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Stadtplanung:Neustart in der Ortsmitte

Das alte Ladenzentrum , das den Neubauten weichen soll, steht bereits länger leer.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Der bereits fertige Oberschleißheimer Bürgerplatz soll nach Jahren des Stillstands durch einen Marktplatz mit Läden und Cafés ergänzt werden

Von Klaus Bachhuber, Oberschleißheim

Für die Vollendung der Oberschleißheimer Ortsmitte gibt es einen neuen Anlauf. Sechs Jahre nach dem Baubeginn des ersten Abschnitts sind die Bebauungspläne für den neuen Marktplatz wieder im Papierkorb gelandet. Neue sollen jetzt erstellt und dann ins Verfahren geschickt werden. Die beiden Investoren haben ihre gemeinsamen Vorstellungen nun dem Gemeinderat präsentiert, der sie einstimmig abgenickt hat.

Ursache des langen Stillstands und nun auch der kompletten Umplanung war das lange Zögern des Rewe-Konzerns bei der Verwertung seines zentralen Grundstücks. Während in den Konzepten vor mehr als zehn Jahren noch ein futuristischer Rewe-Markt mit mehr als 1000 Quadratmetern Fläche als Einkaufsmagnet vorgesehen war, sehen die Pläne nun einen Wohnblock mit fünf Etagen vor, in dessen Erdgeschoss mit etwa 800 Quadratmetern Verkaufsfläche ein Penny-Markt angesiedelt ist.

Das zweite Gebäude an der Westseite des künftigen Marktplatzes bietet ebenfalls auf fünf Etagen Wohnungen und im Erdgeschoss je nach Zuschnitt Raum für zwei oder drei Geschäfte. Die zum Platz hin orientierte Ladenfläche soll ein Café aufnehmen. Am Stutenanger werden für die beiden Komplexe 39 Parkplätze entstehen, für die Hausbewohner werden zweistöckige Tiefgaragen gebaut.

Der Platz, den die beiden Objekte bilden, soll an den Bürgerplatz andocken und mit diesem die neue Ortsmitte bilden. Die Neugestaltung des Bürgerplatzes bis zur Nahtstelle ist schon seit Monaten abgeschlossen. Zu den neuen Blöcken hin wird der Platz ansteigen. Vor dem Café werden zur Korrektur des Gefälles Treppenstufen angelegt. Die beiden neuen Gebäude nehmen die zeilenartige Struktur der umgebenden Parksiedlung auf. Der Wohnblock über dem Penny-Markt soll ab dem ersten Obergeschoss zurückspringen und die Westfassade zum Platz hin dann in geschwungener Form gestaltet werden.

Massive Kritik an den Plänen gab es von den Grünen, denen auf dem Marktplatz zu wenig Bäume vorgesehen waren. "Schon der Bürgerplatz ist so kahl geworden", klagte Gaby Hohenberger, "das heizt sich so auf, dass es unerträglich ist, dort zu sitzen." Planer Markus Türk verwies auf die Baumreihen, die systematisch die Plätze und ihre Zuwege säumen. Auch im Süden des Bürgerplatzes wurde eine doppelte Baumreihe geschaffen, am Marktplatz würden alle Zuwege von Alleen begleitet. Zwischen den neuen Wohnblöcken seien Bäume wegen der Erreichbarkeit durch die Feuerwehr untersagt, außerdem würde "jeder weitere Baum die Nutzungsmöglichkeit des Platzes einschränken".

Einstimmig entschied der Gemeinderat, der vorgestellten Planung "grundsätzlich näher treten" zu wollen. Die Investoren können nun Bebauungspläne entwickeln, dazu sollen die Konditionen verhandelt werden. "Wir sind auf einem sehr guten Weg", sagte Bürgermeister Markus Böck (CSU). Mit dem Neustart könnte bei günstigstem Verlauf in gut drei Jahren ein Markt im Ortszentrum eröffnen. Seit Jahresbeginn ist der bisherige Einkaufsmarkt geschlossen, alle Geschäfte aus dem anliegenden Ladenzentrum sind längst schon verschwunden oder umgezogen.

© SZ vom 24.07.2020

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