hinter sich. Mittlerweile hat die Neubiberger FDP eine Wahlempfehlung für ihn ausgesprochen. Beistand erhält er zudem von der ehemaligen SPD-Bürgermeisterin und Landrätin Johanna Rumschöttel. Körner weiß inzwischen die neu gewählte SPD-Fraktion im Gemeinderat hinter sich. Einzig die Freien Wähler sind neutral geblieben - wen deren Anhänger wählen, wird sich zeigen.

Pardeller wie Körner haben angesichts der Corona-Krise vor allem online noch kräftig um die Gunst der Wähler geworben und dabei auf ganz neue Formate gesetzt. Körner schaltete sich in einer digitalen Townhall mit Katharina Schulze, Grünen-Fraktionschefin im Landtag, per Video zusammen. Wähler konnten Fragen stellen. "Es war eine tolle Erfahrung und ich war begeistert, wie viele Leute aus verschiedenen Richtungen sich mit Fragen gemeldet haben", sagt Körner. Pardeller hat auf Facebook mehrere Live-Videos eingestellt. Bei einem beantwortete ein Allgemeinarzt Fragen, die per Chat auf der Seite der Neubiberger CSU zum Coronavirus eingingen.

Zuletzt ging es auf der Facebook-Seite der Grünen etwas höher her. Oliver Gasparini von der Neubiberger SPD hatte dort geschrieben, dass Neubiberg von einer grün-roten Allianz nur profitieren könne und dies ein Ende der "unanständigen Tarnlisten-Schummeleien" bedeute. Leon Bogner, als neuer CSU-Gemeinderat gewählt, kritisierte das. Körner und Pardeller wollen diesen Stil aber nicht für sich in Anspruch nehmen. "Ich will damit punkten, was ich kann und was die Ziele der Grünen sind", sagt Körner. "Alles andere halte ich für überflüssig", sagt er. Auch Pardeller hält nichts davon, den Ton jetzt rauer werden zu lassen. "Wir müssen ja auch später gut zusammenarbeiten."

Beide wollen eine Lösung für die gestoppte Rathauserweiterung

Am Ende wird es darum gehen, wer die Wähler mehr überzeugt und wer ihnen mehr zusagt. Der 32-jährige Pardeller, Jurist, bisher noch nicht allzu viel Berufserfahrung. Der aber von sich sagt, dass er "für das Amt längerfristig zur Verfügung stehen würde". Oder der 58-jährige Körner, Familienvater, schon lange tätig als Unternehmer in der Finanzbranche. Auch er will dieses Amt wirklich haben - er versucht bereits zum zweiten Mal sein Glück als Bewerber um den Posten.

Pardeller möchte die Bürgerbeteiligung stärken. Körner ist Transparenz besonders wichtig und er will die Energiewende "richtig anpacken". Beide wollen eine Lösung für die gestoppte Rathauserweiterung finden - ihre Fraktionen hatten den Fortgang in geplanter Weise als zu teuer abgelehnt. Eine bessere Zusammenarbeit im Gemeinderat als aktuell ist ebenfalls beider Ziel. Unterschiedliche Ansichten haben sie zu einer möglichen Gewerbeansiedlung am Kapellenfeld im Ortsteil Unterbiberg. Die Frischluftschneise schützen wollen beide. Pardeller kann sich aber eine maßvolle Bebauung vorstellen, wie er bei der Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten vor ein paar Wochen sagte. Körner indes lehnt jegliche Bebauung ab, solange nicht die Klimagutachten, die die Stadt München in Auftrag gegeben hat, vorlägen, wie er bei der Podiumsdiskussion sagte.

Angesichts der Lage wegen des Coronavirus sehen beide aber zuallererst andere Baustellen. Pardeller hält jetzt "Krisenmanagement" für gefordert. Unter anderem müsse den Gewerbetreibenden geholfen werden. Er hat gerade einen Neubiberg-Gutschein nach dem Motto "heute zahlen, morgen kaufen" ins Leben gerufen, um die Liquidität der Firmen zu sichern. Körner sieht ebenfalls die großen Herausforderungen der Gewerbetreibenden und lobt ihr Engagement. Dass etwa die Buchhandlung Lentner oder der Blumenladen Baumann anböten, Bücher oder Blumen zu liefern. "Das geht viral und ich hoffe, dass es ihnen eine kleine Brücke bildet."

© SZ vom 27.03.2020/hilb

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