Stichwahlen im Landkreis MünchenWenn Amtsinhaber wackeln und Herausforderer hoffen

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Das spannendste Duell steht wohl in Ottobrunn an: SPD-Bürgermeisterkandidat Florian Schardt (Mitte) hat Amtsinhaber Thomas Loderer (CSU) mit einem beachtlichen Ergebniss in die Stichwahl gezwungen.
Das spannendste Duell steht wohl in Ottobrunn an: SPD-Bürgermeisterkandidat Florian Schardt (Mitte) hat Amtsinhaber Thomas Loderer (CSU) mit einem beachtlichen Ergebniss in die Stichwahl gezwungen. Sebastian Gabriel
  • Am Sonntag, 22. März, finden in 14 Städten und Gemeinden im Landkreis München Stichwahlen statt, so viele wie noch nie zuvor.
  • Auch Landrat Christoph Göbel (CSU) muss in die Stichwahl gegen Marion Seitz von den Grünen, nachdem er 46,3 Prozent erreichte.
  • Mehrere langjährige Amtsinhaber müssen um ihre Wiederwahl bangen, darunter der seit 19 Jahren amtierende Ottobrunner Bürgermeister Thomas Loderer (CSU).
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Bei  14 Stichwahlen im Landkreis München sind am Sonntag Überraschungen nicht ausgeschlossen. Auch Landrat Christoph Göbel (CSU) kann sich gegen Marion Seitz von den Grünen keinesfalls sicher sein.

Von Sabine Wejsada

Stichwahlen in 14 Städten und Gemeinden, die finale Entscheidung um den höchsten Posten im Münchner Landratsamt: In der zweiten Runde der Kommunalwahl wird es am Sonntag, 22. März, noch einmal richtig spannend. So viele Amtsinhaberinnen und Rathauschefs haben bei vergangenen Urnengängen im Landkreis München noch nie in die Verlängerung gehen müssen.

In die Stichwahlen mussten auch einige politische Schwergewichte – etwa der seit 19 Jahren amtierende Ottobrunner Bürgermeister Thomas Loderer (CSU). Gut möglich, dass sein Herausforderer von der SPD, der frühere Kreisvorsitzende Florian Schardt, ihm den Posten streitig macht: In der ersten Runde der Kommunalwahl erreichte er 39,9 Prozent, während Loderer mit 42,8 Prozent nur einen knappen Vorsprung erzielte. Die beiden Konkurrenten trennten beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen nur 288 Stimmen. Unterstützung bekommt Schardt vom unterlegenen Grünen-Bürgermeisterkandidat Leon Matella und womöglich vielen, die diesen gewählt haben. „Die Mehrheit wünscht sich einen Wechsel“, stellt der Grünen-Politiker fest.

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Ähnlich ist die Lage in Planegg: Dort setzten vor zwei Wochen nur 1555 Wahlberechtigte ihr Kreuzchen bei Hermann Nafziger (CSU). Das entspricht 30,5 Prozent. Er muss daher in die Stichwahl gegen SPD-Herausforderer Felix Kempf, der auf 24,5 Prozent beziehungsweise 1248 Stimmen kam.

Auch in Pullach geht es in die zweite Runde: Susanna Tausendfreund, seit 2014 die einzige Grünen-Bürgermeisterin im Landkreis München, hat im ersten Wahlgang zwar das beste Ergebnis der Kandidierenden eingefahren (1745 Stimmen oder 36,4 Prozent).  Ihre CSU-Konkurrentin Christine Eisenmann liegt jedoch mit 1474 Stimmen (30,7 Prozent) dicht dahinter und wird zudem von der Gruppierung „Wir in Pullach“ (WiP) unterstützt, deren Kandidat am 8. März unterlegen war. Das Duell am Sonntag in Pullach ist übrigens die Neuauflage der Stichwahl von vor sechs Jahren. 2020 entschied die Grünen-Politikerin mit 53,4 Prozent der Wählerstimmen die Verlängerung für sich.

Muss um seine Wiederwahl zittern: Garchings Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD).
Muss um seine Wiederwahl zittern: Garchings Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD). Claus Schunk
Hofft in der zweiten Runde auf die absolute Mehrheit: der Ismaninger SPD-Rathauschef Alexander Greulich.
Hofft in der zweiten Runde auf die absolute Mehrheit: der Ismaninger SPD-Rathauschef Alexander Greulich. Claus Schunk

Im Münchner Norden müssen am Sonntagabend zwei arrivierte SPD-Bürgermeister um ihre Wiederwahl bangen: Dietmar Gruchmann, seit 2014 Rathauschef in der Universitätsstadt Garching, liegt nur hauchdünn vor seinem CSU-Herausforderer Thomas Lemke. Dieser hat in der ersten Runde nur 175 Stimmen weniger bekommen als der Amtsinhaber. Gruchmann erreichte 34,1 Prozent (2401 Stimmen), Lemke 31,6 Prozent (2226 Stimmen). Während die Bürger für Garching und die Grünen auf eine Wahlempfehlung verzichten, plädieren die Unabhängigen Garchinger laut einer Pressemitteilung für einen Wechsel im Rathaus. Die Gruppierung ruft zur Unterstützung für Lemke auf.

Mit einem etwas größeren Vorsprung geht Alexander Greulich (SPD) in der Nachbargemeinde Ismaning in die Stichwahl. Ebenfalls seit 2014 im Amt, machten vor zwei Wochen 3959 Wahlberechtigte ihr Kreuzchen bei ihm (44,4 Prozent). Konkurrentin Sabine Wilhelm (CSU) brachte es auf 2766 Stimmen, also 31,0 Prozent. Für die Wiederwahl Greulichs sprechen sich zahlreiche Unterstützer aus, darunter Ismanings ehemaliger Bürgermeister Michael Seldmair von den Freien Wählern, der 24 Jahre lang das Rathaus führte.

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Ähnlich ist die Lage bei zwei weiteren Sozialdemokraten in München-Land: Neurieds Bürgermeister Harald Zipfel geht zwar als Favorit in die Stichwahl (1922 Stimmen, 41,4 Prozent), doch der Ausgang bleibt offen. Sein Herausforderer ist Robert Hrasky vom Bündnis Zukunft Neuried (1628 Stimmen, 35,1 Prozent). Mindy Konwitschny (SPD), Bürgermeisterin in Höhenkirchen-Siegertsbrunn, muss sich am Sonntag Christian Weitzels (CSU) erwehren. Dieser erzielte im ersten Wahlgang 2276 Stimmen und somit 39,0 Prozent, die Amtsinhaberin erreichte 2758 Stimmen, was 47,3 Prozent entspricht.

Fest steht derweil, dass die SPD das Unterhachinger Rathaus, das 18 Jahre lang von Bürgermeister Wolfgang Panzer geleitet wurde, bereits am 8. März verloren hat. In der Stichwahl treffen sich CSU-Mann Korbinian Rausch (4178 Stimmen, 35,3 Prozent) und Grünen-Bewerberin Johanna Zapf (4017 Stimmen, 33,9 Prozent). Der CSU-Kandidat erfährt vor der Stichwahl Schützenhilfe von SPD, Freien Wählern und FDP. Florian Riegel, 2014 Bürgermeisterkandidat der CSU in Unterhaching, spricht sich dagegen für Johanna Zapf aus.

Eine weitere Grüne, Carola Grimminger (2412 Stimmen, 35,3 Prozent), fordert den wegen seiner Kokain-Affäre in die Schlagzeilen geratenen Neubiberger Bürgermeister Thomas Pardeller am Sonntag heraus. Der CSU-Politiker hat jedoch mit 3391 Stimmen beziehungsweise 49,7 Prozent einen kommoden Vorsprung; in der ersten Runde fehlten ihm nur 86 Stimmen zur Wiederwahl. Ebenfalls als Favorit geht sein Hohenbrunner Parteifreund Stefan Straßmair in die Stichwahl. Der amtierende Bürgermeister kam auf 43,3 Prozent (1940 Stimmen), die Grüne Anke Lunemann erzielte 24,1 Prozent (1078). Für die Stichwahl kann Straßmair auf Unterstützung von SPD, ÜWG-FW und FDP zählen.

Treffen sich am Sonntag in der Stichwahl um die Münchner Kreisbehörde: Grünen-Landratskandidatin Marion Seitz und Amtsinhaber Christoph Göbel von der CSU.
Treffen sich am Sonntag in der Stichwahl um die Münchner Kreisbehörde: Grünen-Landratskandidatin Marion Seitz und Amtsinhaber Christoph Göbel von der CSU. Claus Schunk

Grünen-Kreisvorsitzende Marion Seitz hat es in die Stichwahl um den Posten des Landrats gegen Amtsinhaber Christoph Göbel (CSU) geschafft. Dieser holte im ersten Durchgang 77 231 Stimmen beziehungsweise 46,3 Prozent; Seitz kam auf 20,8 Prozent (34 732 Stimmen). Die Unabhängige Bürgergemeinschaft München-Land spricht sich für Göbel aus.

Stichwahlen gibt es auch in weiteren Rathäusern im Landkreis München: In Feldkirchen trifft der seit 2020 amtierende Bürgermeister Andreas Janson von der UWV (1595 Stimmen, 45,2 Prozent) auf CSU-Herausforderer Herbert Vanvolsem (1036 Stimmen, 29,4 Prozent). In Putzbrunn machen Michael Schulz (UBV, 1545 Stimmen, 46,8 Prozent) und Tobias Stokloßa (CSU, 1316 Stimmen, 39,9 Prozent)  die Entscheidung unter sich aus.

Neue Bürgermeister gibt es auch in Sauerlach sowie in Taufkirchen. Dort treten am Sonntag CSU-Mann Sebastian Thoma (2791 Stimmen, 38,4 Prozent) und SPD-Kandidatin Naciye Özsu (1385 Stimmen, 19,1 Prozent) gegeneinander an. In Sauerlach treffen Michael Hohenleitner (CSU, 1515 Stimmen, 33,3 Prozent) und Klaus Zimmermann von der UBV (1022 Stimmen, 22,5 Prozent) aufeinander.

Die SZ-Redaktion im Landkreis München bietet am Sonntag von 12 Uhr an einen Live-Ticker zu den Stichwahlen um die Rathäuser und das Landratsamt unter https://www.sueddeutsche.de/muenchen/landkreismuenchen

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