Interaktiver Squash-Platz Candy Crush mit Schläger

So bunt wie das Schiebespiel am Handy: der interaktive Squash-Court.

(Foto: Angelika Bardehle)

In der Taufkirchner Sportinsel steht der erste interaktive Court Bayerns. Bunte Projektionen, die an überdimensionale Handy-Spiele erinnern, sollen das angestaubte Image des Sports aufpolieren.

Von Valérie Nowak und Anna Majid

Montagmorgen in der Sportinsel Taufkirchen, die beiden Besucherinnen sind hoch motiviert: Denn heute dürfen sie den ersten Interactive-Squash-Court in Bayern ausprobieren. Gäbe es da nicht ein kleines Problem: Beide haben noch nie Squash gespielt. Egal, Herausforderung angenommen. Bevor sie aber in den I-Squash-Court dürfen, müssen sie Frank Weber, dem Inhaber der Sportinsel, ihr Talent am Schläger unter Beweis stellen. Der erklärt, dass so eine Squashkugel mit der richtigen Technik bis zu 200 Stundenkilometer schnell werden kann. Ein paar Mal schwingen die Schläger ins Leere, die kleine, schwarze Kugel kullert weg. Der nächste Treffer sitzt, der Ball schlägt gegen die Decke - außerhalb des Spielfelds, aber immerhin.

Schnurrbart, Tennissocken bis zum Knie, so sehen klassische Squash-Spieler aus, zumindest, behauptet das I-Squash-Entwickler Markos Kern. Der 36-Jährige möchte mit seiner Erfindung das angestaubte Squash durch "Gamification", wie er es nennt, wiederbeleben. Dafür gründete er die Firma "Fun With Balls GmbH", mit der er beim I-Squash den traditionellen Court mit einem Touchscreen aufpeppt.

An die Wand projiziert I-Squash nicht nur die klassischen Spiellinien, sondern die Spieler können aus einem Menü verschiedene Spiele auswählen. Eines erinnert an das Handyspiel Candy Crush, allerdings wischt hier kein Finger über einen Bildschirm, sondern der Spieler ist real in Bewegung, um statt Süßigkeiten bunte, einäugige Ungeheuer abzuschießen.

Rudolf Rohrmüller passt absolut nicht ins Schnurrbart-Klischee. Der 27-Jährige tritt dieses Jahr bei der Squash-Europameisterschaft im deutschen Kader an. Deutschlandweit können laut Rohrmüller nur die besten vier Spieler von ihrem Sport leben. Er ist hauptberuflich Gas- und Strommakler. Für seine Leidenschaft steht er morgens um fünf Uhr auf, um zu trainieren.

In seiner Freizeit fördert er zudem die 10- bis 17-Jährigen Nachwuchsspieler aus ganz Bayern. So wie diese Woche im Taufkirchner Trainingslager. Rohrmüller hat einen strengen Blick auf seine Schützlinge, feilt an ihrer Technik. Erfolgreich, wie das elfjährige Nachwuchstalent Hanna Hennig zeigt. Mit ihrem Schwung steckt sie selbst erwachsene Männer locker in die Tasche, ist Rohrmüller überzeugt.

Flink schlägt Hanna Haken über das circa sechseinhalb Meter breite Spielfeld. Zum Schutz ihrer Augen hat Hanna eine Plastikbrille auf, als stünde sie gerade im Chemielabor. Sie holt zum Schlag aus, zieht durch, donnert den Ball gegen die Wand. Ihr Mitspieler kommt kaum hinterher. Rohrmüller trainiert Hanna seit Jahren. Im Trainingslager gibt es I-Squash nur als "Zuckerl, höchstens 20 Minuten am Tag", so der ehrgeizige Profitrainer.

Wenn Weber die Glastür zum Court öffnet, ist es wie eine Zeitreise zurück in die Achtzigerjahre, denn damals spielten viele Squash. Unzählige Schläge haben über die Jahrzehnte schwarze Gummispuren an der Wand hinterlassen. "Das war der Hit, das Coolste und Geilste. Die Leute haben sich einen Squashschläger ins Cabriolet gelegt, um cool zu sein", glaubt Markos Kern. Danach ist der Sport tief gefallen, viele Courts mussten schließen. Einige wenige Veteranen kämpfen noch gegen den Verfall - so auch Frank Weber mit seiner Sportinsel. Teilweise mit neuen Angeboten, wie die von Markos Kern.

Herausforderung auf dem Sportplatz

Eines Tages sei der Entwickler vor der Tür der Sportinsel gestanden, erzählt Weber. Er habe einen Squash-Court mieten wollen - ein halbes Jahr lang, mit abgeklebten Fensterscheiben, keiner dürfe den Court in dieser Zeit betreten. "Der Typ hat Kohle, habe ich mir gedacht", erzählt Weber lachend, und er habe sich schon gefragt, ob da alles mit rechten Dingen zugeht. Doch dann war er begeistert von dem Projekt. Als I-Squash an den Start ging, war Weber einer der ersten in Deutschland, der die Technologie für seine Anlage kaufte.

Die Idee entstand, als Entwickler Kern mit einem Freund in Dubai zum Tontaubenschießen verabredet war. Ein Sandsturm machte ihnen einen Strich durch die Rechnung, und Kern fand sich in einem Squash-Court wieder. Squash sei etwas, das "so viel Spaß macht, aber so einen schlechten Ruf hat", sagt Kern. Das einzige, was ihm fehlte: Die Interaktion mit dem Spielfeld. So kam der Ball ins Rollen. "Wenn wir im Squash beweisen, dass es funktioniert, dann klappt das überall", erzählt er.

Kern bezeichnet sich selbst als "Global Player", zuletzt hat er sogar ein Surfcamp in Nordkorea eröffnet - was andere Leute abschreckt, sieht er als Herausforderung. Auch seine neueste Erfindung, das I-Squash, will er international bekannt machen. Trotzdem hat der Münchner ein bayerisches Schmankerl eingebaut: Den Wiesnklassiker "Hau den Lukas", dort spielen sich Squasher von der Breze über die Weißwurst bis zum Obstler nach oben, bei jedem Treffer regnet es Brezen vom Touchscreen-Himmel. Auch in New York und in Holland stehen seine Anlagen, auch dort regnen Brezen vom Himmel.

"So ein interaktiver Court kostet ein Vermögen", sagt Sportinsel-Betreiber Weber, eine genaue Zahl nennt er nicht. Doch die Investition scheint sich gelohnt zuhaben - bisher, erzählt er, wird das neue Spielfeld gut angenommen, mehr als 400 Kindergeburtstage feierten sie in der Sportinsel im vergangenen Jahr, rund 50 bereits im I-Court. Je nach Tageszeit kostet eine Stunde I-Sport mindestens 16 Euro. "Für uns ist es kein Squash-Court, sondern ein Fun-Court", sagt Weber. Und genau das ist sein Ziel: Leute, die Squash normalerweise nie ausprobieren würden, mit der neuen Technik neugierig zu machen. Spaß sollen sie haben, es geht Weber nicht darum, neue Profis groß zu ziehen. Squash müsse wieder zeitgemäß werden, und in Zeiten der Digitalisierung komme Interactive Squash genau im richtigen Moment: "Es rührt sich wieder was, es ist wieder Action drin."

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