bedeckt München
vgwortpixel

Städtische GWG erzürnt Mieter:Höhere Miete für Sanierungsfall

Aufruhr in Sendling-Westpark: Wohnungen der GWG werden mit kleinen Öfen beheizt, im Bad fehlt das Waschbecken - und doch will die städtische Wohnbaugesellschaft eine saftige Mieterhöhung kassieren.

Am Morgen heiß duschen, ist nicht drin. Eine Stunde braucht der Gasofen im Bad von Florian Gruber, bis er das Wasser im Boiler erwärmt hat. Das dauert dem Ethnologie-Studenten einfach zu lange. Also macht er sich in der Küche auf dem Gasherd Wasser warm und wäscht sich Gesicht und Haare in einer Schüssel. Ein Waschbecken gibt es im Bad nicht. Auch keine Heizung. Gasöfen sind nur in der Küche und einem der zwei Zimmer.

Bad ohne Waschbecken: Die Häuser in Sendling-Westpark aus dem Jahr 1954, die der städtischen Wohnbaugesellschaft GWG gehören, sind stark sanierungsbedürftig.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Florian Gruber wohnt in Sendling-Westpark in einem der alten Reihenhäuser, einer 1954 hochgezogenen Arbeitersiedlung, die der städtischen Wohnbaugesellschaft GWG gehört. Der ausgebildete Kameramann war froh, als er vor drei Jahren in eine der kleinen Wohnungen einziehen konnte. Er wollte studieren und brauchte eine billige Bleibe.

Sechs Euro pro Quadratmeter betrug die Grundmiete. Für die 43 Quadratmeter große Wohnung musste er inklusive Betriebskosten monatlich 350 Euro an die GWG überweisen, dazu kamen noch etwa 35 Euro für Strom und Gas. "Ich habe mich darauf eingelassen, mir macht es nichts, dass es kalt ist", sagt Gruber. Für eine gleichgroße Wohnung mit besserer Ausstattung hätte er im teuren München sonst deutlich mehr bezahlen müssen.

Beim Treffen mit ihm ist der Küchentisch übersät mit Anwaltsbriefen und seiner eigenen Korrespondenz mit der städtischen Wohnbaugesellschaft. Es läuft eine Klage, Anfang Februar ist der Verhandlungstermin vor dem Amtsgericht anberaumt. Vor einem Jahr, Gruber wohnte gerade etwas mehr als zwei Jahre in der Hinterbärenbadstraße, erhöhte die GWG die Miete um 15 Prozent. 6,90 Euro sollte er von Februar 2010 an als Grundmiete zahlen. Der Student sah das nicht ein, zumal in der Wohnung der Putz abbröckelte und der Boiler im Bad nicht mehr richtig funktionierte. Auf seinem Computer demonstriert er, was herauskommt, wenn man den Mietspiegel-Bogen online mit den Ausstattungsmerkmalen seiner Wohnung ausfüllt: 4,59 Euro Grundmiete pro Quadratmeter.

Florian Gruber ließ sich vom Mieterverein beraten. Der bestätigte ihm, dass die Erhöhung nicht gerechtfertigt sei. Der Student wollte die Sache gütlich bereinigen und machte einen Vorschlag. Die GWG sollte für ein Waschbecken im Bad, Warmwasser in der Küche und eine Heizung im zweiten Zimmer sorgen - dann würde er mehr Miete zahlen. "Statt darauf einzugehen, begann die Verwaltung, mich mit Briefen unter Druck zu setzen und am Telefon zu beleidigen", erzählt Gruber.

"Mich stresst das wahnsinnig"

Wenige Tage nachdem er der Wohnbaugesellschaft einen geharnischten Brief geschrieben habe, in dem er ihr vorwarf, die Mieter einzuschüchtern, sei ihm die Klage zugestellt worden. Inzwischen ist der Student mürbe geworden. "Ich hab ehrlich gesagt keine Lust mehr, mich stresst das wahnsinnig", sagt er.

"Kernaufgabe der GWG ist, die Münchner Bürgerinnen und Bürger mit preiswertem und anspruchsvollem Wohnraum in allen Lebenslagen zu versorgen." Das teilt das Unternehmen, 1918 als "Gemeinnützige Wohnstätten- und Siedlungsgesellschaft mbH" gegründet, auf seiner Homepage mit. Knapp 27.000 Wohnungen gehören zum GWG-Konzern, der zu 100 Prozent Eigentum der Landeshauptstadt ist.

Der kaufmännische Geschäftsführer Dietmar Bock macht keinen Hehl daraus, dass die GWG noch viele Wohnungen besitzt, die von Grund auf saniert werden müssen. Das heißt meist entkernen, oft auch abreißen und neu bauen. "Wir schaffen im Durchschnitt 200 Wohnungen im Jahr", sagt Bock. Mehr sei kaum zu machen, "neuer Wohnungsbau ist ein teures Vergnügen". 3500 Wohnungen seien noch einzelbeheizt, berichtet der Geschäftsführer, sie besitzen also Bäder, in denen das Wasser mit Gas, teils auch noch mit Kohle erhitzt werden muss. Zwanzig Jahre, schätzt Bock, dauere es, alle diese Häuser auf modernen Stand zu bringen.

Warum aber bekommen Mieter in nicht sanierten Wohnungen eine saftige Mieterhöhung? "Solange es einen Spielraum gibt, nutzen wir den auch aus", sagt Dietmar Bock und klingt dabei nicht anders als ein Manager eines Dax-Konzerns, der auf Rendite und Aktienkurs schielt. Der Spielraum, das ist der örtliche Mietspiegel.