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Kommunalwahl im Landkreis München:Die grüne Welle ist abgeebbt

Kilian Körner hat sich Chancen auf das Bürgermeisteramt in Neubiberg ausgerechnet.

(Foto: Claus Schunk)

Susanna Tausendfreund hat das Rathaus in Pullach verteidigt, doch die Hoffnungen auf weitere Bürgermeisterposten für ihre Partei haben sich zerschlagen. Die meisten Kandidaten sind dennoch mit ihren Ergebnissen in der Stichwahl zufrieden.

Nach den vergangenen Wahlen schien alles möglich zu sein. Landtags-, Europa- und auch die Gemeinderats- und Kreistagswahlen vor 14 Tagen bescherten den Grünen Traumergebnisse. Und geträumt wurde von Bürgermeisterämtern, von Chefsesseln in Landratsämtern und längst auch vom grünen Kanzleramt. Doch seit den Stichwahlen am Sonntag macht sich landauf landab bei der Ökopartei Katerstimmung breit. Die grüne Welle ist abgeebbt. Auch im Landkreis München surfte kein Kandidat der Partei damit zu neuen Ufern.

Zwar haben die Grünen hierzulande nicht wie etwa in Miesbach oder Grafing ihre Posten verloren. Den einzigen, den sie bisher hatten, das Bürgermeisteramt in Pullach, haben sie mit dem Sieg von Susanna Tausendfreund erfolgreich verteidigt. Aber hinzugekommen ist eben auch kein grüner Bürgermeister und auch kein grüner Landrat. Bei fünf Kandidaten in den Stichwahlen hatte sich die Partei doch den einen oder anderen Erfolg ausgerechnet. "Der Wahlkampf war gut, für die letzten beiden Wochen kann keiner was", teilte Claudia Köhler, Landtagsabgeordnete und Ortsverbandsvorsitzende in Unterhaching noch am Wahlabend mit.

In Schäftlarn und Neubiberg hatten sie sich mehr erhofft

Vor allem in Schäftlarn und in Neubiberg hatten sie und ihre Parteifreunde gehofft, dass es etwas werden könnte mit zwei zusätzlichen grünen Rathäusern. Denn dort waren die Amtsinhaber nicht mehr angetreten, die Karten also neu gemischt worden. In Schäftlarn lag am Ende Marcel Tonnar 112 Stimmen hinter dem CSU-Kandidaten Christian Fürst, in Neubiberg kam Kilian Körner auf 44,2 Prozent. Der war auch am Tag nach dem Wahlabend noch enttäuscht über sein Abschneiden, hatte er sich doch persönlich wirklich gute Chancen ausgerechnet, Nachfolger des scheidenden Bürgermeisters Günther Heyland (Freie Wähler) zu werden. "Das ist eben Demokratie", sagt er am Montag, "man hat ja gesehen, dass überall unheimlich viel CSU gewählt wurde." Woran es speziell in Neubiberg gelegen hat, dass sich die Wähler mehrheitlich für den CSU-Kandidaten Thomas Pardeller ausgesprochen haben, "können wir im Moment noch nicht sagen", so Körner.

Womöglich habe es an den Studenten der Bundeswehr-Uni gelegen, die von der Wählervereinigung USU mehr als bisher zur Briefwahl motiviert wurden, vermutet er. Vielleicht habe auch die Wahlempfehlung von Alt-Landrätin Johanna Rumschöttel (SPD) für seinen Kontrahenten einiges bewirkt. Er habe Rumschöttel auch um Unterstützung gebeten, doch sie habe ihm mitgeteilt, dass Thomas Pardeller schneller mit seinem Anruf gewesen sei. "Das ist inhaltlich natürlich ein starkes Argument", sagt Körner wohl doch etwas verärgert.

Insgesamt 163 Mandate erlangt

Anders als in Neubiberg, wo die Grünen ein jahrelanges Gemeinderatsmitglied ins Rennen schickten, war in Unterhaching in Armin Konetschny ein weitgehend Unbekannter angetreten, der sich insofern über seinen Einzug in die Stichwahl gegen Amtsinhaber Wolfgang Panzer (SPD) freute und mit seinen 33, 4 Prozent am Sonntagabend auch nicht weiter haderte. Auch dass es Christoph Nadler gegen den amtierenden Landrat Christoph Göbel (CSU) schwer haben würde, war dem Grünen-Kandidaten von vorn herein klar gewesen. "35,9 Prozente sind ein Super-Ergebnis", findet Nadler daher auch.

Insgesamt bemühen sich die Grünen im Landkreis nach den bis auf Pullach verlorenen Stichwahlen vor allem ihr Abschneiden bei den Gemeinderats- und Kreistagswahlen hervorzuheben: 163 Mandate haben sie erlangt, sind mit 19 Kreisrätinnen und Kreisräten die zweitstärkste Kraft im Kreistag. In zwölf Gemeinden konnten sie ihre Mandate verdoppeln. In Neuried konnte die Fraktionsstärke sogar von zwei auf fünf, in Oberhaching von zwei auf sechs noch deutlicher gesteigert werden. "Wir sind nicht nur eine ökologische, sondern auch eine feministischen Partei, daher freut es uns besonders, dass bei den Grünen mehrheitlich Frauen in Zukunft in den Räten arbeiten werden", betont Grünen-Kreisvorsitzende Sabine Pilsinger und verweist auf 90 Frauen und 74 Männer, was einem Frauenanteil von 55 Prozent entspricht. Sie und ihr Co-Vorsitzender Volker Leib sähen in dem Ergebnis, dass die Wähler ein klares Zeichen für eine grüne Politik gesetzt hätten.

Dass es letztlich nicht für mehr Chefposten gereicht hat, will man bei den Landkreis-Grünen nicht in der Corona-Krise begründet sehen. Vor zwei Wochen habe man zwar noch keine Ausgangseinschränkungen gehabt, Corona sei aber auch schon in Bayern gewesen. "Wir hatten da schon eine ungewöhnliche Situation, und die war nicht wahlentscheidend für die Gemeinderäte und den Kreistag", sagt Pilsinger. Alle Parteien seien schließlich von der besonderen Situation betroffen.

© SZ vom 31.03.2020/hilb

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