Süddeutsche Zeitung

Starkbierfest in Unterhaching:Gelddruckmaschine aus dem Müll

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Krügelredner Alfons Hofstetter, Zweiter Bürgermeister in Unterhaching, unterhält die Gäste des Starkbierfests der CSU mit einer launigen Ansprache. Auch die Probleme mit der Geothermie-Anlage nimmt er aufs Korn. Kerstin Schreyer verfolgt das Derblecken erstmals als Ministerin.

Von Iris Hilberth, Unterhaching

In Jahren, in denen das Osterfest so früh gefeiert wird wie diesmal, muss man sich ranhalten, rechtzeitig einen Termin für den Starkbieranstich zu finden. Denn kaum versieht man sich, ist die Zeit des süffigen Gebräus, dieses genehmigten "flüssigen Brots" in der Fastenzeit, wieder vorbei. Die CSU Unterhaching hat geradeso kurz vor Schluss, genau eine Woche vor Karfreitag, den Zapfhahn ins Fass getrieben. Doch letztlich hat sich dieser Last-Minute-Termin für den Ortsverband der Christsozialen als goldrichtig erwiesen. Denn just zwei Tage zuvor war eine CSU-Frau aus ihren Reihen in die Staatsregierung aufgestiegen. Ortsvereinssitzender Michael Stiller war sichtlich stolz, dass sich Kerstin Schreyer unters Starkbiervolk gemischt hatte. Wann kann man schon in der Hachinga Halle mit einer Ministerin anstoßen?

Stiller war vor allem deswegen an diesem Abend so gerührt, weil er sich ein bisschen auch als Mitentdecker der CSU-Landtagsabgeordneten sieht, die in dieser Woche zur bayerischen Sozialministerin ernannt wurde. Er könne sich noch gut an jenen Sommer Ende der Achtzigerjahre erinnern, als die Junge Union Unterhaching, deren Vorsitzender er damals war, im Ortspark ein Fest veranstaltete. "Da kam eine junge, noch etwas schüchterne Frau auf mich zu und fragte, ob sie bei uns mitmachen könne, und das war die Kerstin Schreyer", berichtete Stiller am Rande des Starkbierfests. Man konnte an diesem fröhlichen Abend einige Väter der politischen Karriere der neuen Ministerin ausmachen. So merkte Krügelredner Alfons Hofstetter, Zweiter Bürgermeister und ehemaliges CSU-Mitglied, süffisant an: "Ihre Grundausbildung im Unterhachinger Gemeinderat unter meinem Fraktionsvorsitz hat schon was gebracht."

Das Politikerderblecken hat auch beim CSU-Starkbierfest schon eine gute Tradition und wieder einmal unterhielt Hofstetter die Gäste mit einer gleichsam spöttischen wie nachdenklichen Rede, in der Bundes- und Landespolitiker, vor allem aber die kommunalen Volksvertreter ihr Fett weg bekamen. Wobei er, der ja selbst seit 1972 im Gemeinderat sitzt, weiß, dass es gerade die nicht immer leicht haben. Mangelndes Lob durch den Bürger, Respektlosigkeit oder gar Bedrohung, über die sich SPD-Gemeinderätin Waltraud Rensch beklagte hatte, kann er zum Teil bestätigen. Wer will denn da noch in den Gemeinderat? Hofstetter kennt die Antwort: "Ein paar Rentner mit "sensus communis", ambitionierte Weltverbesserer und Leute, die glauben, auf der untersten Ebene der Politik noch etwas bewegen zu können oder von dort aus in höhere, lukrative Regionen starten zu können, werden sich noch finden." Aber er mahnte auch: "Wählt kritisch, nicht primär Parteizugehörigkeit sondern Persönlichkeiten."

"In Taufkirchen möchte ich auch nicht leben."

Der Zweite Bürgermeister hatte sich akribisch all die Dinge notiert, die im Rathaus diskutiert wurden, kleine Anekdoten wie weitreichende Beschlüsse, und hat daraus eine unterhaltsame Krügelrede gezimmert, die für so machen Schenkelklopfer sorgte. Von der endlich umgesetzten Querungshilfe bei St. Korbinian über das Ausspionieren des Liebeslebens der Fledermäuse durch die Grünen und der maroden, gesperrten Osttribüne des Fußballstadions bis hin zur Unterschriftenaktion Taufkirchner Senioren, die wollten, dass der 241-ger Bus öfter zum Waldfriedhof fährt. "Ich hoffe nicht, dass dahinter ein kollektiver Sterbewunsch stand", meinte Hofstetter und fügte hinzu: "Obwohl, in Taufkichen möchte ich auch nicht leben."

Für den größten Lacher sorgte ein kleines Gerät mit Kurbel, das er unter dem Rednerpult hervorzog, und Bürgermeister Wolfgang Panzer empfahl: "Knapeks Gelddruckmaschine", erklärte Hofstetter, er haben sie in einem Grünwalder Müllhäusl gefunden. Bekanntlich hatte der ehemalige Bürgermeister Erwin Knapek die Kalina-Anlage der Geothermie einst als Lizenz zum Gelddrucken bezeichnet. Jetzt ist Kalina auf dem Schrottplatz und die Geothermie gehört größtenteils Grünwald. Ob er nächstes Mal noch einmal als Krügelredner auftritt, ließ der bald 80 Jahre alte Hofstetter offen. "Ich weiß ned, ob ich mir den Stress noch einmal antue", sagt er. CSU-Fraktionsvorsitzender Richard Reiser ist aber überzeugt. "Wenn er gesund bleibt, werden wir ihn schon dazu überreden."

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SZ vom 26.03.2018/hilb
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