Stadtentwicklung Neue Ortsmitte scheitert an Rewe

Der neue Bürgerplatz sollte eigentlich seine Fortsetzung in einem Marktplatz finden.

(Foto: Robert Haas)

Weil der Konzern den städtebaulichen Vertrag nicht unterschreibt, braucht Oberschleißheim einen Plan B.

Von Klaus Bachhuber, Oberschleißheim

Der seit mehr als 15 Jahren betriebene Masterplan für die Neugestaltung einer Oberschleißheimer Ortsmitte ist wohl gescheitert. Offenbar will der Rewe-Konzern die Neubaupläne für einen Lebensmittelmarkt als Kern eines potenziellen Marktplatzes nicht weiter verfolgen.

Das Rathaus arbeitet laut Bürgermeister Christian Kuchlbauer (Freie Wähler) nun an einer alternativen Lösung. Wie die aussehen könnte, ist aber unklar. Die neue Mitte sollte entstehen, indem der zur Theodor-Heuss-Straße nach Südosten orientierte Bürgerplatz mit dem Bürgerzentrum und das nach Norden ausgerichtete Ladenzentrum am Stutenanger vereinigt werden sollten.

Die aus der Zeit gefallenen Ladeneinheiten um den Rewe-Markt sowie die benachbarte ehemalige Gaststätte sollten abgerissen und durch moderne Geschäftsgebäude ersetzt werden, der dadurch gebildete Platz mit einem neu gestalteten Bürgerplatz vereinigt werden.

Doch jetzt ist Rewe offenbar von diesen Plänen abgerückt. Schon 2016 war nach Angaben aus dem Rathaus der Städtebauliche Vertrag unterschriftsreif, in dem das Baurecht für Rewe und den anderen privatwirtschaftlichen Investor sowie die Lastenverteilung bei den Planungs- und Erschließungskosten fixiert werden sollten. Doch Rewe unterzeichnet nicht. Zwischenzeitlich hatte Kuchlbauer öffentlich eine Frist bis Ende November gesetzt. Als die verstrichen war, erklärte er zum Jahreswechsel, dass der "Geduldsfaden mittlerweile sehr dünn" sei.

Was Rewe mit der Immobilie vorhat, ist unklar

Die Regionalleitung Süd der Rewe Group mit Sitz in Eching sagte auf Anfrage, der Konzern stecke "noch mitten in den Überlegungen bezüglich der Zukunft unseres Marktes in Oberschleißheim". Aktuell gebe es "keine konkrete Aussage". Nachdem die Planungen seit etwa 2005 laufen und die Verträge seit 2016 auf dem Tisch liegen, dürfte eine Umsetzung nach Plan ziemlich unwahrscheinlich geworden sein. "Auch wenn wir noch keine Aussage von Rewe haben, müssen wir irgendwie weiterkommen", sagt Bürgermeister Kuchlbauer, "wir arbeiten an einem Plan B."

Was Rewe vorhat, ist schwer zu ergründen. Den völlig antiquierten Markt aus den Siebzigerjahren, der angesichts der Neubaupläne seit Jahren nicht mehr instand gehalten wurde, kann der Konzern definitiv so nicht weiter betreiben. Das angegliederte Ladenzentrum steht bis auf einige Schaufenster, die von der Gemeinde als Ausstellungsflächen angemietet sind, komplett leer. Alle Betriebe, die dort einst angesiedelt waren, sind ausgezogen.

Die Immobilie, ohne die eine Abrundung der Ortsmitte nicht möglich ist, gehört dem Rewe-Konzern. Die Planung ist darauf aufgebaut, dass ein Einkaufsmarkt als Magnet die nötige Kundenfrequenz zur Belebung des Hauptplatzes wie auch des zweiten geplanten Ladengebäudes nebenan herzieht.

Ist es vorstellbar, dass Rewe den Standort aufgibt und die Fläche dann an einen Konkurrenten verkauft? Oder will Rewe die bestehenden Kapazitäten sanieren, neu vermieten und unverändert weiter betreiben? Dann ist die bauliche Vereinigung von Bürgerplatz und potenziellem Marktplatz unmöglich.

Der von der Gemeinde bereits bis zur gedachten Schnittstelle vorbereitete Bürgerplatz behielte sein offenes Ende. Zum Jahreswechsel hatte Kuchlbauer noch betont, vom Verhandlungsergebnis 2016 nicht mehr abrücken zu wollen: "Wir werden nicht von dem Plan abgehen, um den wir jahrelang gekämpft haben." Sein "Plan B" müsste aber wohl genau das beinhalten.

Oberschleißheim Platz ohne Markt

Nahversorgung

Platz ohne Markt

Weil der Lebensmittelkonzern Rewe den bereits vor zwei Jahren ausgehandelten städtebaulichen Vertrag mit der Gemeinde nicht unterzeichnet hat, steht das Herzstück des neuen Oberschleißheimer Ortszentrums auf der Kippe.   Von Klaus Bachhuber