Süddeutsche Zeitung

St. Ottilie in Möschenfeld:Parken bei der Wallfahrtskirche

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Naturschützer und Grüne wollen den Bau von oberirdischen Stellplätzen und einer Tiefgarage in Möschenfeld verhindern.

Von Bernhard Lohr, Magdalena Scheck, Grasbrunn

In Grasbrunn regt sich Widerstand gegen ein Bauvorhaben in Möschenfeld, das nach Überzeugung des Bundes Naturschutz und der Grünen weiter in den dort befindlichen schützenswerten Naturraum eingreift. Der Bund Naturschutz hat eine Online-Petition gestartet, um auf die "fortwährende Zerstörung dieses Kleinods" hinzuweisen. Konkret richtet sich der Protest gegen den Bau einer Tiefgarage und die Schaffung von oberirdischen Parkplätzen gegenüber der Wallfahrtskirche St. Ottilie. Alarmiert sind die Naturschützer nicht zuletzt deshalb, weil in den vergangenen Jahren dort in dem als Erholungsraum genutzten Gebiet bereits wertvoller Baumbestand verschwunden sei.

Die Formulierungen erinnern an den gerade wieder hochgekochten Konflikt um den kulturhistorisch bedeutsamen Weiler Keferloh mit seiner romanischen Kirche St. Aegidius, wo auf Betreiben der Gemeinde Grasbrunn ein Gewerbegebiet entsteht. Allerdings wehrt sich dort öffentlich bis dato niemand aus der Grasbrunn. Vielmehr sind es die Nachbarn aus Haar, die der Meinung sind, dass dort eine wertvolle Rodungsinsel zerstört werde. Haar beklagt Zersiedelung und betont immer, dass Erholungsraum verloren gehen werde. Gerade hat Haar beschlossen, eine bereits erteilte Baugenehmigung für eine Digitaldruckerei juristisch anzufechten.

Ein erster Beschluss des Gemeinderats

Für Möschenfeld hat nun kürzlich der Bauausschuss des Gemeinderats die Änderung des Flächennutzungsplans beschlossen, um ein Bauvorhaben der Agrar Grasbrunn GmbH und Co. KG zu ermöglichen. Auf ihrem Grundstück gegenüber der denkmalgeschützten Kirche St. Ottilie will die Firma weitere Parkmöglichkeiten für Mieter und Besucher des Guts Möschenfeld schaffen. Dafür soll eine Tiefgarage mit 60 unterirdischen sowie 45 oberirdischen Parkplätzen entstehen.

Mitchell Nelson von den Grünen zeigte sich enttäuscht über die Abstimmung. wurde der Beschluss ohne ausreichende Diskussion gefasst. Für die Grünen sei deshalb nicht ersichtlich geworden, warum der Bau der Tiefgarage notwendig sei, sagt Nelson. Aktuell sei auf dem Grundstück bereits ein Kiesparkplatz zu finden, der wenig genutzt werde. Da es zudem eine nahegelegene Tiefgarage gebe, erschließe sich den Grünen der Bedarf an weiteren Parkplätzen nicht. Auch das im Ausschuss vorgebrachte Argument, durch das Bauvorhaben den oberirdischen Parkverkehr einzudämmen, widerspreche sich mit der Planung von weiteren 45 Parkplätzen an der Oberfläche.

Die Grünen stehen dem Projekt auch deshalb skeptisch gegenüber, da sich auf dem Grundstück mehrere über 80 Jahre alte Ahornbäume befinden, die durch den Bau der Tiefgarage möglicherweise gefällt werden müssten, sagt Nelson. Doch der Erhalt der Bäume sei wichtig für die Umwelt, da diese Lebensräume für Tiere bieten und zum Klimaschutz beitrügen.

So ähnlich argumentiert Doris Dorschner-Walleitner, Vorsitzende des Bundes Naturschutz in Grasbrunn. Sie begründet ihre Online-Petition, die bis dato 54 Personen unterstützt haben, damit, dass in Möschenfeld bereits im elften Jahrhundert eine der Heiligen Ottilie geweihte Kapelle errichtet worden sei. Seit 1443 existiere die St.-Ottilien-Wallfahrt nach Möschenfeld. 1640 wurde die Wallfahrtskirche St. Ottilie errichtet. Sie ist in der bayerischen Denkmalliste enthalten. Seit 1895 gehört das Gut zum von Finckschen Familienbesitz. Dorschner-Walleitner befürchtet nun, dass durch die beabsichtigte Bebauung mehr als 3000 Quadratmeter Boden versiegelt werden.

Etliche alte und landschaftsbildprägende Laubbäume auf dem oberirdischen Parkplatz und Alleebäume entlang der Straße seien von der Fällung bedroht. Wegen des Klimawandels sei der Bestandsschutz für Bäume, insbesondere der älteren, wichtiger als je zuvor. Selbst sinnvolle Ersatzpflanzungen könnten jahrzehntelang den Nutzen alter Bäume nicht erbringen.

Laut Bund Naturschutz hat das Rathaus auf eine detaillierte schriftliche Anfrage bisher keine konkrete Antwort gegeben, ob der gefährdete Laubbaumbestand erhalten und geschützt werden soll. Schon bisher seien zu viele alte Bäume in Möschenfeld beseitigt worden. Die aktuelle Feldbestellung zeige, wie nahe an den Altbäumen der Allee Bodenumbrucharbeiten durch die Fincksche Agrarverwaltung vorgenommen würden.

Laut dem Grasbrunner Bauamt befindet sich das Projekt noch in der Anfangsphase, bisher liege lediglich eine Skizze des Bauvorhabens vor sowie gebe es Angaben zur ungefähren Anzahl der Parkplätze, es läge aber noch kein genauer Plan vor. Voraussichtlich sei die Tiefgarage für den privaten Gebrauch der Mieter gedacht, die Stellplätze an der Oberfläche zum Teil auch für die Öffentlichkeit, wie für Kirchenbesucher. Die konkrete Aufteilung und Größe der Parkanlage wurde noch nicht festgelegt, so das Bauamt. In den kommenden Sitzungen werde der Bauausschuss über die Planung diskutieren, erst dann werde auch entschieden, ob die Bäume auf dem Grundstück gefällt werden müssen.

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SZ vom 01.04.2021/belo
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