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SpVgg Unterhaching:Premiere vor Leere

Geisterspiel-Atmosphäre: Nur wenige Offizielle dürfen am Dienstagabend im Unterhachinger Sportpark Platz nehmen.

(Foto: Claus Schunk)

Aufstiegsaspirant SpVgg Unterhaching empfängt an diesem Dienstag den FC Ingolstadt zum ersten Drittliga-Heimspiel nach der Corona-Pause. Die Partie findet ohne Zuschauer statt und wird gemäß den Hygieneregeln der Deutschen Fußball Liga ausgerichtet.

Jetzt haben sie also doch wieder angefangen. Allen Streitereien zum Trotz ist die Saison in der dritten Liga am Wochenende nach zwölfwöchiger Corona-Pause fortgesetzt worden. Für die SpVgg Unterhaching lief der Restart mit dem Auswärtsspiel beim Abstiegskandidaten SG Sonnenhof Großaspach erfolgreich.

Viel Zeit, um den 2:0-Sieg und den Sprung auf Tabellenplatz zwei zu bejubeln, bleibt indes nicht, denn sogleich geht es weiter, schließlich werden die verbleibenden Spiele bis Saisonende in englischen Wochen durchgepeitscht. Am ersten Juli-Wochenende steht dann endgültig fest, ob Haching den ersehnten Aufstieg in die zweite Liga schafft, es womöglich über die Relegation versuchen muss oder auch in der nächsten Spielzeit drittklassig bleibt.

Von Lagerkoller kann keine Rede sein

Da könnte der Partie gegen den FC Ingolstadt an diesem Dienstag (20.30 Uhr) richtungsweisende Bedeutung zukommen, schließlich will auch der oberbayerische Konkurrent wieder eine Klasse nach oben. Dass es in diesen pandemischen Zeiten kein normales Fußballspiel wird, versteht sich. In Liga drei sind wie in den beiden obersten Spielklassen keine Zuschauer erlaubt, die Hygieneregeln der Deutschen Fußball Liga (DFL) gelten auch in diesem Wettbewerb, obwohl der vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) verantwortet wird.

"Wir haben in den vergangenen Tagen die Auflagen akribisch abgearbeitet", sagt Peter Wagstyl, Vizepräsident der SpVgg Unterhaching. "Man kann sagen, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht." Das begann schon bei der Mannschaft, die sich gemäß den Vorschriften vor dem Spiel in Großaspach zwei Wochen lang im Quarantäne-Hotel in Großhartpenning von der Öffentlichkeit abschottete. "Von Lagerkoller konnte keine Rede sein, die Jungs sind gut drauf, verstehen sich untereinander und sind das entsprechend entspannt angegangen", erzählt Cheftrainer Claus Schromm, der vor allem bei den jungen Vätern im Team großen Informationsbedarf feststellte: "Sie wollten genau wissen, was zu Hause passiert. Da wurde täglich telefoniert."

Seit der Partie am Samstag bekommen sie wieder live mit, wie sich der Nachwuchs entwickelt, denn nun sind die Spieler in häuslicher Quarantäne und bereiten sich daheim auf den Auftritt unter Ausschluss der Öffentlichkeit gegen Ingolstadt vor. Im Stadion wird es wie in allen Geister-Spielstätten drei Bereiche geben: den Innenraum, die Tribünen und die Stadionperipherie. "In jedem der drei Bereiche dürfen nur maximal 100 Leute sein", erklärt Klubvize Wagstyl, die Bereiche würden durch eine Vielzahl von Ordnern gesichert.

Im inneren Bereich befinden sich Spieler, Trainerstab, Mannschaftsärzte, Fotografen, Kameraleute. Dazu zählt neben dem Platz auch der Kabinentrakt, wobei es im Sportpark so sein wird, dass die Gästegarderobe im Keller frei bleibt, die Ingolstädter ziehen sich im Erdgeschoss in den Jugendkabinen neben dem Haupteingang der Geschäftsstelle um. "Da haben wir im Vergleich zu anderen Drittligisten geradezu luxuriöse Bedingungen ", so Wagstyl.

Alle Personen werden namentlich registriert

Was die Ränge angeht, so wird während der Partien nur die Haupttribüne geöffnet sein, dort sitzen in den unteren Reihen die Ersatzspieler, oberhalb die Delegationen der Klubs, dazu technisches Personal des übertragenden Senders MagentaTV, Journalisten und Stadionsprecher. "Sämtliche Personen, die das Stadion betreten, werden namentlich registriert und auf Fieber getestet", erklärt der Vizepräsident. Lediglich der Stadioneingang links neben dem Biergarten wird geöffnet sein, im Gegensatz zur Gastronomie im Sportpark. "Der Biergarten wird am Dienstag um 15 Uhr schließen, die Wirtschaft hat wegen der Hygieneauflagen sowieso zu", sagt Wagstyl.

Bleibt die Frage, ob sich trotz der fehlenden Möglichkeit, dem Spiel beizuwohnen oder wenigstens ein Bier zu bekommen, irgendwelche Fans im Sportpark einfinden werden. "Wir werden das Spiel natürlich polizeilich betreuen", sagt Stefan Schraut, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion 31 in Unterhaching. Er geht diesmal nicht davon aus, dass sich heimische oder Ingolstädter Anhänger groß auf den Weg machen. "Wir haben natürlich keinerlei Erfahrung mit Geisterspielen, aber wir müssen uns darauf einstellen, dass zu den kommenden Heimpartien schon ein paar reisefreudige Fans der gegnerischen Teams mitkommen", so Schraut.

Die weiteren Heimspielgegner der SpVgg sind Eintracht Braunschweig, Waldhof Mannheim, 1. FC Magdeburg und Carl Zeiss Jena, die alle über eine sehr aktive Fanszene verfügen. Allerdings finden sämtliche Partien unter der Woche statt, was die Reiselust womöglich einschränkt. "Und wir halten Kontakt mit den Beamten, die an den Gastvereinen dran sind, dadurch sollten wir erfahren, wie groß der Andrang sein wird." Einen Vorteil hätte man als Polizeiverantwortlicher im Großraum München, sagt Schraut: "Wenn wir merken, es läuft aus dem Ruder, können wir in kürzester Zeit zusätzliche Kräfte heranschaffen."

© SZ vom 02.06.2020
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