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Städtebau:Ein Park soll Kirchheim in neue Sphären heben

Die Anlage, die zur Landesgartenschau 2024 entsteht, schafft eine grüne Verbindung zwischen den beiden Gemeindeteilen

Von Christina Hertel

Wie ein kleiner Englischer Garten - so lautete eines der Komplimente, die das Büro Sinai für ihren Entwurf des neuen Kirchheimer Ortsparks erhielt. Obwohl dieser fast 40 Mal kleiner ist, passt der Vergleich irgendwie trotzdem: In beiden Parks gibt es einen See, in beiden wachsen Bäume und Sträucher möglichst natürlich. Doch während der Englische Garten bereits seit mehr als 230 Jahren Treffpunkt für Tausende Besucher ist, soll der Kirchheimer Park das erst werden. Wenn er nach der Landesgartenschau 2024 allen Menschen offen steht, soll er die Ortsteile Kirchheim und Heimstetten, die bis vor gut 40 Jahren zwei getrennte Gemeinden waren, miteinander verbinden - ohne den beiden Dörfern ihren eigenständigen Charakter zu nehmen. Gleichzeitig entsteht in und um den Park herum noch bis 2030 ein neues Quartier für mehr als 3000 Menschen - sodass sich Kirchheim unweigerlich verändert.

Bis zur Eröffnung der Landesgartenschau in vier Jahren werden große Teile des neuen Viertels bereits fertig sein: Das Rathaus, der Bürgersaal mit Biergarten und das Gymnasium stehen dann schon. Die Wohnbebauung allerdings wird zumindest teilweise erst danach gebaut. Die Flächen dafür verleihen die Bauträger an die Gemeinde, damit diese dort während der Großveranstaltung Blumen und Gewächse ausstellen lassen kann. Diese Anlagen kommen nach der Gartenschau wieder weg, doch der Ortspark bleibt bestehen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung haben die Architekten ihre Pläne konkretisiert: Klar war schon länger, dass der Park die verschiedene Zonen Wasser, Wildnis, Wald und Wiese haben soll, die die Architekten Sphären nennen. Neu hinzu kam der Parkbereich im Norden, wo Gemeinschaftsgärten und eines Tages womöglich ein Minigolfplatz entstehen sollen. Auch Spielmöglichkeiten - von der Boulderwand bis zum Fitnessparcours - haben die Architekten im Plan eingezeichnet. Doch nicht nur die Ideen wurden konkreter, sondern auch die Kosten: Während die Gemeinde noch vor einem Jahr von 8,5 Millionen Euro für den Park ausging, weiß sie heute, dass es wohl eher 12,6 Millionen Euro werden. Das liegt daran, dass Kosten im Bau im Generellen steigen. Ein weiterer Grund ist, dass die Gemeinde ihre Anforderungen erhöhte: So werden Brücken, Geh- und Radwege breiter als zunächst geplant, Überdachungen, Rampen und Treppen kamen hinzu und die Beleuchtung wurde verbessert. Weil wegen der Corona-Krise aber womöglich die Steuereinnahmen zurückgehen, will der Gemeinderat im Dezember beraten, ob er sich bestimmte Elemente noch leisten kann - etwa die Aussichtsplattform und Kunstwerke. Insgesamt könnte die Gemeinde sich entschließen, rund 750 000 Euro zu sparen.

© SZ vom 03.07.2020

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